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Tage wie dieser

Freitag, 30. Juli 2010

Nach dem Aufwachen habe ich mich gefühlt wie an Weihnachten. Also eigentlich wie kurz vorher. Quasi: Überraschung, aber auch nicht so richtig. Heute Morgen sollte ich die Veröffentlichung des Stiftung Warentest-Berichts bekommen. Getestet wurden T-Shirts, unser Basic-T-Shirt für Damen war auch dabei.

Ich kann Ihnen sagen: Wenn Stiftung Warentest testet, ist “Action” angesagt. Da werden nicht ein bis zwei Schadstoff-Tests gemacht – da gibt’s dann das volle Programm. Das heißt: physikalische Tests (also Wasch-, Reib-, Schweißechtheiten), Schadstoff-Tests, Passform, aber auch – jetzt kommt’s – die Überprüfung auf Einhaltung von Sozialstandards. Das fand ich richtig gut. All diese Daten zu verifizieren, bedeutet natürlich auch einen Riesenhaufen Arbeit.

Gestartet wurde mit einem Meeting in Berlin, bei dem die Unternehmen auf das Prüfprozedere vorbereitet wurden. Kannten wir schon. Dann bekamen wir unzählige Blätter mit Fragen sowie Erhebungsbögen. Damit waren einige Kollegen, vom Personalbereich über die Öffentlichkeitsarbeit bis zum Betriebsrat, erst mal einige Tage munter beschäftigt. Besonders “erwischt” hatte es meine Kollegin Maren Mönnich. In unserem Bereich fielen logischerweise die meisten Fragen und Daten an. Und als Umweltwissenschaftlerin und Expertin heißt es dann “Cobra, übernehmen Sie …”

Wir bekamen dann noch einen ganzen Tag lang Besuch von Mitarbeitern eines Prüfinstituts, die sich unsere Arbeitszeitmodelle, das Monitoringsystem für Sozialstandards, die ökologische Datenerfassung, den Betriebsrat und vieles mehr haben erklären und zeigen lassen.

Das war aber noch nicht alles. Auch die Produktionsstätten wurden besucht, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu überprüfen. Kollegin Steffi Karl hatte ihr Brotbeutelchen gefüllt und begleitete die Prüfer in die Näherei in Litauen und die GOTS-zertifizierte Färberei in Estland. Sie sehen, es waren alle gut beschäftigt.

Und dann heute Morgen endlich das Test- Ergebnis, der Vergleich zu anderen Marken. Kann sich sehen lassen. Lesen Sie selbst. Der Bub ist zufrieden. Kann über die ein oder andere Nuance hinwegsehen – unsere eigenen Pilling- und Reibechtheits-Tests sind zum Beispiel besser ausgefallen. Oder die fehlende Erwähnung unserer Verwendung von Fair Trade-Biobaumwolle.

Richtig gut war, dass auch die CSR-Aspekte berücksichtigt wurden. hessnatur konnte da mal zeigen, wie ganzheitlich wir an die Sache rangehen. Da lehne ich mich doch mal in meinem Schreibtischsessel zurück, habe ein feines Lächeln im Gesicht und beschließe, ein paar Tage weg zu fahren … Tschüss!

Das Liebeswerben der Monsanto

Mittwoch, 2. Juni 2010

Nun ja, bitte keine hoffnungsvollen Erwartungen. Der Titel meines heutigen Blogs ist das einzig Lustige für heute. Also besser: „Schluss mit lustig“.

Hatten die Bio-Bauern früher das Problem, dass in der Nachbarschaft Pestizide gespritzt wurden und sie ihre Ernte vor diesen Giftwolken schützen mussten, kommt heute ein neues tückisches Problem dazu. GMO, gen-manipulierte Organismen. Was viel nicht wissen: nicht nur bei Soja, Mais, Kartoffeln etc. wird die DNA manipuliert. Auch bei Baumwolle. Und hier in wohl viel größerem Ausmaß. In Indien wird inzwischen ein Großteil der konventionelle Baumwolle mit diesen GMO-Saaten angebaut.

Und leider auch in Afrika. Monsanto – das Unternehmen vertreibt entsprechendes Saatgut – hat eine wie ich finde sehr ausgebuffte Strategie, seine genmanipulierten Saaten an die Bauern zu bringen. Nicht nur, dass Monsanto massiv in die Schöpfung eingreift, um sich Patente an der Natur zu sichern. Sie beuten meiner Meinung nach auch die sowieso schon armen Bauern extrem aus. Bis zu 27 Mal teurer ist das GMO-Saatgut. Das wird dann mit abstrusen Versprechen verkauft.

Leidtragende sind aber auch die Bio-Bauern. Die wollen in ihrer Bio-Baumwolle natürlich keine GMO-Fasern wiederfinden. Quasi Kross-Kontamination. Über diese Problematik habe ich mit Georg Felber, dem Projektleiter von Helvetas, auch gesprochen. Er hat mir erklärt, dass man den Mindestabstand zu den konventionellen Nachbarfeldern auf immerhin 100 Metern erweitert hat. Trotzdem lauert natürlich auch noch an weiteren Stellen die Gefahr der Verunreinigung. Zum Beispiel in der Ginnerei, der Entkernungsanlage, oder in der Spinnerei.

GMO ist in Bio-Baumwolle ist natürlich verboten. Was ich fordere (und führe), ist die Diskussion über eine „quantitative Toleranz“. D.h., wie viele GMO-Saaten/DNA´s dürften noch in Bio-Baumwolle nachweisbar sein? Und das zweite Problem: Sie können das gar nicht so ohne weiteres messen. Eine quantitative Analytik ist heute noch eine große Herausforderung. Ich rede darüber seit längerem mit Instituten und Verbänden  Mal schauen.

Geredet also auch mit Georg Felber, vor Ort in Burkina Faso. Habe mir die aufwändigen Kontrollen und Vorsichtsmaßnahmen erläutern lassen, die die Berater und Institute durchführen. GMO-Tests der Saaten (wie im Bild zu sehen, das in einem Labor vor Ort entstanden ist), saubere Trennung in der Ginnerei, Beratung, Aufklärung der Bauern. Leider wird die Herausforderung für die Bio-Bauern in Burkina Faso immer größer, da der Anteil der GMO-Aussaaten in dem Land dramatisch gestiegen ist. Nach meinen Informationen liegt der Anteil inzwischen bei fast 90 %. Übrig geblieben sind also nur noch unsere tapferen Bio-Bauern. Quasi das gallische Dorf …

Kaum war ich wieder in Frankfurt gelandet, traf ich bei hessnatur eine Fernsehredakteurin. Der konnte der „Erklärbär“ Heimann das dann alles direkt n die Kamera erzählen. Wäre schön, wenn mehr drüber gesprochen wird!

Frühling in Burkina Faso

Mittwoch, 26. Mai 2010

Unser Wagen fährt ruhig auf der wenig befahrenen Strasse von Bobo Diulasso zurück in die Hauptstadt Ouagadougou. Die Regenzeit hat gerade angefangen, der erste Regen hat  die Landschaft mit einem zartgrünen Flaum überzogen. Ich mag dieses Land. Eben, gleichförmiger Rhythmus, eigentlich unspektakulär (für Afrika). Und so sind auch die  Menschen hier mit ihrer Art: ruhig, entspannt, aber nicht gleichgültig.

Hinter mir liegen zwei Tage mit zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen mit der UNPCB, das ist der Bauernverband in Burkina Faso. In deren Verantwortung  und mehr und mehr in deren Umsetzung liegt das Bio- Baumwollprojekt. Begleitet hat mich Georg Felber, der Schweizer Projektleiter der Helvetas vor Ort: Bis in die Nacht hat er mit großer Geduld zu meinen unendlichen Fragen nach Details und vor allem nach Hintergründen bereitwillig und geduldig Auskunft gegeben.

Was war mein Ziel des Besuches? hessnatur hat den Anteil an Fairtrade-Biobaumwolle aus Burkina Faso in den vergangenen drei Jahren schrittweise gesteigert. Angefangen mit einem Container von 24 Tonnen Fasern sind wir Ende 2010 wahrscheinlich bei ca. 300 Tonnen Abnahme. Das heißt, wir haben eine Abnahmegröße erreicht, wo die Strukturen, Qualität und Verfügbarkeiten geklärt sein müssen. Das ist wichtig für hessnatur.

Für die Bauern ist wichtig, für ihre Anbauplanung eine verbindliche Abnahmegarantie zu bekommen. Gleichzeitig ist aber auch eine Kontinuität wichtig. Für den Baumwoll-Anbau müssen natürlich entsprechend Saaten zur Verfügung stehen. Das ist logischerweise auch von der Vorjahresernte abhängig. Dann brauchen Sie entsprechende Anbauberater. Das sind in den vergangenen Jahren bis zu 60 Experten gewesen, die die 4000 bis 5000 Bauern betreuen, kontrollieren, beraten.

Gleichzeitig halte ich es auch für wichtig, sich auf „Durchschnittspreise“ zu einigen. Baumwolle ist wie andere Fasern ein spekulatives Geschäft. Mein Verständnis vom Fairen Handel ist, unter Partnern verlässlich, wertig und jenseits der Kurse zu handeln. Das ist in der Praxis nicht ganz einfach. Erstaunlicherweise auch nicht einfach mit Bauernvertretern zu besprechen, wenn man sich, wie zur Zeit, in einer Hochpreisphase befindet.

Warum ist der Rohstoffpreis für Baumwolle gerade so hoch? In den letzten Monaten der Finanzkrise wurden in den Unternehmen die Lagerbestände radikal runter gefahren, bis unter den Meldebestand. Tja, und wenn Sie aber weiter Unterhosen produzieren wollen, brauchen Sie irgendwann dann doch mal wieder neue Baumwolle. “Is so”, sagt der Bergmann. Dann kommt dazu, dass Indien ein Ausfuhrverbot für Baumwollfasern erlassen hat, um den wachsenden Inlandsbedarf befriedigen zu können. Und da die Bauern ihre Ernte nicht so gut  los geworden sind, haben sie im letzten Jahr halt weniger Baumwolle angebaut. Also wurde die Baumwolle knapp und der Preis steigt. Und da wollte ich doch mal ins Lager schauen und sehen, wie viel Ballen noch für uns “rausspringen”.

Sprechen wollte ich mit unseren Partnern aber auch über Qualitätssicherung und die Problematik der gentechnisch veränderten Baumwolle. Darüber dann mehr in meiner nächsten “Gute Nacht”-Geschichte.

Mission Bio-Baumwolle

Dienstag, 18. Mai 2010


Hier mal wieder was Neues von Ihrem Blog-Onkel. Neulich habe ich den Begriff vom „ICE-Nomaden“ aufgeschnappt. Da denke ich gerade dran, während ich auf dem Weg nach Berlin bin. Ich hatte im April einen Vortrag beim Greenlab Symposium der Kunsthochschule Weißensee zum Thema nachhaltiges Design. Mein Lieblingsthema. Vor Ort schaue ich mir die Ergebnisse eines Workshops mit pflanzengefärbten Naturfasern an. hessnatur durfte einige Stoffe dazu steuern. Mal schauen, was die kreativen Menschen daraus gemacht haben – ich werde dazu noch berichten.

Jetzt will ich aber über Baumwolle sprechen. Ich möchte Ihnen berichten, dass sich die Situation bezüglich der Verfügbarkeit von Bio-Baumwolle gerade dramatisch verändert. Tobias Meier, Leiter Fairer Handel von Helvetas, und ich haben immer vom Schweinezyklus gesprochen, und tatsächlich ist es jetzt eingetreten. Unsere Projektpartner in Burkina Faso hatten in den vergangenen 18 Monaten zu große Mengen an Bio-Baumwolle auf Lager, die sich nur schwer verkaufen ließen. Bedingt durch die Finanzkrise hatten dagegen viele Produzenten ihre Läger ratzeputz leer geschafft und nicht für entsprechenden Nachschub gesorgt. Wohl, weil sich keiner sicher war, wie sich die Konsumenten verhalten würden. Aber schon auf der Heimtextilmesse im Januar in Frankfurt war zu spüren, dass der Markt wieder anzieht. Und dann kam die überraschende Entscheidung der indischen Regierung dazu, ein Exportverbot für indische Baumwoll-Fasern zu erlassen. Und nun: Engpass. Das betrifft natürlich auch die Bio-Baumwolle.

Jetzt geht’s für mich nach Burkina Faso. Mein Flieger geht von Tegel über Paris direkt nach Ouagadougou, in die Hauptstadt von Burkina Faso. Mission Bio-Baumwolle: Ich treffe mich mit dem Helvetas-Projektleiter Georg Felber und mit Vertretern der UNPCB, dem Bauernverband für Baumwollanbau in Burkina Faso. Ich werde Ihnen von dort berichten, worüber wir sprechen wollen und was ich vereinbaren möchte.

Also dann, bis später, ich habe ja wieder meine legendäre „Stromreise-Schreibmaschine“ dabei, die schickt Ihnen dann quasi per Netzkabel meinen nächsten Blog-Brief. Sie lassen sich derweil Ihre Grillwurst schmecken. Ich nehm ’ne Banane.

Neue Baby-Sommerkollektion

Mittwoch, 12. Mai 2010

Frisch rausgekommen ist in diesen Tagen unsere aktuelle Baby-Sommerkollektion, die es ab sofort bei uns im Online-Shop und in unseren Läden gibt. Die farbenfrohen Shirts, Frottee-Hosen, Schirmmützen und ein Kapuzenhandtuch aus Bio-Baumwolle sind eine optimale Hülle für Babys im Sommer – insbesondere, weil die junge Haut bis zu fünf mal dünner als die eines Erwachsenen ist. Das gibt ihr einerseits den zarten hellen Farbton, macht sie aber auch andererseits sehr reizempfindlich. Auch ist der Schutz vor UV-Strahlen durch die geringe Melaninbildung in der Haut von Babys ist nur geringfügig vorhanden.

Damit Textilien Babys Haut bestmöglich vor UV-Strahlen schützen können, sind zwei Dinge wichtig: Zum einen die Farbe. Je dunkler die Farbtöne, desto intensiver der Schutz vor gefährlicher UV-Strahlung. Auch die Gewebe-Dichte ist wichtig. Unser Tipp: Um die Maschen noch zusätzlich zu verdichten, sollten die Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen gewaschen werden. Dann kann der Sommer kommen!

Ein weiterer Vorteil der Sommerkollektion von hessnatur baby: Die reine Bio-Baumwolle  ist gesundheitlich unbedenklich. Denn Baby-Bekleidung, produziert nach hessnatur-Standards, verzichtet während des gesamten Herstellungsprozesses auf schädliche Chemikalien. Außerdem sorgen reine Naturfasern für ein optimales Hautklima:  Luftdurchlässigkeit und Wärmevermögen  der Materialien bleiben erhalten. Da die Sauerstoffaufnahme bei einem Baby noch zu einem großen Teil über die Haut stattfindet und die körpereigene Wärmeregulierung noch nicht ausgereift ist, sind die Kleinen auf die schützenden Eigenschaften ihrer Kleidung in besonderem Maße angewiesen.

Wichtig: Die Baby-Sommerkollektion ist limiert und nur so lange erhältlich, wie der Vorrat reicht.