Das Statement-Shirt des Tages: „One Life“

9. März 2010

Unser zweites Shirt im Rahmen der Statement-Shirt-Woche ist der Gewinner unseres Designwettbewerbs, den wir im vergangenen Jahr zusammen mit Planet Green veranstaltet haben: Lindsay Seligman aus Kalifornien hat das besondere Motiv entworfen, das mit nur einer Linie verschiedene Tiere und den Slogan „Love Life“ formt. Für alle, die das Video von Lindsay dazu noch nicht kennen, gibt’s hier noch mal den Link zu YouTube.

Das „One Life“-T-Shirt reiht sich in die Reihe der Shirts ein, die in Zusammenarbeit mit Grameen Knitwear in Bangladesch entstanden sind. Hier lassen wir seit 2008 produzieren – der Betrieb gehört zum Netzwerk der Grameen Bank von Professor Yunus, der sich in Sachen Sozialstandards positiv abhebt. Die Textilindustrie in Bangladesch in dieser Hinsicht als problematisch zu bezeichnen ist mehr als untertrieben. Vor einem Jahr – im März 2009 – war ich im Rahmen meiner Asienreise bei Grameen Knitwear zu Besuch und konnte sehen, dass es in puncto Arbeitsbedingungen auch anders geht. Nämlich fair und menschenwürdig.

Der Verkauf der T-Shirts unterstützt – wie alle unseren Shirts von Grameen Knitwear – die Initiative Grameen Shikkha, das ist sozusagen das Bildungsprogramm des Grameen-Netzwerkes. Zusammen mit den Verantwortlichen haben wir das “hessnatur Scholarship Program” ins Leben gerufen, was die Ausbildung von bengalischen Studentinnen und Studenten finanziell fördert.

Zum T-Shirt kommt mir gerade noch eine Idee: Wie wäre es, wenn Ihr hier im Blog einen Gruß an Lindsay platziert? Und schreibt, wie Euch das T-Shirt gefällt? Wir leiten ihr Euer Feedback gerne weiter!

Dieser Artikel wurde von Michael Krause geschrieben.

Live-Blogging: Lieferantenbesuch in Istanbul

8. März 2010

Ich bin gerade in Istanbul in der Türkei. Draußen ist es sonnig, der Wind bläst kalt vom Meer rüber. Davon werde ich heute nicht allzu viel mitbekommen. Denn ich bin am heutigen Montag bei einem unserer Lieferanten hier zu Besuch. Normalerweise bin ich mit unserer Agentin alleine unterwegs. Heute nicht. Wir sind ein großes Team und überprüfen unsere Arbeit gegenseitig.

Die hessnatur-Agentin und ich, wir sind schon bekannt hier. Wir waren bereits zwei mal vor Ort bei einem hessnatur-Lieferanten in Istanbul, um die Fabrik auf Sozialstandards zu überprüfen. Die Produktionsstätte ist sehr groß, gerade nähen die Arbeiter Shirts aus Bio-Baumwolle für uns. Außerdem gibt es eine hausinterne Färberei, ein großes Lager und einen Raum, in dem die einzelnen Teile eines Textils geschnitten werden. Bei rund 500 Mitarbeitern ist natürlich auch die Kantine entsprechend riesig. Heute gab es Nudeln mit Rosenkohl und Linsensuppe – dazu natürlich Ayran.

Henrik und Margreet sind von der holländischen Fair Wear Foundation (FWF), die die Arbeitsbedingungen zusätzlich zu unseren Kontrollen überprüft. Auch sie sind heute den ganzen Tag in der Fabrik. Beide trainieren im Auftrag von FWF lokale Auditteams vor Ort. So kann sichergestellt werden, dass die hohe Qualität und die vielen Ansprüche – sowohl von der Fair Wear Foundation als auch von hessnatur – umgesetzt werden. Außerdem überprüfen sie meine Arbeit zusammen mit dem Lieferanten in den letzten anderthalb Jahren: Wie gut kenne ich den Lieferanten und die Arbeitsbedingungen vor Ort? Arbeitet der Lieferant nach dem Verhaltenskodex von hessnatur?

Das von der Fair Wear Foundation ausgebildete Auditteam besteht aus drei Personen: Zeynep, Alpay and Ufuk. Die drei haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit bei der Überprüfung von Sozialstandards. Und sie haben heute am meisten zu tun. Alpay ist der Chef im Team und inspiziert alles, was wir Fachfrauen und -männer unter „Health and Safety“, zu deutsch Gesundheit und Sicherheit, zusammenfassen. Zum Beispiel: Gibt es Feuerlöscher, Fluchtwege? Wie ist die Temperatur, das Licht in der Näherei? Zeynep ist zuständig für die Mitarbeiter-Interviews. Bereits letzte Woche war sie da und hat Mitarbeiter auf ihrem Weg zur Fabrik interviewt. Heute spricht sie mit einzelnen Mitarbeitern am Arbeitsplatz. Alpay darf sich den ganzen Tag mit Dokumenten beschäftigen. Gibt es Arbeitsverträge? Beinhalten sie alle relevanten Informationen?

Heute Abend wird dann alles auf einen Tisch gepackt: Was macht der Lieferant gut? Gibt es Mängel? Wurden diese durch hessnatur bereits vorher schon aufgedeckt? Was kann der Lieferant noch weiter verbessern?

Ich werde wahrscheinlich nach dem Tag heute Abend müde ins Bett fallen. Aber mit dem guten Gefühl, dass sich unsere Arbeit lohnen wird. Morgen haben wir dann ein Abschlussgespräch mit dem Management der Fabrik. Deren Reaktion ist immer wieder spannend. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Lob und Kritik um. Und schließlich müssen wir danach alle noch mal die Ärmel hochkrempeln, so dass auch die letzten kleinen Verbesserungsmöglichkeiten bald angepackt sind.

Dieser Artikel wurde von Stefanie Karl geschrieben.

Start der Statement-Shirt-Woche: Das „Love Life“-T-Shirt

8. März 2010

Wie am vergangenen Mittwoch von meinem Kollegen Darius angekündigt, starten wir heute in die Statement-Shirt-Woche und stellen als erstes das T-Shirt „Love Life“ vor.

Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen – das macht die Natur und das Leben auf der Erde aus. Auf dem T-Shirt bilden sie zusammen die Erde und die Botschaft „Love Life“ – ein klares Statement, das uns daran erinnert, dass sich unser Handeln auf das Leben auf der Erde auswirkt. “Love Life” steht symbolisch für die Vielfalt allen Lebens auf unserem Planeten, die es zu erhalten gilt.

Das „Love Life“-T-Shirt wurde aus der Bio- und Fairtrade-Baumwolle gefertigt, die aus unserem gemeinsamen Anbauprojekt mit Helvetas aus Burkina Faso in Westafrika kommt. Die Bauern vor Ort profitieren vom giftfreien Anbau der Bio-Baumwolle und von der Bio- und Fairtrade-Prämie, die zusätzlich zum Marktpreis für die Baumwolle gezahlt wird. Damit unterstützt jedes T-Shirt die Bauerngemeinschaften vor Ort, die von der Fairtrade-Prämie u.a. Gemeinschafts- und Unterrichtsräume in ihren Dörfern bauen können.

Ich habe mir mein „Love Life“-T-Shirt jüngst in unserem Laden in Butzbach gekauft und schon oft getragen – in der kalten Jahreszeit klappt das auch sehr gut mit einem Langarmshirt untendrunter. Zu dem T-Shirt gab’s neulich übrigens einen schönen Kommentar hier im Blog, den ich Euch nicht vorenthalten will. Er zeigt, wie vielseitig das T-Shirt ist, das sich nicht nur wunderbar zum Tragen, sondern auch zum Spielen eignet :-)

Dieser Artikel wurde von Michael Krause geschrieben.

Wissen Sie eigentlich, was Sie tragen?

5. März 2010

Ich meine Ihr T-Shirt. Haben Sie da schon mal genauer aufs Etikett geschaut? Wo kommt es her? Und wo wurde die Baumwolle dafür angebaut? Ich vermute, dass das nicht erkennbar ist auf diesen langen, fast papierartigen Anhängseln, innen in der linken Seitennaht der meisten Markenshirts. Oder hinten in der obere Mitte.

Die meisten kaufen ihr T-Shirt doch nur, weil es toll aussieht. Der Aufdruck oder die Farbe. Oder die Marke, die dann irgendwo erkennbar ist. Kann der Impuls auch sein: Ich kaufe genau dieses T-Shirt, weil es aus einem Bio-Baumwollanbau-Projekt aus Burkina Faso stammt und in Bangladesch sozial fair gefertigt wurde?

Gemessen an der gesamten Menge verkaufter T-Shirts weltweit ist der Bio-Baumwollanteil verschwindend gering. Es gibt ein paar Versuche, z.B. von Greenpeace oder von Pietra Rivoli, die Entstehung dieses allgemeingültigen Kleidungsstückes zu beleuchten und zu dokumentieren. Um sichtbar zu machen, wieviel Drama und menschenunwürdige Arbeitsbedinungen überhaupt möglich sein können. Unvorstellbar und leider unbeachtet von der Mehrzahl der T-Shirt-Bewohner und –besitzer.
Unser Burkina Faso-Projekt hat im November 2009 wieder geerntet. Darüber haben wir schon berichtet. Im kbA-Anbau wird von Hand gepflückt (Michi hat sich davon überzeugt)! Und GMO ist auch nicht drin, wie wir wissen. Was ist eigentlich notwendig, um allen Menschen näher zu bringen, dass es nur so gehen kann?

Wenn wir unseren Kindern eine Zukunft hinterlassen wollen, wird es Zeit, solche Projekte wie Pilze aus dem Boden schießen zu lassen. Um Hoffnung zu schenken und Zukunft zu gestalten. Professor Yunus ist einer, der mit seiner Vision und Mikrokredit-Idee vielen Menschen eine neue Perspektive ermöglicht. Zuerst waren es nur er und seine Studenten. Und heute studieren die Kinder der ersten Generation von Kreditnehmerinnen.

Wir stehen für T-Shirts mit Geschichten. Und für Transparenz in der textilen Kette. Es ist ganz einfach, ein Teil davon zu werden. Ein Statement-Shirt teilt anderen mit, wofür wir selbst stehen. In der kommenden Woche zeigen wir mehr davon.

Dieser Artikel wurde von Dagmar Reichardt geschrieben.

Weltfrauentag 2010 – Ungerechtigkeit weltweit

4. März 2010

Gleichberechtigung für Frauen – ein Thema, das in Deutschland gerne heftige Diskussionen auslöst. Am kommenden Montag, dem Weltfrauentag 2010, möchte ich unserem Blick dennoch eine andere Richtung geben: Durch unsere Projektarbeit ist hessnatur in vielen Ländern präsent, wir erhalten Berichte von Auditierungen, von Kontrollen in Produktionsstätten. Unsere Kollegen und Kolleginnen erzählen von ihren Reisen.

Wir arbeiten in Bangladesch mit Grameen Knitwear zusammen – einer Firma, die zum Netzwerk der Grameen Bank von Prof. Muhammad Yunus gehört, der mit seinen Mikrokrediten vor allem Frauen aus der Armut heraushilft. In Burkina Faso in unserem Bio-Baumwollanbau-Projekt sind wir ebenfalls ganz nah dran. Frauen sind benachteiligt. In sehr vielen Ländern dieser Erde. Der Zugang zu Bildung wird für sie immer erst hinter den Bedarf der männlichen Familienmitglieder gestellt. Zwangsehen sind noch weitverbreitet, geschlechtliche Diskriminierung ist an der Tagesordnung. In Burkina Faso unterstützen wir mit Kundenhilfe eine Dorfschule und die Kantine, damit die Kinder während des langen Schultages etwas zu essen bekommen. Bildung ist die beste Vorbereitung für eine bessere Zukunft.

Das Stichwort zum Thema: Analphabetentum. Mädchen haben es doppelt schwer, denn meist dürfen nicht alle Kinder einer Familie in die Schule. Die Andheri-Hilfe in Bonn, übrigens gegründet von der sehr engagierten Religionslehrerin Rosi Gollmann, setzt sich seit den 60er Jahren für eine benachteiligte Randgruppe in Bangladesch, und hier auch wieder speziell für Mädchen und Frauen, ein. Dank der vielen Menschen, die sich für sie stark machen, dringt der Hilferuf überhaupt zu uns. Oft ist Tradition stärker als das Gesetz.

Wir Frauen haben ja schon aus der Evolution heraus ein „soziales Gen“ . Während die Männer früher durch die Wälder streiften, um zu jagen, mussten die Frauen das soziale Netz aufrecht erhalten und sich untereinander stärken. Auch heute sind Frauen vielfältig in Gemeinschaften aktiv. Sie vernetzen sich, sei es um Unternehmen zu gründen, um Mehrgenerationenhäuser und -Ideen zu verwirklichen, um Kindern eine bessere Chance zu ermöglichen oder einfach, um sich gegenseitig zu helfen. In Deutschland gehören alleinerziehende Frauen zu einer der gefährdeten Randgruppen, die bei Jobverlust in Hartz IV landen. Zu hohem Prozentsatz.

Wir müssen also gar nicht so weit in die Ferne blicken. Der Weltfrauentag also ist ein Tag, an dem es Sinn macht, über Gleichberechtigung nachzudenken. Und zu handeln.

Dieser Artikel wurde von Dagmar Reichardt geschrieben.