Archiv für die Kategorie "Produktion"

Das T-Shirt “Out of Order”

Donnerstag, 11. März 2010

In der bengalischen Hauptstadt Dhaka, so erzählt man sich vor Ort, könne man anhand der Farbe des Flußes Buriganga die nächste Mode-Trendfarbe ablesen – sind doch zig hunderte Textilfabriken in und um Dhaka angesiedelt, die nicht nur unter fragwürdigen sozialen, sondern auch schlechten ökologischen Standards produzieren und ihre Abwässer aus der Textilproduktion in den Fluß leiten.

Die Zustände in einem der ärmsten Ländern der Welt schreien zum Himmel. Ein ebensolcher Aufschrei ist das aktuelle Statement-Shirt der Frühjahr/Sommer-Kollektion von hessnatur Kreativdirektor Miguel Adrover. Sein Thema: „Out of Order“ – die Welt außer Betrieb, der Planet im Ausnahmezustand. Dringendes Handeln ist notwendig. Auf dem Motiv der Erdkugel weist uns „It´s getting hot“ auf die Klimakatastrophe hin, „Out of Business“ oder „Under Protest“ fühlen politisch und wirtschaftlich auf den Zahn. Während es in der Arktis wärmer und wärmer wird, gibt es im Süden keinen Fisch mehr – „Fish sold out“.

Produziert wurde das T-Shirt, das es für Damen und Herren gibt, bei Grameen Knitwear in Dhaka. Hier wird unter guten sozialen Bedingungen als auch ökologischen Bedingungen gearbeitet. Mit reiner Bio-Baumwolle, ohne schädliche Chemikalien – und ohne dabei den Fluß Buriganga zu belasten.

Live-Blogging: Lieferantenbesuch in Istanbul

Montag, 8. März 2010

Ich bin gerade in Istanbul in der Türkei. Draußen ist es sonnig, der Wind bläst kalt vom Meer rüber. Davon werde ich heute nicht allzu viel mitbekommen. Denn ich bin am heutigen Montag bei einem unserer Lieferanten hier zu Besuch. Normalerweise bin ich mit unserer Agentin alleine unterwegs. Heute nicht. Wir sind ein großes Team und überprüfen unsere Arbeit gegenseitig.

Die hessnatur-Agentin und ich, wir sind schon bekannt hier. Wir waren bereits zwei mal vor Ort bei einem hessnatur-Lieferanten in Istanbul, um die Fabrik auf Sozialstandards zu überprüfen. Die Produktionsstätte ist sehr groß, gerade nähen die Arbeiter Shirts aus Bio-Baumwolle für uns. Außerdem gibt es eine hausinterne Färberei, ein großes Lager und einen Raum, in dem die einzelnen Teile eines Textils geschnitten werden. Bei rund 500 Mitarbeitern ist natürlich auch die Kantine entsprechend riesig. Heute gab es Nudeln mit Rosenkohl und Linsensuppe – dazu natürlich Ayran.

Henrik und Margreet sind von der holländischen Fair Wear Foundation (FWF), die die Arbeitsbedingungen zusätzlich zu unseren Kontrollen überprüft. Auch sie sind heute den ganzen Tag in der Fabrik. Beide trainieren im Auftrag von FWF lokale Auditteams vor Ort. So kann sichergestellt werden, dass die hohe Qualität und die vielen Ansprüche – sowohl von der Fair Wear Foundation als auch von hessnatur – umgesetzt werden. Außerdem überprüfen sie meine Arbeit zusammen mit dem Lieferanten in den letzten anderthalb Jahren: Wie gut kenne ich den Lieferanten und die Arbeitsbedingungen vor Ort? Arbeitet der Lieferant nach dem Verhaltenskodex von hessnatur?

Das von der Fair Wear Foundation ausgebildete Auditteam besteht aus drei Personen: Zeynep, Alpay and Ufuk. Die drei haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit bei der Überprüfung von Sozialstandards. Und sie haben heute am meisten zu tun. Alpay ist der Chef im Team und inspiziert alles, was wir Fachfrauen und -männer unter „Health and Safety“, zu deutsch Gesundheit und Sicherheit, zusammenfassen. Zum Beispiel: Gibt es Feuerlöscher, Fluchtwege? Wie ist die Temperatur, das Licht in der Näherei? Zeynep ist zuständig für die Mitarbeiter-Interviews. Bereits letzte Woche war sie da und hat Mitarbeiter auf ihrem Weg zur Fabrik interviewt. Heute spricht sie mit einzelnen Mitarbeitern am Arbeitsplatz. Alpay darf sich den ganzen Tag mit Dokumenten beschäftigen. Gibt es Arbeitsverträge? Beinhalten sie alle relevanten Informationen?

Heute Abend wird dann alles auf einen Tisch gepackt: Was macht der Lieferant gut? Gibt es Mängel? Wurden diese durch hessnatur bereits vorher schon aufgedeckt? Was kann der Lieferant noch weiter verbessern?

Ich werde wahrscheinlich nach dem Tag heute Abend müde ins Bett fallen. Aber mit dem guten Gefühl, dass sich unsere Arbeit lohnen wird. Morgen haben wir dann ein Abschlussgespräch mit dem Management der Fabrik. Deren Reaktion ist immer wieder spannend. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Lob und Kritik um. Und schließlich müssen wir danach alle noch mal die Ärmel hochkrempeln, so dass auch die letzten kleinen Verbesserungsmöglichkeiten bald angepackt sind.

Wissen Sie eigentlich, was Sie tragen?

Freitag, 5. März 2010

Ich meine Ihr T-Shirt. Haben Sie da schon mal genauer aufs Etikett geschaut? Wo kommt es her? Und wo wurde die Baumwolle dafür angebaut? Ich vermute, dass das nicht erkennbar ist auf diesen langen, fast papierartigen Anhängseln, innen in der linken Seitennaht der meisten Markenshirts. Oder hinten in der obere Mitte.

Die meisten kaufen ihr T-Shirt doch nur, weil es toll aussieht. Der Aufdruck oder die Farbe. Oder die Marke, die dann irgendwo erkennbar ist. Kann der Impuls auch sein: Ich kaufe genau dieses T-Shirt, weil es aus einem Bio-Baumwollanbau-Projekt aus Burkina Faso stammt und in Bangladesch sozial fair gefertigt wurde?

Gemessen an der gesamten Menge verkaufter T-Shirts weltweit ist der Bio-Baumwollanteil verschwindend gering. Es gibt ein paar Versuche, z.B. von Greenpeace oder von Pietra Rivoli, die Entstehung dieses allgemeingültigen Kleidungsstückes zu beleuchten und zu dokumentieren. Um sichtbar zu machen, wieviel Drama und menschenunwürdige Arbeitsbedinungen überhaupt möglich sein können. Unvorstellbar und leider unbeachtet von der Mehrzahl der T-Shirt-Bewohner und –besitzer.
Unser Burkina Faso-Projekt hat im November 2009 wieder geerntet. Darüber haben wir schon berichtet. Im kbA-Anbau wird von Hand gepflückt (Michi hat sich davon überzeugt)! Und GMO ist auch nicht drin, wie wir wissen. Was ist eigentlich notwendig, um allen Menschen näher zu bringen, dass es nur so gehen kann?

Wenn wir unseren Kindern eine Zukunft hinterlassen wollen, wird es Zeit, solche Projekte wie Pilze aus dem Boden schießen zu lassen. Um Hoffnung zu schenken und Zukunft zu gestalten. Professor Yunus ist einer, der mit seiner Vision und Mikrokredit-Idee vielen Menschen eine neue Perspektive ermöglicht. Zuerst waren es nur er und seine Studenten. Und heute studieren die Kinder der ersten Generation von Kreditnehmerinnen.

Wir stehen für T-Shirts mit Geschichten. Und für Transparenz in der textilen Kette. Es ist ganz einfach, ein Teil davon zu werden. Ein Statement-Shirt teilt anderen mit, wofür wir selbst stehen. In der kommenden Woche zeigen wir mehr davon.

Aktive Entwicklungshilfe: Mittagessen in der Schule

Montag, 15. Februar 2010

Schulspeisung

Können Sie sich noch erinnern? In unserem Katalog Herbst/Winter 2009 haben wir Ihnen eine völlig neue Art der Neukunden-Prämie zur Auswahl gestellt. Statt einem Geschenk oder einem Gutschein in Höhe von 20€ konnten Sie sich dafür entscheiden, den Gegenwert Ihrer Prämie für das Mittagessen eines Schulkindes in Komadougou, einem unserer Bio-Baumwoll- Anbau-Dörfer in Burkina Faso, zu spenden. Hessnatur legte die gleiche Summe obendrauf und konnte jetzt den stattlichen Betrag von 2850€ an die Schule dort überweisen.

Es ist also geschafft! Die Kinder bekommen jetzt jeden Mittag ein warmes Essen. Sie müssen nicht über manchmal mehrere Kilometer, meist barfuß, nach Hause laufen, um dort eventuell etwas zu essen. Meist reicht das Essen in den Familien gar nicht für alle.

„Die Lernergebnisse werden sich verbessern, wenn die Kinder in der Schule bleiben können und den Nachmittag nicht hungrig verbringen müssen,“ verspricht sich der Direktor der Schule Ouba Domènique, der die Schule seit 2004 leitet. Jetzt sind also alle 375 Schulkinder für knapp drei Monate mit Mittagessen versorgt. Ein Ergebnis, das unsere Erwartungen übertrifft. hessnatur sagt Danke!

Wie einfach es ist zu helfen, zeigt diese kleine Aktion; wir freuen uns mit der Schule dort. Die Kinder profitieren doppelt: einmal über ein ausgewogenes Mittagessen und zum anderen über Bildung, die ihnen in der Zukunft helfen wird, aus der Armut herauszukommen.

Machen Sie bitte weiter.  Gemeinsam schaffen wir es, die Schulkinder weiter zu unterstützen. Hier geht es zur Freundschaftswerbung und zur Prämienauswahl.

Multi-Stakeholder-Meeting 2010

Freitag, 5. Februar 2010

Multi-Stakeholder-Meeting

Einmal im Jahr ist für mich als Projektmanagerin für Sozialstandards der große Tag. Zusammen mit Leiter Rolf Heimann und meiner Kollegin Maren Mönnich aus dem Bereich Innovation & Ökologie werden Vertreter der Fair Wear Foundation (FWF), der Kampagne für saubere Kleidung (CCC – Clean Clothes Campaign), die IG Metall (IGM) und der Betriebsratsvorsitzende von hessnatur eingeladen, um mit ihnen alles rund um das Thema Sozialstandards in der Wertschöpfungskette von hessnatur zu besprechen. Anfang Februar war es nun soweit. Und dieses Mal neu mit in der Runde: das Unternehmen HempAge, welches seit November 2009 das zweite deutsche Mitglied in der Fair Wear Foundation ist.

Was heißt Multi-Stakeholder-Meeting? Stakeholder sind natürliche und juristische Personen, die Interesse an dem Verlauf eines gemeinsamen Themas haben – in unserem Fall: gerechte Arbeitsbedingungen. Multi sind wir, weil alle beteiligten Interessensgruppen an einem Tisch zusammen kommen. An erster Stelle die Fair Wear Foundation. Eine Institution, die sich weltweit für die Implementierung und Kontrolle von Sozialstandards in der Wertschöpfungskette einsetzt. Dann die CCC, die Kampagnen gegen Ausbeutung von Arbeitern in der Textilindustrie initiiert. Die IGM, die als Arbeitergewerkschaft die Interessen der Arbeiter in den Nähereien vertritt. HempAge ist ein Spezialist für sozial gerechte Hanftextilien und natürlich wir: hessnatur, ein Unternehmen, das sich für die Einhaltung von sauberen Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern genauso einsetzt wie für die ökologische Reinheit der Artikel.

Jeder von uns hat die anderen darüber informiert, welche Fortschritte im vergangenen Jahr erzielt wurden und was für dieses Jahr geplant ist. Einmal um die ganze Welt gingen die Diskussionen, denn hessnatur produziert weltweit. Wie sind Arbeitsbedingungen in Polen im Vergleich zu Tschechien? Welche Herausforderungen entstehen im Gespräch über Sozialstandards mit unseren Lieferanten? Wie können wir sicherstellen, dass auch die Näherinnen und Näher (und nicht nur das Management) über ihre Arbeitsrechte informiert sind? Welche Erfahrungen konnten wir auf den Geschäftsreisen bei unseren Lieferanten sammeln?

Ein spannender, lehrreicher und informativer Tag liegt hinter uns. Jetzt geht’s wieder an die Arbeit. Im März bin ich in der Türkei – Polen und Litauen folgen. Gleichzeitig sind Audit-Teams der Fair Wear Foundation in Thailand, China, Bulgarien und Mazedonien unterwegs und überprüfen in unserem Auftrag vor Ort die Bedingungen. Wer bis zu meinen Reiseberichten noch was zum Lesen braucht: Der Sozialbericht 2009 wurde gerade auf der hessnatur-Unternehmenseite veröffentlicht.