Artikel mit den Tags "Bangladesch"

hessnatur tritt Brandschutzabkommen für Bangladesch bei

Freitag, 17. Mai 2013

hessnatur ist dem Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit für Bangladesch beigetreten, das von der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) mitgetragen wird und das angesichts der tragischen Unglücksfälle in bengalischen Textilbetrieben in den vergangenen Monaten an Bedeutung gewonnen hat.

Als engagiertes Unternehmen und erstes Fair Wear Foundation-Mitglied in Deutschland (2005), das in Bangladesch im Rahmen eines nachhaltigen Projekts mit Friedensnobelpreisträger Prof. Muhamad Yunus produzieren lässt,  will hessnatur so helfen, die Arbeitsbedingungen in Bangladesch generell zu verbessern. Rolf Heimann, Leiter des Fachbereichs Corporate Responsibility bei hessnatur, sieht in dem Brandschutzabkommen nicht nur eine Chance für Bangladesch:  „Das Modell bezieht lokale Organisationen und Gewerkschaften mit ein. Dieser Multi-Stakeholder-Ansatz hat Vorbildcharakter und könnte in Zukunft auch in anderen sogenannten „High Risk“-Ländern Anwendung finden.“

Mehr Informationen dazu findet Ihr hier in unserer Pressemitteilung.

Heute im “Stern”: Welche Kleidung können wir mit gutem Gewissen tragen?

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Die Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch am 24. November, bei der über 100 Menschen ums Leben gekommen sind, ist leider ein erneutes Beispiel dafür, unter welchen schlechten Bedingungen vielerorts auf der Welt das produziert wird, was Verbraucher tagtäglich tragen: Kleidung: Der „Stern“ hat sich in seiner neuen Ausgabe, die am heutigen Donnerstag erschienen ist, dem Thema mit einer umfangreichen und lesenswerten Reportage angenommen.

Die Redakteure zeichnen die Zustände in der bengalischen Fabrik nach, die zu der Brandkatastrophe geführt haben. Sie erklären das globale Geschäft mit der Mode und gehen auf die Problematik der Beziehungen von Marken mit Lieferanten und Subunternehmern ein, an die Produktionsaufträge weitergereicht werden. Das macht es für Unternehmen schwerer in ihrer textilen Kette festzustellen, wo de facto ein Textil hergestellt wird – und vor allen Dingen unter welchen Bedingungen, angefangen von den Löhnen bis hin zur Arbeitssicherheit vor Ort.

Im Zuge der Recherchieren für die Reportage sprachen die Stern-Redakteure auch mit meinem Kollegen Rolf Heimann, Leiter des Bereichs „Corporate Responsibility“ bei hessnatur. Er betont die Notwendigkeit für ökologische und soziale Verantwortung in der Lieferkette, derer man sich mit Verweis auf die Komplexität bei der Kontrolle von Produktionsbetrieben nicht entziehen könne. Verantwortung für eine menschenwürdige Produktion tragen in seinen Augen nicht nur die Marken, die produzieren lassen, sondern auch die Verbraucher, die ebenso Teil des Systems sind.

Online gibt es die Stern-Reportage – vorerst – nicht; auf der Stern-Website allerdings gibt’s unter anderem einen Marken-Check und weitere Informationen zum Fabrikbrand in Bangladesch.

Übrigens: Die F.A.Z. widmet sich in ihrer heutigen Ausgabe ebenfalls dem Thema Mode, allerdings mit dem Fokus auf solche, die nachhaltig und fair produziert wird. Den Bericht gibt’s hier. Auch die ARD nimmt sich heute Abend in der Sendung Panorama der Sache an und berichtet über “Schuften und Sterben für unsere Kleidung.”

Nachhaltig geht nur ganzheitlich – Was sich aus der Krise der Mikrofinanzindustrie lernen lässt Teil 3

Montag, 27. August 2012

Die Idee hält sich bis heute als eine der großen Hoffnungsträgerinnen in der Armutsbekämpfung, die Idee des Mikrokredites. Kleine Geldbeträge werden an eine Person oder eine kleine Gruppe von vorzugsweise Frauen verliehen, die das Kapital verwenden, um ein kleines Unternehmen aufzubauen: Durch den Kauf einer Nähmaschine, eines Spinnrades oder ähnlichem. Mit dem verdienten Geld zahlen die Frauen die Kreditraten, finanzieren sie die Ausbildung der Kinder und einen Teil sparen sie bei der Bank an, um spätere Anschaffungen aus eigener Kraft bezahlen zu können. Am besten gehört die Bank einer Genossenschaft, deren Mitglieder die Frauen sind. Im hessnatur-Blog wird es in mehreren Beiträgen um den Ansatz von Mikrokrediten und ihrer Entwicklung gehen – und darum , was sich aus der Krise der Mikrofinanzindustrie lernen lässt. Hier geht es zum ersten und zweiten Beitrags unseres Themas.

Ein neuer Wirtschaftsgedanke

Weltweit findet derweilen Yunus‘ Idee des Social Business mehr und mehr Anhänger. Allein in Deutschland kamen zur letzten Konferenz „Vision Summit“ für Sozialunternehmer 1200 Teilnehmer. Nicht immer geht es nur um Projekte in armen Ländern. Der Absolvent einer privaten Wirtschaftuni, Tim Breker, etwa hat nach dem Abschluss Kinder in einer Schule dazu verholfen, einen eigenen Kiosk zu eröffnen, um so Verantwortung übernehmen zu lernen und im Team zu funktionieren. Und Breker ist beileibe kein Einzelfall mehr.

Wer den Kreislauf einer Wirtschaft durchbrechen will, die aus Gewinnern und deshalb notwendigerweise auch aus Verlierern besteht, muss auf Fairness setzen. Ein Beispiel dafür kommt aus der Privatwirtschaft, das nicht dem Social Business zuzurechnen ist, aber dennoch seit mehr als 35 Jahren einen ganzheitlichen Ansatz vertritt: hessnatur setzt auf Kooperationen in Augenhöhe, gerade in klassischen Billiglohnländern. So lässt hessnatur von Grameen Knitwear in Bangladesch T-Shirts produzieren. Doch hessnatur verlässt sich dabei nicht allein auf die Arbeit der von Muhammad Yunus gegründeten Firma, sondern lässt die firmeneigenen Standards auch vor Ort kontrollieren.

Darüber hinaus hat hessnatur die Arbeiter von Grameen Knitwear in der Verarbeitung von Bio-Baumwolle geschult. Dieser Wissenstransfer hat ermöglicht, dass die Arbeiter heute auch für andere Firmen Bio-Baumwolle vernähen. Zusätzlich hat hessnatur aus den Verkaufserlösen der von Grameen produzierten T-Shirts ein Programm aufgelegt, das jungen Menschen in Bangladesch Stipendien für die Ausbildung auszahlt.

Der Gewinn aus den T-Shirts ist nicht nur ein monetärer. Die Umstellung auf die Verarbeitung von Bio-Baumwolle ist ein Beitrag zur Förderung umweltschonender Industrieproduktion. Die fairen Arbeitsbedingungen sind ein Schritt in Richtung Armutsbekämpfung. Die Reinvestition von Gewinnen in die Ausbildung von jungen Menschen im Produktionsland sind ein zweiter Schritt in Richtung nachhaltiger und wirksamer Eliminierung von Armut.

Der Begriff der Nachhaltigkeit bedeutet, dass Umweltbedürfnisse, soziale Fairness und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen in Betracht gezogen werden. Dieser Ansatz ist zugleich ein ganzheitlicher. Gerät auch nur ein Aspekt aus dem Blick, verschiebt sich das Gefüge in Richtung Verarmung und Umweltzerstörung. Im Falle der Mikrofinanzindustrie ist die Wirtschaftlichkeit zu Ungunsten der sozialen Fairness in den Vordergrund getreten.

Zugleich ist Nachhaltigkeit auch immer eine Frage der Qualität. Wenn Renditen mit Mikrokrediten erwirtschaftet werden, dann ist die allererste Frage: Wie wurden sie erwirtschaftet? Die zweite muss heißen: Und wem nutzt das? Die dritte Frage ist: Wie lässt sich die Balance zwischen Wirtschaft, Umwelt und sozialer Fairness herstellen? Wie lässt sie sich dauerhaft gewährleisten? Im Zeitalter der Globalisierung ist Entwicklungspolitik in der Wirtschaftspolitik aufgegangen. Dass die Trennung aufgehoben ist, heißt jedoch nicht, dass die Ärmsten nun noch Ärmer werden müssen. Es heißt vielmehr, dass die globale Wirtschaft umdenken muss. Wir alle müssen umdenken, wir müssen sinnvoll teilen lernen.

Nachhaltig geht nur ganzheitlich – Was sich aus der Krise der Mikrofinanzindustrie lernen lässt Teil 2

Freitag, 24. August 2012

Professor Muhammad Yunus im Gespräch mit Kundinnen der Grameen Bank. – Foto: Grameen Foundation Blog

Die Idee hält sich bis heute als eine der großen Hoffnungsträgerinnen in der Armutsbekämpfung, die Idee des Mikrokredites. Kleine Geldbeträge werden an eine Person oder eine kleine Gruppe von vorzugsweise Frauen verliehen, die das Kapital verwenden, um ein kleines Unternehmen aufzubauen: Durch den Kauf einer Nähmaschine, eines Spinnrades oder ähnlichem. Mit dem verdienten Geld zahlen die Frauen die Kreditraten, finanzieren sie die Ausbildung der Kinder und einen Teil sparen sie bei der Bank an, um spätere Anschaffungen aus eigener Kraft bezahlen zu können. Am besten gehört die Bank einer Genossenschaft, deren Mitglieder die Frauen sind. Im hessnatur-Blog wird es in mehreren Beiträgen um den Ansatz von Mikrokrediten und ihre Entwicklung gehen – und darum, was sich aus der Krise der Mikrofinanzindustrie lernen lässt. Wer den ersten Beitrag des Themas lesen möchte, findet diesen hier.

Liberalisierung macht nirgends halt

Doch seit den 1990er Jahren setzten zwei Tendenzen innerhalb der Weltwirtschaft ein: 1995 gründete sich die Welthandelsorganisation (WTO), die die Liberalisierung der Weltmärkte zum Ziel hatte durch die Abschaffung von Limitierungen wie Zölle und Einfuhrbeschränkungen. Zeitgleich begann der Begriff der partnerschaftlich orientierten Entwicklungszusammenarbeit allmählich den der Entwicklungspolitik abzulösen. Die Geberländer entdeckten die Mikrofinanzinstitute als Möglichkeit, Entwicklungshilfegelder gewinnbringend zu investieren.

Die als kleine NGOs, das heißt von Regierungen unabhängige Hilfsorganisationen, gegründeten Banken wurden immer mehr als Investitionsmöglichkeit für die Banken der Geberländer entdeckt, deren Aufgabe es ist, staatliche Entwicklungshilfe zu verteilen. Die Lösung schien einfach: Die staatlichen Banken der Geberländer (in Deutschland etwa die KfW) investierten in Mikrofinanzbanken und schoben so deren Geschäft an. Im Gegenzug profitierten sie von deren Rendite. Darlehen statt Almosen, das war die Devise.

Das war nur der Anfang: Mittlerweile hat die Finanzindustrie das Geschäft mit den Kleinkrediten entdeckt. Banken bieten Anlegern die Investition in Mikrokreditfonds an und im Jahr 2010 feierte die ehemalige indische Mikrofinanz-NGO SKS ihren Börsengang. Womit diese Fonds und Aktiengesellschaften Geld verdienen? Mit den Zinsen, die die Ärmsten der Armen bezahlen, wenn sie kleine Kredite aufnehmen. Dass sich das niemand so recht vor Augen führen wollte, trotz der Kritik, die etwa Muhammad Yunus an dieser Entwicklung übte, liegt auch an einer Verdrehung der Bedeutung des Wortes „Nachhaltigkeit“. Als nachhaltig gilt diese Form des Wirtschaftens auf dem Mikrofinanzsektor, weil sie auf dem Papier Renditen abwirft.

Ein Kritiker meldet sich

Was diese Renditen in der Realität für Kreditnehmer in armen Ländern bedeuten, beschreibt Gerhard Klas in seinem Buch „Die Mikrofinanz-Industrie“. Er thematisiert unter anderem die hohen Zinssätze, 20 Prozent halten alle Mikrofinanzinstitute für legitim. Doch keiner hinterfragt, warum das Geld, von dem die Ärmsten profitieren sollen, sie so teuer kommt. Es herrscht Intransparenz.

Dazu kommt ein weiterer Umstand: Um die Renditen zu steigern, sind nicht nur die Zinssätze relevant, die Masse macht es. Gewinnorientierte Investoren wollen, dass die Mikrofinanz-Banken möglichst groß und die Kredite möglichst einheitlich sind. Das sichert Investoren die Gewinnmargen. Gerhard Klas meint dazu: „Die individuellen Bedürfnisse der Kreditnehmerinnen spielen dann überhaupt keine Rolle mehr. Das gilt vor allem in Indien und Bangladesch, wo es die größten Mikrofinanzinstitute gibt.“

Den Druck der Anleger reichen die Mikrofinanzinstitute an ihre Mitarbeiter weiter. Die sind häufig unterbezahlt und müssen im Akkord Kreditnehmer bedienen. Für eingehende Beratungen bleibt so kaum Zeit, schon gar nicht, wenn bei der Rückzahlung des Kredits Probleme auftauchen. So kennen viele Kreditnehmer oft noch nicht einmal ihre Rechte und werden einmal mehr zum Spielball der Geldverleiher.

Ein neuer Wirtschaftsgedanke

Der größte Denkfehler in dieser Rechnung ist der, ein Geschäftsgebaren als nachhaltig bezeichnen zu wollen, dass ausschließlich auf Gewinnmaximierung setzt. Nicht zuletzt die Textilindustrie, die den Löwenanteil der Industrie in Bangladesch ausmacht, hat gezeigt, dass Gewinnmaximierung immer auf Kosten der Umwelt und der Arbeitnehmer geht. Textilunternehmen, die billige Massenware in Billiglohnländern produzieren lassen, produzieren gleich soziales Elend und Umweltkatastrophen mit.

Der in der Kritik stehende Muhammad Yunus selbst hat ein Gegenmodell entwickelt. In seinem Buch “Social Business and the Future of Capitalism“ hat er zwei mögliche Arten von Unternehmen beschrieben, die so geartet sind, dass Arme und Unterprivilegierte von ihnen profitieren können. Das erste ist ein Unternehmen, dass ein Produkt vertreibt oder ein Ziel verfolgt mit einem ethischen Ziel, so wie Grameen Danone, das  es sich zur Aufgabe gemacht hat mit Milchprodukten gegen die Mangelernährung der Landbevölkerung in Bangladesch vorzugehen.

Das zweite Modell sind Kooperativen, das heißt Firmen die im Besitz eines Kollektivs sind, das durch Unternehmenspolitik seine eigenen Rechte und Interessen vertreten kann. Nach diesem Modell ist auch die Grameen Bank gestrickt, die jedoch wegen mangelnder Transparenz wiederholt in die Kritik geraten ist.  Yunus, der im Jahr 2000 zum Direktor der Bank auf unbestimmte Zeit ernannt wurde, ist im Frühjahr 2011 von der Regierung Bangladeschs abgesetzt worden. Yunus gilt als Kritiker der Regierung, die argumentiert, die Zentralbank in der Hauptstadt Dhaka hätte dieser Ernennung niemals zugestimmt. Außerdem liege die Altersgrenze für den Posten gesetzlich bei 60 Jahren, Yunus ist bereits 70 Jahre alt. Laut Yunus eigener Aussage in der Tagesschau seien die Frauen, denen die Bank de facto gehöre, auf diese Weise entmachtet worden, das Projekt sei in Gefahr.

Weiter geht es in der kommenden Woche mit dem dritten und letzten Beitrag.

“Forever Green” – unser neues Statement-Shirt

Mittwoch, 28. März 2012

Unsere Statement-Shirts sind zu einer schönen Tradition geworden – hier kommt unser aktuelles für die diesjährige Frühjahr/Sommer-Saison: “Forever Green”.

Unser Designteam bei hessnatur hat das Statement-Shirt entworfen – der Wunsch, Ökologie als sprühende Idee weit über unsere Grenzen hinaus zu tragen, ist mithilfe der grünen Sterne und unserer Erde symbolisiert.

Hergestellt werden die T-Shirts wieder bei unserem Projekt in Bangladesch bei Grameen Knitwear – vom Verkaufserlös geht ein Teil in das so genannte “hessnatur Scholarship Program“, das wir zusammen mit Grameen Shikkha ins Leben gerufen haben.

Grameen Shikkha ist die Bildungsinitiative der von Professor Muhammad Yunus gegründeten Grameen Bank. Das von uns gegebene Geld kommt der Ausbildung von Studentinnen und Studenten in Bangladesch zu Gute; aktuell werden bereits mehr als 50 in ihrer Ausbildung gefördert.

Das T-Shirt selbst ist aus Bio-Baumwolljersey und ökologisch bedruckt. Wer sich also auch in der “grünen Milchstraße” zuhause fühlt, liegt mit unserem Statement-Shirt richtig – und zeigt, wofür er steht. Das “Forever Green”-Shirt gibt es für Damen, Herren und Kinder in unserem Online-Shop.