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Mit der Fair Wear Foundation Arbeitsbedingungen vor Ort im Blick

Dienstag, 9. März 2010

Ich bin noch in Istanbul bei unserem Lieferanten. Bereits gestern haben wir ihn auf Sozialstandards überprüft. Den ganzen Abend hat das Auditteam noch zusammen verbracht. Die Besprechung am Abend gleich im Anschluss an den Betriebsbesuch ist wichtig. Alle drei Auditoren haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit vor Ort. Sie berichten von ihrem Tag, ihren Gesprächen mit dem Management, mit den Arbeitern. Und informieren darüber, welche Dokumente vorliegen und wie sicher die Produktion in der Näherei ist. Durch das intensive Gespräch kommen alle Details noch mal auf den Tisch und werden von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. So kann sichergestellt werden, dass auch wirklich alle Stärken und Schwächen des Betriebes erfasst und korrekt beurteilt wurden.

Am heutigen Dienstag Morgen wurden offene Fragen geklärt. In dem ein oder anderen Punkt mussten noch mal Dokumente gezückt, Mitarbeiter und Vorgesetzte befragt werden. Sicher ist sicher. Als keine Fragen mehr offen waren, folgte das Abschlussgespräch. Dem Management werden Stärken und Schwächen des Betriebes in Bezug auf Sozialstandards vorgestellt und diskutiert.

Wichtig ist, dass das Management versteht, warum in dem einen oder anderen Punkt noch Verbesserungen notwendig sind. Hier in diesem Betrieb waren beispielsweise viele Dokumente vorhanden, aber umständlich organisiert. Wir haben daher immer ewig gebraucht, bis wir endlich das richtige Dokument in der Hand hatten. Ein „beliebter“ und gerne gefundener Punkt,  insbesondere in der Türkei, sind die Feuerlöscher. Es gibt sie zwar, aber sie stehen ordentlich mit Plastikfolien abgedeckt in einer Ecke, damit sie nicht schmutzig werden. Das ist zwar gut gemeint, entspricht aber nicht den Feuerschutzvorkehrungen. Sie müssen kurzum richtig aufgehängt werden und vor allen Dingen – ohne Plastikfolie – zugänglich sein.

Wie geht es weiter? Es ist mittlerweile 14 Uhr und wir  werden erst mal Mittagessen. In den nächsten zehn Tagen wird das Auditteam einen Abschlussbericht schreiben. Diesen bekomme ich, unsere Agentin und natürlich unser Lieferant. Auf den meist 20 Seiten steht alles, was auch in dem Managementgespräch angesprochen wurde. Und es gibt eine Liste – den so genannten Corrective Action Plan (kurz: CAP). Diese Liste enthält Maßnahmen und Verbesserungsvorschläge. Die gilt es dann in die Tat umzusetzen. Und deshalb heißt es dann: Ärmel hoch für den Lieferanten, für unsere Agentin und für mich. Je nach dem, welche Punkte zu bearbeiten sind, geht die Umsetzung schneller oder dauert länger. Wir geben alle zusammen auf jeden Fall unser Bestes.

P.S.: Auf dem Foto seht Ihr unser Team vor Ort (von links nach rechts): ich – Steffi (Projektmanagerin hessnatur Sozialstandards), Dilhan (unsere Agentin in der Türkei), Zeynep (türkische Auditorin), Henrik und Margreet (Mitarbeiter der Fair Wear Foundation), Ufuk und Alpay (türkische Auditoren) und Serdar (Mitarbeiter im Bereich Personal bei unserem türkischen Lieferanten).

Live-Blogging: Lieferantenbesuch in Istanbul

Montag, 8. März 2010

Ich bin gerade in Istanbul in der Türkei. Draußen ist es sonnig, der Wind bläst kalt vom Meer rüber. Davon werde ich heute nicht allzu viel mitbekommen. Denn ich bin am heutigen Montag bei einem unserer Lieferanten hier zu Besuch. Normalerweise bin ich mit unserer Agentin alleine unterwegs. Heute nicht. Wir sind ein großes Team und überprüfen unsere Arbeit gegenseitig.

Die hessnatur-Agentin und ich, wir sind schon bekannt hier. Wir waren bereits zwei mal vor Ort bei einem hessnatur-Lieferanten in Istanbul, um die Fabrik auf Sozialstandards zu überprüfen. Die Produktionsstätte ist sehr groß, gerade nähen die Arbeiter Shirts aus Bio-Baumwolle für uns. Außerdem gibt es eine hausinterne Färberei, ein großes Lager und einen Raum, in dem die einzelnen Teile eines Textils geschnitten werden. Bei rund 500 Mitarbeitern ist natürlich auch die Kantine entsprechend riesig. Heute gab es Nudeln mit Rosenkohl und Linsensuppe – dazu natürlich Ayran.

Henrik und Margreet sind von der holländischen Fair Wear Foundation (FWF), die die Arbeitsbedingungen zusätzlich zu unseren Kontrollen überprüft. Auch sie sind heute den ganzen Tag in der Fabrik. Beide trainieren im Auftrag von FWF lokale Auditteams vor Ort. So kann sichergestellt werden, dass die hohe Qualität und die vielen Ansprüche – sowohl von der Fair Wear Foundation als auch von hessnatur – umgesetzt werden. Außerdem überprüfen sie meine Arbeit zusammen mit dem Lieferanten in den letzten anderthalb Jahren: Wie gut kenne ich den Lieferanten und die Arbeitsbedingungen vor Ort? Arbeitet der Lieferant nach dem Verhaltenskodex von hessnatur?

Das von der Fair Wear Foundation ausgebildete Auditteam besteht aus drei Personen: Zeynep, Alpay and Ufuk. Die drei haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit bei der Überprüfung von Sozialstandards. Und sie haben heute am meisten zu tun. Alpay ist der Chef im Team und inspiziert alles, was wir Fachfrauen und -männer unter „Health and Safety“, zu deutsch Gesundheit und Sicherheit, zusammenfassen. Zum Beispiel: Gibt es Feuerlöscher, Fluchtwege? Wie ist die Temperatur, das Licht in der Näherei? Zeynep ist zuständig für die Mitarbeiter-Interviews. Bereits letzte Woche war sie da und hat Mitarbeiter auf ihrem Weg zur Fabrik interviewt. Heute spricht sie mit einzelnen Mitarbeitern am Arbeitsplatz. Alpay darf sich den ganzen Tag mit Dokumenten beschäftigen. Gibt es Arbeitsverträge? Beinhalten sie alle relevanten Informationen?

Heute Abend wird dann alles auf einen Tisch gepackt: Was macht der Lieferant gut? Gibt es Mängel? Wurden diese durch hessnatur bereits vorher schon aufgedeckt? Was kann der Lieferant noch weiter verbessern?

Ich werde wahrscheinlich nach dem Tag heute Abend müde ins Bett fallen. Aber mit dem guten Gefühl, dass sich unsere Arbeit lohnen wird. Morgen haben wir dann ein Abschlussgespräch mit dem Management der Fabrik. Deren Reaktion ist immer wieder spannend. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Lob und Kritik um. Und schließlich müssen wir danach alle noch mal die Ärmel hochkrempeln, so dass auch die letzten kleinen Verbesserungsmöglichkeiten bald angepackt sind.

Besuch von der Fair Wear Foundation

Freitag, 2. Oktober 2009

Fair Wear Foundation zu Besuch

Jüngst war Henrik Lindholm von der Fair Wear Foundation zu Besuch bei hessnatur. Seit 2005 ist hessnatur Mitglied der holländischen Organisation Fair Wear Foundation und arbeitet gezielt an der Verbesserung von Arbeitsbedingungen in Nähereien weltweit.

Jedes Jahr besuchen wir in Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation unsere Produktionsstätten mit dem Ziel, Sozialstandards in der Wertschöpfungskette zu sichern. Dabei arbeiten wir mit den weltweit anerkannten Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO):

  • das Beschäftigungsverhältnis ist freiwillig
  • keine Diskriminierung bei der Beschäftigung
  • keine Kinderarbeit
  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektiv-Verhandlungen
  • Zahlung ausreichender Löhne
  • keine überlangen Arbeitszeiten
  • sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
  • rechtsverbindliches Beschäftigungsverhältnis

Beim Besuch ging es der Fair Wear Foundation nun darum, unsere Arbeit im Bereich Sozialstandards zu kontrollieren. Deshalb haben wir uns einen Tag lang zusammen gesetzt und unser eigenes Monitoring-System diskutiert. In vielen Gesprächen mit dem Bereich Innovation & Ökologie (auf dem Bild links Bereichsleiter Rolf Heimann, rechts Henrik Lindholm von der Fair Wear Foundation), unserem Bereich Einkauf und unseren Kommunikationsexperten wurden Fragen über Fragen beantwortet und diskutiert.

Wie gut setzen wir Sozialstandards in den Betrieben um? Gibt es Verbesserungen? Welche sind unsere wichtigsten Lieferanten? Wo produzieren unsere Lieferanten? Wie ist unsere Einkaufsstrategie? Wie kommunizieren wir die Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation? Wer besucht die Nähereien? Und wie werden neue Lieferanten ausgesucht?

Ein spannender und langer Tag mit vielen Gesprächen und neuen Erkenntnissen. Ich bin gespannt auf das Feedback der Fair Wear Foundation und stürze mich in neue Gespräche und Besuche mit und bei unseren Lieferanten.

Jeans-Produktion für hessnatur

Freitag, 10. Juli 2009

Ich hatte ja keine Ahnung! So viele Menschen, so viele Arbeitsschritte, um eine Jeans herzustellen. Jeder hat sie, jeder trägt sie. Ich kenne zumindest keinen, der ohne Jeans auskommt. Seit meiner Reise zu unseren Lieferanten in der Türkei ist meine Blue Jeans nicht mehr nur eine Blue Jeans, sondern ein Meisterwerk!

Ich bin in Istanbul bei unserem Jeans-Lieferanten. Herzlich werde ich im Büro empfangen. Ich bin hier, um mit dem Lieferanten am Thema Sozialstandards zu arbeiten. Diese Produktionsstätte kenne ich bislang aus Berichten meiner Kollegen bei hessnatur. Daher wird es Zeit, auch den Stand der Arbeitsbedingungen vor Ort zu erfassen.

Mit dem Management gehe ich zusammen die acht Sozialstandards laut Internationaler Arbeitsorganisation durch. Hierzu gehört zum Beispiel die Kontrolle der Arbeitsverträge und Gehaltsabrechnungen. Die Gespräche mit dem Management sind wichtig. Ohne das Einverständnis des Managements und ohne das Verständnis für soziale Belange kann in einer Produktionsstätte nichts bzw. nicht viel erreicht werden. Aber kein Grund zur Sorge – so vorbildliche und einwandfreie Dokumente, wie ich sie hier finde, erfreuen mich.

Nur schwer kann ich mich auf meinem Stuhl halten. Ich will die Produktion sehen. Wo stecken die angeblich 100 Näherinnen und Näher? Und wer genau hat meine Jeans produziert, welche ich schon den ganzen Tag stolz trage?

Eine Reise in die Jeans-Welt beginnt. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele verschiedene Jeans auf einen Blick gesehen. Die einen nähen die Taschen, die anderen bedienen die Maschine für Stickereien am Gesäß, wieder andere sind dabei den Reißverschluss einzuziehen. Und die Jeans stapeln sich! Wenn ich meine Jeans ansehe, muss da aber noch was passiert sein. Meine sieht “used” aus. Die Jeans hier sind alle gleichfarbig. Von unten bis oben – immer die gleiche Farbe. Keine Waschungen, Färbungen oder ähnliches. Wie der used look auf meine Jeans kommt – dazu im nächsten Beitrag mehr!

Ein Besuch bei Grameen

Freitag, 20. März 2009

Im März bin ich durch Kambodscha gereist und war zuvor auch einige Tage in Bangladesch. Beim Aufenthalt in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, habe ich die Möglichkeit genutzt, um Grameen Knitwear einen Besuch abzustatten. Das ist die Textilproduktion der Grameen Stiftung von Friedensnobelpreisträger Dr. Muhammad Yunus. Dr. Yunus gilt als Vorreiter des “Social Business”, zu deutsch soziales Unternehmertum. Das bedeutet, dass Unternehmen in erster Linie dafür gegründet werden, um soziale Probleme zu lösen und Armut zu bekämpfen. Klar soll dabei auch Geld verdient werden, aber eben für einen guten Zweck und nicht für den kapitalistischen eigenen Geldbeutel. Bei Grameen Knitwear produziert hessnatur seit 2008 ein T-Shirt aus 100 % Bio-Baumwolle, mit Designs von Miguel Adrover.

Kurz vor Abflug Richtung Asien haben Steffi und ich uns die neuen Grameen-Shirts „The world in your hand – Die Welt in Deiner Hand“ bei hessnatur gekauft, die wir natürlich beim Besuch von Grameen Knitwear tragen :-)

Die Textilfabrik liegt etwas außerhalb von Bangladesch in der Freihandelszone. Um dort hinzukommen, werden wir in Dhaka von Alam abgeholt, der mit uns zu Grameen Knitwear fährt. Er arbeitet im Verkauf und hat zusammen mit seinem Kollegen Pijush die T-Shirts von hessnatur betreut. „Oh, that’s my production!“, ruft Alam erfreut, als er uns mit unseren „The world in your hand“-Shirts sieht.

Auf der Fahrt zu Grameen Knitwear komme ich mit Alam ins Plaudern. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen seien stolz auf die „Corporate Culture“, die gepflegt wird. Das fängt schon damit an, dass die Arbeitsbedingungen bei Grameen Vorbildcharakter haben. Es gibt geregelte Arbeitszeiten und die Bezahlung ist weit über dem Minimum-Lohn, den viele andere Textilfabriken in Bangladesch zahlen und der den Menschen nur schwer zum Leben reicht. Jeder Mitarbeiter bei Grameen, egal welche Funktion er hat, bekommt nach einer Zeit eine Lohnerhöhung. Außerdem gibt es regelmäßig zweimal pro Jahr Treffen des Management-Boards (Vorsitzender ist Dr. Yunus), und über dessen Beschlüsse und die aktuelle Geschäftsentwicklung werden die Mitarbeiter dann informiert.

Bei Grameen angekommen, entdecke ich in deren „Showroom“ unser aktuelles T-Shirt. Nach einem kurzen Mittagessen mit Alam machen wir uns auf, um die Textilproduktion zu besichtigen. Mehr dazu wird es im nächsten Blog-Beitrag von mir geben.