Artikel mit den Tags "Fairtrade"

Hauptstadt des Fairen Handels

Donnerstag, 28. Januar 2010

Auslobung Stadt Fairer Handel

Auch wenn die Preisverleihung schon fast ein halbes Jahr her ist – Marburg an der Lahn ist „Hauptstadt des Fairen Handels 2009“.

Bereits am 16. September 2009 hat sich die hessische Stadt (nur 40 Minuten von hessnatur entfernt) mit knapp 81.000 Einwohnern gegen 39 Mitbewerber durchgesetzt. Neben dem begehrten Titel und dem Recht, das „Hauptstadt-Signet“ zu verwenden, gab es ein Preisgeld von 35.000€, welches in die weitere Arbeit zum fairen Handel(n) fließen soll. Der bundesweite Wettbewerb fand seit 2003 zum vierten Mal statt und wurde von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt bei InWEnt durchgeführt.

In der Jury vertreten: Georg Abel (Verbraucher Initiative e.V.), Christoph Albuschkat (Forum Fairer Handel e.V.), Lothar Ferber-Hammeke (DZ Bank Mikrofinanzfonds), Dr. Werner Görtz (Landeshauptstadt Düsseldorf), Juryvorsitzende Petra Heilih (Weltgebetstag der Frauen und Deutsches Komitee e.V.), Ute Kreienmeier (Deutscher Städte- und Gemeindebund), Dieter Overath (TransFair e.V.), Norbert Pfütze (Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen e.V.), Rainer Steeg (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Acel Welge (Deutscher Städtetag).

Warum Marburg? Marburg hat sich gegen die Städte München und Saarbrücken (Platz 2) sowie die Stadt Chemnitz und Gemeinde Rumbach (Platz 3) wegen der herausragenden Vielfalt der kommunalen Aktivitäten durchgesetzt. So bindet Marburg beispielsweise die Thematik des fairen Handels optimal in ihre Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ein und spricht verschiedene und neue Zielgruppen an.

Beispielsweise werden eine eigene Zeitschrift und ein eigener Radiosender als Kommunikationsmittel genutzt und breitenwirksam eingesetzt. Die Stadt begeisterte weiter durch ihre Kontinuität als auch Kreativität bei der Entwicklung neuer Ideen und Anregungen. Als entwicklungspolitische Lernorte wurden ein Botanischer Garten, eine Bio-Kafferösterei und ein Weltladen etabliert.

Beeindruckt war die Jury auch durch die sehr fruchtbare und interkommunale Zusammenarbeit Marburgs mit den Städten Eisenach, Honduras und Dortmund. So lernen zum Beispiel Süd-Partnerinnen der Frauenorganisation „Comucap“ aus Honduras den Fairen Handel in Deutschland kennen.

Die nächste bundesweite Ausschreibung findet 2011 statt. Bis dahin mache ich mir ein paar schöne Tage in Marburg und genieße frisch gerösteten Bio-Kaffee im Botanischen Garten …

Baumwoll-Leichen in Bern

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Baumwolle1

Krasse Guerilla-Aktion gestern auf dem Waisenhausplatz im schweizerischen Bern: Passanten sehen sich plötzlich mit einer Szenerie wie aus einem Krimi konfrontiert: Dutzende von Leichen liegen auf dem Platz – nicht aus Fleisch und Blut, sondern stilisierte Körper aus weißem Baumwollstoff. „Jährlich sterben 20.000 Menschen an den Folgen von Pestizideinsätzen auf Baumwollfeldern“, steht in blutiger Schrift auf den symbolisch dargestellten Opfern. Die Aktivisten von Helvetas machen damit über die verheerenden Folgen des konventionellen Baumwollanbaus und werben – passend zu ihrer Kampagne „Fragen Sie auch bei T-Shirts nach Bio und Fair“ – für biologisch produzierte und fair gehandelte Mode.

2009_10_15_Aktion 'Baumwollkrimi' 3

Obwohl Baumwolle nur auf zweieinhalb Prozent der weltweiten Ackerflächen wächst, werden laut Helvetas hier 16 Prozent der weltweit eingesetzten Insektizide und Unmengen anderer giftiger Spritzmittel versprüht. „Menschen, die auf Baumwollfeldern arbeiten, nehmen diese Giftstoffe ungewollt auf. Zehntausende erkranken und Tausende sterben daran Jahr für Jahr. Die Baumwollbauern in Entwicklungsländern müssen sich zudem oft verschulden, um diese Pestizide sowie Kunstdünger zu kaufen.“, so Helvetas.

Diese werden im konventionellen Baumwollanbau in rauen Mengen ausgebracht. Sie können ins Wasser gelangen und verunreinigen damit die Trinkwasservorräte. Nützlinge auf dem Feld werden getötet, während Schädlinge mit der Zeit resistent gegen die Gifte werden. Auch die Ertragskraft der Böden vermindert sich mit der Zeit. Frauen können auf den mit Chemikalien gedüngten Feldern nicht arbeiten, weil sie bei einer Schwangerschaft ihre ungeborenen Kinder schädigen würden. Tiere verenden, weil sie von den giftigen Baumwollpflanzen fressen.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an ein Interview mit einer Bäuerin in Burkina Faso, die in der Vergangenheit konventionell Baumwolle angebaut hat. Die Früchte, die am Rand der Baumwollfelder geerntet worden sind, waren so pestizid-verseucht, dass eines ihrer Kinder im Säuglingsalter starb.

Ursache für diese Missstände ist häufig fehlendes Wissen, wie mit solchen Chemikalien überhaupt umzugehen ist. Es fehlt an Input zu nachhaltigen Methoden zur Schädlingsbekämpfung und zur Düngung der Baumwollpflanzen. Helvetas engagiert sich mit Projekten in Westafrika und Zentralasien für den biologischen Anbau und fairen Handel von Baumwolle. Sie berät und unterstützt die Bauern vor Ort. Diese profitieren von gerechten Preisen für ihre Ernte und von einer gesünderen Umwelt. hessnatur bezieht Bio-Baumwolle für seine Kollektionen u.a. aus einem Gemeinschaftsprojekt mit Helvetas in Burkina Faso.

Anlässlich der Aktion hat Helvetas die Passanten in Bern angehalten, selbst aktiv zu werden und sich beim Shoppen für Bio-Mode zu entscheiden. Wir haben es alle in der Hand, ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle mit ungewissem Hintergrund, was die Fertigung angeht, zu kaufen oder uns für ein T-Shirt zu entscheiden, das ökologisch und fair hergestellt ist.

Bio und Fairtrade

Freitag, 3. Juli 2009

Zur Zeit scheint in der Schweiz eine spezielle Entwicklung erkennbar zu werden: Bio “verdrängt” Fairtrade.

Durch die immer höher werdende Schadstoffbelastung unseres Lebensraumes nehmen auch Allergien sprunghaft zu. Das führt offenbar dazu, dass immer mehr Konsumenten darauf achten, nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Kleidung möglichst schadstofffrei, also Bio, einzukaufen.

Discounter wollen auch am „Biokuchen“ teilhaben und lassen so genannte “Bio – Billigware” produzieren. Dies ergibt einen höheren Kaufmarkt gegenüber einem kleineren Produktionsmarkt. Im Jahre 2008 war in der Schweiz der Zuwachs von Fairtrade gehandelter Ware nur noch 3,1 %, weltweit 22 %.

Obwohl wir weltweit immer noch den höchsten Fairtrade-Pro-Kopf-Konsum haben, stimmt dies bedenklich. Erfreulich ist, dass Grossbritannien und die USA stark aufholen. Weltweit wurde im letzten Jahr knapp 3 Milliarden Euro Fairtrade-Umsatz generiert.

Ein Bio-Label scheint zur Zeit einen stärkeren Kaufreiz zu haben als die Zusicherung, respektvoll mit den produzierenden Bauern umzugehen und dafür zu sorgen, dass diese ein vernünftiges Auskommen haben, ohne ihre Kinder zur Arbeit schicken zu müssen. Unser gemeinsames Projekt des Anbaus von Bio-Baumwolle in Burkina Faso, das wir zusammen mit der Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas betreiben und bei dem wir 20 % Bio- als auch 20 % Fairtrade-Prämie zusätzlich zum afrikanischen Baumwollpreis zahlen, hat da Vorbildcharakter.

Mein Standpunkt: Auf Bio muss nicht, auf Fairtrade darf nicht verzichtet werden, damit wir mit offenem Blick den Menschen in den produzierenden Ländern begegnen können. Es sollte für uns selbstverständlich sein, dass wir mit Respekt einkaufen, nach dem Motto: lieber weniger, dafür fair – und bio!

Heinz Hess und das Sekem-Projekt

Dienstag, 28. April 2009

Das Thema Bio-Baumwolle ist bei hessnatur nach wie vor ein Thema mit absoluter Priorität. So haben wir vor kurzem bei einem Mailing an unsere Kunden dieses Thema mal wieder aufgegriffen und unser Bio-Baumwoll-Projekt in Burkina Faso – unter dem Motto ökologisch angebaut und fair gehandelt – beschrieben.

In diesem Mailing haben wir geschrieben, dass Heinz Hess 1991 in Ägypten das erste Bio-Baumwollprojekt weltweit iniitiert hat. Von unseren aufmerksam lesenden KundInnen wurden wir sofort darauf angesprochen, dass doch Herr Dr. Ibrahim Abouleish Sekem gegründet habe. Das ist natürlich richtig und Herr Abouleish Senior hat Sekem bereits 1977 gegründet und dort nach Demeter-Richtlinien Heilkräuter und Gemüse angebaut.

Aber Heinz Hess war es, der den Anbau der Bio-Baumwolle initiiert hat. Wir wollten aber noch einmal richtig recherchieren, wie das damals gelaufen ist. Denn so richtig wusste das im Haus hier niemand mehr und wir kannten ja auch immer nur die Aussage von Heinz Hess. Das muss aber doch noch herauszufinden sein, oder? Wir haben daher direkt Kontakt zu dem Architekten, der unsere Versandgebäude geplant hat, aufgenommen und mit ihm gesprochen.

Herr Reindl, der mit seinem Unternehmen Portus Bau mehrere Gebäude in Sekem, z.B. die Wohnhäuser, gebaut hat, kannte bzw. kennt sowohl Heinz Hess als auch Herrn Dr. Ablouleish gut und er hat uns jetzt noch einmal die Geschichte mit dem Baumwollanbau in Sekem erzählt – und dies möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

Herr Reindl war im Zuge der Bauplanung im Jahr 1991 öfter bei hessnatur. In einem der Büros saß zu der Zeit ein ägyptischer Mitarbeiter und Herr Reindl wollte von Herrn Hess wissen, welche Aufgabe dieser Mitarbeiter hätte. Heinz Hess hat dann berichtet, dass hessnatur versucht, ägyptische Baumwolle zu importieren und dass dies die Aufgabe dieses Mitarbeiters sei. Ägypten exportierte damals aber nur fertig konfektionierte Ware und keine Rohbaumwolle und daher sei der Mitarbeiter nicht sehr erfolgreich. Heinz Hess war darüber natürlich nicht besonders glücklich und Herr Reindl hat ihm vorgeschlagen, Kontakt mit Sekem aufzunehmen.

In Sekem plante Herr Reindl zu der Zeit gerade die Wohnhäuser und er kannte die Familie Abouleish. Also stellte er den Kontakt zu Herrn Abouleish her. Heinz Hess brauchte 120 Tonnen Baumwolle für einen unserer damaligen Lieferanten in Dänemark. Herr Abouleish war einverstanden, es mit dem Anbau von Baumwolle zu versuchen, unter der Voraussetzung, dass nach Demeter-Richtlinien angebaut wird. Der Vertrag wurde abgeschlossen. Heinz Hess finanzierte den Anbau der Baumwolle mit ca. 60.000 Mark vor. Da die Erträge „trotz des kontrolliert biologischen Anbaus“ höher waren und die Baumwollblüten größer waren als beim konventionellen Anbau, waren die Bauern leicht zu überzeugen, bei diesem Projekt mitzumachen. Da die Demeter-Richtlinien auch den Anbau der Fruchtfolge vorschreiben, konnte auch das Problem mit dem hohen Wasserverbrauch beim Baumwollanbau gemindert werden. Das war der Startschuss für den Baumwollanbau in Sekem, der sich erfolgreich bis heute weiterentwickelt hat und von dem viele Textilanbieter nach wie vor profitieren.

Also ganz klar. Den Anstoß hat Heinz Hess gegeben. Seine Vision hat sich erfüllt. Dies wird ganz deutlich, wenn man die Entwicklung des Anbaus von Bio-Baumwolle und die Aktualität des Themas, u.a auch im Zusammenhang mit den Lohas, betrachtet. Aktueller denn je. Um noch mal auf das damalige Projekt zurückzukommen, Heinz Hess ist schon kurze Zeit später ausgestiegen und hat in der Türkei sein eigenes Baumwollanbau-Projekt aufgezogen. Er wollte wohl etwas „Eigenes“ entwickeln und mehr direkte Kontakte zu den Landwirten aufbauen.

Für dieses Engagement um den Bio-Anbau der Baumwolle wurde Heinz Hess 1996 mit dem Organic Textile Recognition Award bei der 2. internationalen IFOAM-Konferenz ausgezeichnet.

Wir folgen noch immer seinen Spuren!

Kampagne für soziale und ökologische Kleidung

Dienstag, 31. März 2009

Passend zum Jahr der Naturfaser startet die Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas heute eine Kampagne für ökologisch und sozial korrekte Kleidung – leider nur national in der Schweiz. Für Deutschland würde ich so eine Kampagne auch wichtig finden.

hessnatur arbeitet mit Helvetas beim Anbau von Bio-Baumwolle in Burkina Faso zusammen und ist als Partner bei der Kampagne dabei. Diese steht unter dem Motto „Fragen Sie auch bei T-Shirts nach Bio und Fair Trade“ – weil viele Menschen ja beim Einkauf von Lebensmitteln schon auf diese Qualitäten achten und es beim Kauf von Kleidung auch tun sollten. Stimmig finde ich die Motive der Kampagne – einen Salatkopf und eine Banane, die in der Gestaltung an Kleidungsstücke angelehnt sind. Das wären mal schöne Motive für ein T-Shirt!

Laut Helvetas sind rund fünf Prozent aller Baumwolltextilien, die in der Schweiz verkauft werden, aus kontrolliert biologischem Anbau. Ein großer Teil davon stammt zudem aus fairem Handel. Diese fünf Prozent will Helvetas, nicht zuletzt mit der heute startenden Kampagne, bis Ende 2010 verdoppeln. Die Steigerung soll sich positiv auf die Bauern in Entwicklungsländern auswirken, die statt konventioneller Baumwolle Bio-Baumwolle anbauen. Wie eben die Produzenten in Burkina Faso, die keine Pestizide einsetzen und damit nicht nur die Umwelt, sondern auch ihre eigene Gesundheit schützen.

Tipp: Im Rahmen der Kampagne hat Helvetas die Internetseite www.bio-fair.ch gestartet. Dort kann man mit einer Schweizer Landkarte Geschäfte herausfinden, die faire und ökologische Mode anbieten.