Archiv für die Kategorie "Umwelt"

Zero Waste – Es wird höchste Zeit!

Dienstag, 25. November 2014

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In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ findet sich eine Beilage zu Verschwendung, Abfall und wie Ressourcen geschont werden können – oder kurz gesagt: es geht um Nachhaltigkeit. Die Ideen, die wir bei hessnatur seit mehr als 35 Jahren hochhalten, für die wir gekämpft haben und immer noch kämpfen, Ideen und Bewegungen, deren Vorreiter wir häufig waren – etwa die Einführung der Bio-Baumwolle in der Konfektion – diese Ideen kommen allmählich in der Mitte unserer Gesellschaft an. Darüber sind wir sehr glücklich. Wir finden, es wurde auch höchste Zeit!

Abfall als kostbarer Rohstoff
Der Begriff Zero Waste kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „null Abfall“, nichts wird weggeworfen. Bei hessnatur folgen wir dieser Vorgabe, so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten, sowieso längst. Die meisten unserer Pullover und Strickjacken werden „fully fashioned“ gestrickt, das heißt in einem Stück, so dass kaum noch Abfälle anfallen. Nur unsere Strickbluse, der Klassiker aus Merinowolle, die wird zum Teil noch zugeschnitten. Die anfallenden Abfälle sammeln wir jedoch inzwischen sorgfältig nach Farben sortiert.

Mithilfe der freiberuflichen Textildesignerin Kerstin Jost-Eisenberg stellen wir aus diesen kostbaren Resten einen hochwertigen Wollfilz her. Und dieser wird in einer sozialen Werkstatt zu funktionalen Hüllen für Handy und Tablet verarbeitet. Alles made in Germany übrigens. Auch unseren Schmuck, den Ihr als Accessoire bei uns bekommt, den verpacken wir seit Beginn des Jahres in diesen kleinen Filztäschchen! Ein echtes Zero Waste-Projekt war und ist das.

Ein Teil, drei Looks
Doch damit nicht genug: Im Frühjahr 2015 werden wir bei hessnatur mit einer brandneuen Zero-Waste-Capsule Kollektion an den Start gehen. Unsere Designerin Simone Austen hat sie entworfen. Sie hat sich bereits im Studium mit Zero Waste Konzepten beschäftigt und war Feuer und Flamme dafür, eine solche Kollektion bei hessnatur zu realisieren.

Das erste Teil ist ein Shirt aus reiner Baumwolle mit einem schlichten, aber effektvollen Aufdruck. Die gerade Form mit den überschnittenen Schultern ist hochaktuell und sieht lässig aus. Dazu kommt der Star der Mini-Kollektion: Ein schwarzer Wickelrock aus fließendem Seiden-Crèpe. Ein Teil, drei Looks!

Der Rock lässt sich auf dreierlei Art und Weise wickeln und sieht jedes Mal wieder anders aus. In Kombination mit einem raffiniert geschnittenem, wandlungsfähigem Seiden-Top ebenfalls in schwarz oder kontrastierendem hellrosa entsteht ein Style, der nicht nur modisch, cool und lässig ist, sondern auch nachhaltig, fair produziert und eben zu 100 Prozent ohne Abfälle entstanden ist!

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ZUR ZERO WASTE KOLLEKTION! >

Uralt und immer noch super cool

Dienstag, 12. August 2014

Okay, die Menschheit ist schon alt, und Textilien hat sie wohl schon immer hergestellt. Dennoch bricht Leinen, die aus dem Flachs hergestellte Pflanzenfaser, alle Rekorde: In der Duzdzuana-Höhle im heutigen Georgien wurden von Menschen hergestellte Leinenfasern gefunden, die mehr als 30.000 Jahre alt sind! Nahezu unvorstellbar.

Leinen zeichnet sich dadurch aus, dass es die Luftfeuchtigkeit leicht aufnehmen und schnell wieder abgeben kann. Es wirkt also kühlend, aber dennoch trocken auf der Haut, was Leinen zu einer beliebten Sommerfaser macht. Im Gegensatz etwa zur Baumwolle ist Leinen kaum elastisch und deshalb knitteranfällig. Jedoch zeichnen das Leinen ein natürlicher Glanz und eine natürliche Stärke aus. Es muss also nicht zusätzlich gestärkt werden. Und beim Anbau ist Flachs kaum auf den Einsatz von Düngern und Pestiziden angewiesen.

Flachs wurde bis zum Siegeszug der Baumwolle während der Industriellen Revolution auch viel in deutschen Landen angebaut. Seit 2005 engagiert sich hessnatur im Projekt „Hessen-Leinen“, im Rahmen dessen mittelhessische Bio-Bauern wieder mit dem Anbau von Leinen begonnen haben, ganz ohne Chemie. Die „Hessen-Leinen“-Kollektion von hessnatur ist ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in der hiesigen Landwirtschaft und zur Unterstützung regionaler Bauern.

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Wusstest Du, dass…
…Leinenfasern in der Dzudzuana-Höhle im heutigen Georgien gefunden, die mehr als 30.000 Jahre alt sind?
…Leinen aus den Fasern der Flachspflanze gewonnen wird und zu den Bastfasern gehört?
…Leinen von Natur aus bakteriozid, flusenfrei, fast antistatisch und schmutzabweisend ist?
…Leinen reißfest ist und natürlichen Glanz und Stärke besitzt?
…Flachs bei der Ernte gerauft, d.h. aus dem Boden ausgerissen wird, da beim Mähen die Fasern zerstört würden?
…hessnatur seit 2005 den Bio-Anbau von Leinen im Bundesland Hessen fördert?
…die Hessen-Leinen-Kollektion von hessnatur die Biodiversität und die regionale Landwirtschaft fördert?
…die Leinenproduktion kaum auf den Einsatz von Kunstdünger und Spritzgiften angewiesen ist?
…bis ins 20. Jahrhundert hinein Leinen in Handarbeit gewebt wurde?
…Leinen traditionell hauptsächlich in Irland, Holland, Westfalen, Sachsen, Schlesien und Böhmen verarbeitet wurde?

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Vom Luxusartikel zur Massenware

Dienstag, 5. August 2014

Baumwolle scheint uns in der heutigen Zeit kaum einen zweiten Gedanken wert zu sein. So selbstverständlich sind uns heute T-Shirts, Hosen, Kleider, Röcke, Jacken, Mäntel und Pullover aus der weichen Textilfaser. Doch das war beileibe nicht immer so. Beliebt ist die Baumwolle als Textilfaser zwar schon seit Jahrtausenden in so verschiedenen Kulturkreisen wie Indien, Mittelamerika und im Alten Ägypten, sie wurde aber häufig als teures Luxusgut gehandelt. Erst mit der Erfindung mechanischer Spinnmaschinen im ausgehenden 18. Jahrhundert konnte Baumwolle zusehends kostengünstiger und in großen Mengen produziert werden.

Öko-Pionier Heinz Hess ist es zu verdanken, dass in der heutigen, industrialisierten Textilindustrie Bio-Baumwolle wieder eine Rolle spielt. Konventionell angebaute Baumwolle muss von der Aussaat bis zur Ernte bis zu 55 Mal mit Herbiziden und Insektiziden gespritzt werden, was eine enorme Belastung für die Umwelt und die im Anbau tätigen Menschen ist. Damit fand sich der hessnatur-Gründer nicht ab und rief im Jahr 1991 im ägyptischen Sekem das weltweit erste Bio-Baumwoll-Anbauprojekt ins Leben. Heute ist Bio-Baumwolle ein hessnatur-Standard.

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Wusstest Du, dass…
…Baumwolle aufgrund ihrer Hautfreundlichkeit und Saugfähigkeit die beliebteste Textilfaser ist?
…Baumwolle aus 90 Prozent Zellulose besteht und bis zu 65 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen kann?
…Baumwolle extrem zugstark, strapazierfähig und reißfest ist sowie äußerst widerstandsfähig gegen Hitze und Laugen?
…archäologische Funde in Mexico belegen, dass Baumwolle seit circa 5000 v. Chr. als Textilfaser Verwendung findet?
…die Baumwolle etwa 325 v. Chr. durch Alexander den Großen von Indien nach Europa kam?
…dass Baumwolle seit dem 12. Jahrhundert nachweislich in Deutschland verarbeitet wird?
…konventionell angebaute Baumwolle von der Aussaat bis zur Ernte rund 55 Mal mit Schädlingsbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmitteln besprüht wird?
…der Kauf eines einzigen Biobaumwoll-T-Shirts sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger schützt?
…hessnatur-Gründer Heinz Hess im Jahr 1991 weltweit das erste Anbauprojekt für Biobaumwolle in Sekem / Ägypten ins Leben rief?
…hessnatur seit 1993 eine Bio-Baumwollkollektion führt?
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Die Serial Upcycling Collection No.2!

Montag, 7. Juli 2014

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Sie sind frech, cool, qualitativ hochwertig bis luxuriös und bequem: Die vier Upcycling-Looks, die sechs Masterstudentinnen des Kurses „Sustainability in Fashion“, für hessnatur gestaltet haben, und die wir im Green Show Room der Berlin Fashion Week am 10. Juli vorstellen. Bereits zum zweiten Mal haben wir einen Workshop für Upcycling innerhalb des ESMOD-Studiengangs gefördert. Upcycling, das ist ein nachhaltiger Trend innerhalb des Fashion Designs, der alte Modelle und/oder Stoffabfälle zu neuer, tragbarer Mode veredelt. Zu diesem Zweck haben wir in unserem Lager gestöbert und den zwölf Studenten an der ESMOD Stücke aus vergangenen Kollektionen zur kreativen Verfügung gestellt.

Auch das ist nachhaltig: Im Jahr 2011 hatte die Internationale Kunsthochschule für Mode ESMOD in Berlin den Masterstudiengang „Sustainability in Fashion“ aus der Taufe gehoben. Der einjährige Kurs ermöglicht es zwölf Nachwuchskräften in der Modebranche, sich für den Zukunftsmarkt der nachhaltigen Mode zu qualifizieren. Mittlerweile steuert bereits der dritte Jahrgang auf den Abschluss zu. Von Anfang an haben wir von hessnatur der Berliner Modeschule tatkräftig zur Seite gestanden: Durch die Vergabe von Stipendien und durch das Entsenden einer Lehrkraft. Rolf Heimann, Leiter des Bereichs Corporate Responsibility bei hessnatur, gibt den Studenten Einblicke in seine umfangreiche Erfahrung im Bereich „Nachhaltige Textilien & Produktion“.

Unter der Anleitung von Friederike von Wedel-Parlow, der Leiterin des Studienganges, haben die Studenten ihre Modelle geschaffen. „Am meisten hat mir die Freude gefallen, die die Studenten empfanden, als sie vor den völlig neuen Looks standen, die sie aus den vorgefundenen Teilen geschaffen hatten.“ Und mit den Stylings war es längst nicht getan: Die Studenten mussten ihre Kreationen mit einer kompletten Marketingstrategie samt Logo für ein virtuelles Upcycling-Label präsentieren. Bewertet hat die Looks eine  Jury zusammengesetzt aus Friederike von Wedel-Parlow, ESMOD-Präsidentin Silvia Kadolsky sowie Rolf Heimann, Leiter des Bereichs Corporate Responsibility hessnatur und die Leiterin Design von hessnatur, Denise Marie Rupp.

Den ersten Preis hat das Design-Duo Teresa Krönung und Ina Budde erhalten für einen hinreißenden Lagenlook, der seinen neuen Pfiff daraus bezieht, dass Details – wie Brusttaschen und ein frecher Materialmix – offen daran erinnern, dass das Material aus dem ihre Stücke sind, einmal eine andere Verwendung hatte. Der zweite Preis geht an die Dänin Hella Lynggard-Nielsen, die aus einem Sweatshirt-Kleid kurzerhand ein anderes geschneidert hat, und so einem Basic-Teil ihre Vorstellung von Eleganz und Tragbarkeit verliehen hat. Der dritte Preis fällt an Danijela Simonowska, die aus alten Cardigans und T-Shirts ein avantgardistisches Ensemble aus kurzem Pullover und langem Rock geschaffen hat. Der vierte Preis, der an sich nicht vorgesehen war, den die Jury aber wegen der Originalität des Entwurfs an die Studentinnen Rahel Guiragossian aus dem Libanon und Monica Pieracka aus Polen verliehen hat, ist ein edel-verspielter Overall aus Seide und Baumwolle. Ein Hauch von tragbarem, nachhaltigen Luxus.

Wie die Kollektion genau aussieht erfahrt Ihr schon bald auf unserem Blog und in unserem Online Shop!

Es reicht! Aufruf zum Fashion Revolution Day

Donnerstag, 24. April 2014

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Heute am 24. April ist der weltweit erste Fashion Revolution Day. Sichtbar wird das durch die Kampagne „InsideOut“, an der sich auch hessnatur beteiligt. Am 24. April tragen alle Befürworter der Kampagne ihre Klamotten auf links. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen für mehr Transparenz und bessere Arbeitsverhältnisse innerhalb der Textilindustrie. Wir bei hessnatur bemühen uns seit der ersten Stunde um ein faires Miteinander aller an der Herstellung unserer Textilien beteiligten Menschen. hessnatur war das erste deutsche Mitglied der niederländischen Fair Wear Foundation, die sich für faire Arbeitsplätze in der Textilindustrie einsetzt. Außerdem ist hessnatur nach der Rana-Plaza-Katastrophe im Vorjahr  dem „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ – dem Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommen – beigetreten, der in Bangladesch für sichere Arbeitsplätze im Textilsektor sorgen soll. Und das, obwohl wir im Moment selber gar nicht in Bangladesch fertigen lassen. Aber Transparenz und Sicherheit in der Textilindustrie gehören nun mal zu unseren Grundwerten.

Doch was war gleich mit dem Rana Plaza? Genau vor einem Jahr ereignete sich die größte Katastrophe in der Geschichte der Textilindustrie. Am 24. April 2013 starben 1.133 Textilarbeiterinnen, als in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch ein Gebäudekomplex, der Rana Plaza, einstürzte. Im Gebäude waren mehrere Textilfabriken untergebracht. Neben den vielen Toten wurden 2.500 Menschen verletzt, viele verloren in dem Unglück Gliedmaßen und sind für immer arbeitsunfähig. Das Gebäude befand sich im Besitz eines Mitgliedes der dortigen Regierungspartei. Es verstieß gegen sämtliche Sicherheits- und Brandschutzrichtlinien und war nicht auf eine Fabrikproduktion ausgelegt.

Eine Augenzeugin des Unglücks, Anika Rabbani aus Dhaka, hat mir im gestrig veröffentlichem Interview gesagt, ihr sei neben all dem Schrecklichen aufgefallen, wie viel Kraft Menschen aus solchen Ausnahmesituationen ziehen können, die ihnen den Impuls gebe, weiterzumachen. Diesen Impuls hat die Initiative Fashion Revolution Day aufgegriffen. Am 24. April jedes Jahres will die Initiative alle Menschen entlang der textilen Kette zusammenbringen, um ein Bewusstsein für den wahren Preis von Mode zu schaffen. Wenn wir alle zusammen danach fragen, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wurde, können wir die Modeindustrie bewegen, transparenter zu werden. Dann können die zum Teil menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden.

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Darum werden am Fashion Revolution Day alle Schaufensterauslagen in hessnatur-Läden auf links gedreht sein. Und auch alle Verkäuferinnen werden ihre Kleidung auf links tragen: Inside out –wer fair produziert, hat auch nichts zu verbergen. Seid Ihr dabei?

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