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Nachhaltige Textilproduktion: Acht wichtige Fragen

Freitag, 27. Januar 2012

Uns hat in dieser Woche die Diskussion in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ – als Nachhut über den vorher gesendenten Markencheck einer schwedischen Modemarke – über billige Mode und Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie beschäftigt.

Als Gast war u.a. auch Bloggerin und Aktivistin Kirsten Brodde mit dabei, die “Transparenz im Herstellungsprozess von der Baumwolle an“ fordert. Von ihr ist in Zusammenarbeit mit Mark Starmanns jetzt im Netzwerk Faire Mode-Blog ein Artikel erschienen. Anhand von acht Fragen stellen die beiden die zentralen Herausforderungen für eine nachhatlige Textilproduktion vor – sehr lesenswert, wie ich finde. U.a geht es um die Transparenz bei allen Schritten der Wertschöpfungskette.

Hier geht’s zu dem Artikel.

„Kauft bewusster ein!“

Dienstag, 24. Januar 2012

So lautete der fordernde Kommentar einer Zuschauerin in der Sendung „Hart aber fair“, die gestern Abend im Ersten ausgestrahlt wurde. Das Thema: „Mein Kleid, Dein Leid“ – Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie (hier im Blog hatte ich darauf hingewiesen).

Wer zahlt den wahren Preis für billige Kleidung? Der Verbraucher, der mit einem T-Shirt für 2,99 Euro ein echtes Schnäppchen macht? Nein, den wahren Preis zahle die Näherin in Bangladesch, das Kind auf dem Baumwollfeld, kurzum „Menschen in den armen Teilen der Welt“, die Kleidung unter fragwürdigen, zweifelhaften Arbeitsbedingungen herstellen, so Moderator Frank Plasberg. Zu diesem Ergebnis kam auch ein Beitrag der „Check“-Reihe, der sich zuvor einer schwedischen Modemarke annahm. Mode, Qualität ok, aber Fairness? Fehlanzeige!

Dass Mode gleichwohl schick, unbedenklich für Umwelt und Mensch als auch sozialgerecht produziert sein kann, wurde von den Studiogästen lebhaft diskutiert. Casting-Direktor Rolf Scheider, der nach eigenem Bekunden „von dem ganzen Eco nur die Hälfte verstanden hat“, konnte dazu allerdings eher weniger beitragen. Konstruktiv dagegen die Statements von Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der konsequent in Deutschland produziert und gerechte Löhne aus Überzeugung an seine Näherinnen zahlt, weil er gute Arbeitskräfte im Unternehmen halten will. Feilschen um den letzten Cent bei den Produktionskosten, damit der Verkaufspreis für ein T-Shirt noch mal billiger werde, setzte er mit Größenwahn gleich.

Auch für hessnatur gab’s in der Sendung einen Auftritt: Holger Brackemann von der Stiftung Warentest war zu Gast und stellte die Ergebnisse der T-Shirt-Untersuchung von Sommer 2010 vor, bei der es nicht nur um die textiltechnische Qualität von 20 schwarzen Damen-T-Shirts ging, sondern auch darum, wie ökologisch und sozialverantwortlich die Shirts produziert werden. Das schwarze Damen-T-Shirt von hessnatur – gefertigt in unserem Betrieb in Litauen aus Bio- und Fair Trade-Baumwolle aus Burkina Faso – hatte seinerzeit als einziges T-Shirt die Auszeichnung „Starkes Engagement“ erhalten. Was auch in der Sendung lobend erwähnt wurde. „Das Unternehmen hat die ganze Wertschöpfungskette unter Kontrolle“, betonte Holger Brackemann.

Aktivistin und Bloggerin Kirsten Brodde sieht die Verantwortung für eine nachhaltige Produktion „ganz klar bei den Unternehmen, die ohne Chemie und soziale Ausbeute produzieren müssen.“ Dass der Verbraucher auf der einen Seite noch mehr Aufklärung benötigt, auf der anderen Seite solche Informationen zur Produktion auch nachvollziehbar sein müssen, wurde ebenso deutlich. Denn für Konsumenten schaffe auch ein „Made in …“-Etikett nicht wirklich Klarheit. „Das sagt nichts darüber aus, wo die Baumwolle herkommt. Wenn in einem Betrieb in Dhaka der letzte Knopf angenäht wird, reicht das für ein „Made in Bangladesch“, so Kirsten Brodde. Herkunft der Rohware und die anderen Produktionsschritte wie Färben seien damit praktisch verschleiert, die Produktionskette sei für den „Normalverbraucher sehr schwierig rauszukriegen“, stellte Moderator Plasberg fest. Im Hinblick auf eine solche Transparenz gibt es bei uns zu jedem Artikel die Deklarationen im Katalog und Onlineshop. Schon seit Jahrzehnten.

Unterstützend seien Siegel wie das GOTS-Logo (Global Organic Textile Standard) oder das Fair Trade-Zertifikat, wie Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hervorhob. Wobei ich hier ergänzen muss, dass das ganze Siegel-Thema auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Ökotex 100 hört sich nachhaltig und vertrauensvoll an, ist aber ein Siegel mit vergleichweise wenig Ansprüchen. Auch das Fair Trade-Logo – als der Nachweis des fairen Handels von Rohstoffen – trifft keine Aussage über die Arbeitsbedingungen in der Konfektion, sprich am Ende der textilen Kette. Und selbst wenn die Baumwolle für ein T-Shirt fair gehandelt und auch biologisch angebaut wird, kann bei den weiteren Schritten in der Produktion wieder Chemie beim Färben, Drucken und Veredeln auf die textile Fläche kommen. Ein konsequentes „Eco Fashion“-T-Shirt wird dann nicht mehr daraus – trotz Fair Trade.

Treffend der Beweis mit einer Modenschau, dass nachhaltige Kleidung modisch ist und nichts mehr mit dem gerne zitierten Schlabber- und Müslilook vergangener Tage zu tun hat. Die Podiumsgäste waren aufgerufen, fünf verschiedene modische Outfits als „öko“ bzw. „nicht öko“ einzuschätzen. Und lagen teilweise ganz schön daneben. Dirk Niebel wurde von Kirsten Brodde eingeladen, auf der Suche nach nachhaltig hergestellten Herrenanzügen und „Dienstjacketts“ mal bei hessnatur vorbeizuschauen – wir freuen uns auf Ihren Besuch, Herr Minister! Und da Moderator Plasberg denkt, dass bei hessnatur die Anzüge (immer noch?) gestrickt sind, darf er natürlich gerne mitkommen.

Bezeichnend fand ich im vorausgegangenen „Check“ die Szene, in der jugendliche Mädels mit Filmaufnahmen der zwölf Jahre alten Näherin Amina aus Bangladesch konfrontiert werden. Sie näht die „coole Mode“, die sie so gerne tragen. Betroffenheit macht sich bei den fast gleichaltigen Mädchen breit. Bemerkenswert ist ihre Reaktion: Nämlich die bekundete Bereitschaft, mehr für ein Textil zu zahlen, wenn man sicherstellen kann, dass der Mehrpreis auch der Näherin zugute kommt und ihr einen angemessenen Lohn beschert.

Gut gemachter Verbraucher-Journalismus, wie ich ihn gestern Abend im Ersten sehen durfte, fördert, was gefordert wird. Nämlich mehr Aufklärung, mehr Transparenz. Er trägt hoffentlich dazu bei, dass sich nachhaltiger und kritischer Konsum weiter in der Gesellschaft verbreitet. „Kauft bewusster ein!“ eben.

Die Sendungen „Hart aber fair“ und der Markencheck können in der ARD-Mediathek online angeschaut werden. Am heutigen Dienstag Abend wiederholt die ARD im Kanal Eins Extra um 20.15 Uhr die Diskussionsrunde „Hart aber fair“.

Screenshots: ardmediathek.de

Davids Einarbeitung: Teil 4 – “Innovation und Ökologie”

Montag, 23. Januar 2012

Zu Besuch im Bereich "Innovation und Ökologie": Mohamed - Meister der Stoffe

Die Einarbeitungswochen neigen sich dem Ende. Diesmal war ich zu Besuch im Bereich “Innovation und Ökologie” (intern liebevoll und pragmatisch I&Ö genannt).

Der Bereich I&Ö kümmert sich darum, dass alle Materialien, die bei hessnatur verwendet und produziert werden, den strengen Standards unseres Unternehmens tatsächlich gerecht werden. Außerdem werden neue Materialien und Materialmischungen gefunden oder kreiert, um neue Produktideen zu schaffen bzw. umzusetzen. Bei einem großen Sortiment, wie hessnatur es hat, ist das eine ganz schön komplexe und anspruchsvolle Aufgabe.

Eine wunderbare Einführung in den Bereich der I&Ö bekam ich von Birka Schenk. Sie kümmert sich, neben ihren vielen Aufgaben bezüglich der Qualitätssicherung bei hessnatur, auch um interne Schulungen zu den Prozessen und Fakten rund um die strengen Öko- und Sozialstandards unseres Unternehmen. Auch mir gab sie in unserem Gespräch einen guten Überblick darüber, was bei hessnatur alles beachtet werden muss. Was mich besonders beeindruckt hat, war der 16(!)-seitige “Artikelpass”. Dieses  Dokument muss von jedem Betrieb, der mit hessnatur arbeiten will, ausgefüllt werden. Und zwar für jedes einzelne Produkt. Alle Angaben in diesem Pass werden dann auf die Kriterien Ökologie, Sozialstandards, Fair Trade und nachhaltige Produktion geprüft und später immer wieder kontrolliert.

Ich konnte noch mehr interessante Menschen aus dem Bereich I&Ö kennenlernen. Auf dem Foto oben seht ihr mich mit Mohamed. Er ist zuständig für die Qualitätsicherung der Textilien bei hessnatur. Als “Meister der Stoffe” verfügt er über eine riesige Auswahl an Stoffproben, mit denen er sich auseinandersetzt. Wenn ihr einmal auf den Hintergrund achtet, vor dem wir stehen, dann werdet ihr einen Bruchteil der Stoffproben auf dem Ständer sehen. Wenn ihr dann aber noch genauer hinschaut, entdeckt ihr auch die unzähligen Ordner, die zahlreiche Informationen über die unzähligen Stoffproben beinhalten. Sagen wir einfach, als “Meister der Stoffe” hat man bei hessnatur alle Hände voll zu tun!

Zu guter Letzt traf ich mich mit Rolf Heimann. Er ist Leiter des Bereichs I&Ö und wurde bei hessnatur schon liebevoll zum “Umweltminister” und “Chefökologen” ernannt. Er ist “Biofreund” der ersten Stunde und hatte sich bereit erklärt, mit mir ein kleines Interview zu machen. Es entstand ein schönes Gespräch, in dem er auch viele persönliche Erfahrungen mit mir teilte. Ich möchte dieses Gespräch gerne an dieser Stelle auszugsweise mit euch teilen. Hört doch mal rein, wenn ihr Lust habt diesen viel gereisten Herrn und seine private Perspektive auf Konsum, Ökologie und Nachhaltigkeit ein bisschen kennenzulernen. Zum Interview kommt ihr hier.

Man könnte also sagen, der Bereich “Innovation und Ökologie” ist sowas wie der Schatzmeister der hessnatur-Philosophie, da hier alle organisatorischen Weichen gestellt werden, um die Öko- und Sozialstandards von hessnatur so genau einhalten zu können, wie wir uns das alle wünschen. Wie viel im Endeffekt dazugehört, um hessnatur-Produkte so ökofair zu machen wie sie sind, könnt ihr in unserem Video(kanal) bei Youtube sehr ansehnlich verfolgen. Hier ein Video, das sich prima für den Einstieg eignet.

Liebe Grüße und eine schöne Woche für euch alle.

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“Mein Kleid, Dein Leid” …

Montag, 23. Januar 2012

… “Wer zahlt den Preis für billige Mode?” – so lautet der Titel der Diskussionsrunde “Hart aber fair“, die sich am heutigen Montag Abend in der ARD mit den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie befasst.

Wer zahlt, wenn wir sparen und Mode zu Mini-Preisen kaufen können? Die Näherin in Bangladesch, das Kind auf dem Baumwollfeld in Indien? Oder kann Kleidung billig und fair sein? Diese und weitere Fragen diskutiert Moderator Frank Plasberg um 21.00 Uhr im Ersten u.a. mit Bloggerin Kirsten Brodde, Holger Brackemann von der Stiftung Warentest und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel.

Vor der Diskussionsrunde – von 20.15 bis 21.00 Uhr – gibt es im Rahmen der viel beachtetenden “Check“-Reihe des Ersten nach Lidl und McDonalds einen Beitrag über die weltweit zweitgrößte Modemarke aus Schweden.

Im Spiel der Farben

Freitag, 20. Januar 2012

Was als Projekt für ihr Modedesign-Studium in Bielefeld begonnen hat, ist mit dem Gewinn des Humanity in Fashion Award zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. „Ich kann’s noch gar nicht richtig fassen“, freut sich Sandra Goldmann, Preisträgerin 2012, nach der Siegerehrung in der Berliner Bauakademie.

Ihr Konzept, das die Jury überzeugt hat, heißt „Hinschauen“. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Gebannt blicke ich auf die Installation hinter dem Glas, mit der Sandra textile Färbetechniken visualisiert. Darauf hat sie den Fokus ihres Konzepts gelegt, darüber hat sie schon während ihres Studiums viel recherchiert, Literatur gesichtet, mit Stoffen und Farben experimentiert.

Die Installation macht die Zusammenhänge zwischen Farbe, Stoff und dem Mensch als Träger von Kleidung auf faszinierende Weise deutlich. Ein gebrauchtes Kleid ist auf eine Leinwand genäht und wird mit tiefblauer Farbe besprüht. Die Farbe tropft in eine Wanne, wird dort gesammelt und mit Hilfe einer Pumpe wieder aufgesprüht. Sukzessive wird das naturfarbene Kleid blauer und blauer – ein Prozess, der dauert und der textilen Fläche nach und nach seinen Charakter gibt. „Ich bin gespannt, wie das am Freitag Abend aussehen wird“, sagt die Gewinnerin des HIFA 2012. In Videoclips, die auf kleine Holzleinwände projiziert werden, werden Hosen, Pullover und Kleider mittels Farbe und einem Model, das sie plötzlich trägt, zum Leben erweckt. Gesunde, moderne Kleidung für die menschliche Haut, für den menschlichen Körper – das ist eine essentielle Aufgabe von Kleidung, von Mode.

Sandras Musterkollektion war zur Hälfte fertig, als ihr in der Bielefelder Fachhochschule das Plakat des Humanity in Fashion Award auffiel. Die Entscheidung, sich für den HIFA zu bewerben, kam schnell: „Meine Recherchen und meine Studienarbeit passten einfach zum Thema“, erinnert sich Sandra. Die spannende Aufgabe sei es jetzt, ihr gestalterisches Konzept zusammen mit hessnatur in eine Capsule Collection zu übersetzen. „Wichtig ist mir dabei, dass die essentielle Idee meiner Arbeit, nämlich ökologisches Färben und transparente, nachhaltige Produktion, nicht verloren geht“, betont die HIFA-Preisträgerin. „Aber dabei muss ich mir ja bei hessnatur keine Gedanken machen.“

Fotos: Marcus Schneider, Silke Weinsheimer