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Baumwoll-Leichen in Bern

Mittwoch, 14. Oktober 2009

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Krasse Guerilla-Aktion gestern auf dem Waisenhausplatz im schweizerischen Bern: Passanten sehen sich plötzlich mit einer Szenerie wie aus einem Krimi konfrontiert: Dutzende von Leichen liegen auf dem Platz – nicht aus Fleisch und Blut, sondern stilisierte Körper aus weißem Baumwollstoff. „Jährlich sterben 20.000 Menschen an den Folgen von Pestizideinsätzen auf Baumwollfeldern“, steht in blutiger Schrift auf den symbolisch dargestellten Opfern. Die Aktivisten von Helvetas machen damit über die verheerenden Folgen des konventionellen Baumwollanbaus und werben – passend zu ihrer Kampagne „Fragen Sie auch bei T-Shirts nach Bio und Fair“ – für biologisch produzierte und fair gehandelte Mode.

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Obwohl Baumwolle nur auf zweieinhalb Prozent der weltweiten Ackerflächen wächst, werden laut Helvetas hier 16 Prozent der weltweit eingesetzten Insektizide und Unmengen anderer giftiger Spritzmittel versprüht. „Menschen, die auf Baumwollfeldern arbeiten, nehmen diese Giftstoffe ungewollt auf. Zehntausende erkranken und Tausende sterben daran Jahr für Jahr. Die Baumwollbauern in Entwicklungsländern müssen sich zudem oft verschulden, um diese Pestizide sowie Kunstdünger zu kaufen.“, so Helvetas.

Diese werden im konventionellen Baumwollanbau in rauen Mengen ausgebracht. Sie können ins Wasser gelangen und verunreinigen damit die Trinkwasservorräte. Nützlinge auf dem Feld werden getötet, während Schädlinge mit der Zeit resistent gegen die Gifte werden. Auch die Ertragskraft der Böden vermindert sich mit der Zeit. Frauen können auf den mit Chemikalien gedüngten Feldern nicht arbeiten, weil sie bei einer Schwangerschaft ihre ungeborenen Kinder schädigen würden. Tiere verenden, weil sie von den giftigen Baumwollpflanzen fressen.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an ein Interview mit einer Bäuerin in Burkina Faso, die in der Vergangenheit konventionell Baumwolle angebaut hat. Die Früchte, die am Rand der Baumwollfelder geerntet worden sind, waren so pestizid-verseucht, dass eines ihrer Kinder im Säuglingsalter starb.

Ursache für diese Missstände ist häufig fehlendes Wissen, wie mit solchen Chemikalien überhaupt umzugehen ist. Es fehlt an Input zu nachhaltigen Methoden zur Schädlingsbekämpfung und zur Düngung der Baumwollpflanzen. Helvetas engagiert sich mit Projekten in Westafrika und Zentralasien für den biologischen Anbau und fairen Handel von Baumwolle. Sie berät und unterstützt die Bauern vor Ort. Diese profitieren von gerechten Preisen für ihre Ernte und von einer gesünderen Umwelt. hessnatur bezieht Bio-Baumwolle für seine Kollektionen u.a. aus einem Gemeinschaftsprojekt mit Helvetas in Burkina Faso.

Anlässlich der Aktion hat Helvetas die Passanten in Bern angehalten, selbst aktiv zu werden und sich beim Shoppen für Bio-Mode zu entscheiden. Wir haben es alle in der Hand, ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle mit ungewissem Hintergrund, was die Fertigung angeht, zu kaufen oder uns für ein T-Shirt zu entscheiden, das ökologisch und fair hergestellt ist.

Wandel statt Wachstum

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Wolf Lüdge Key Note„Nothing to hide, tell the truth“ – das ist der Tenor der drei Vorträge, die im Rahmen der Veranstaltung „Good Communication – Good Marketing“ auf der Baumwoll-Konferenz “From Fashion to Sustainability” von Helvetas im schweizerischen Interlaken gehalten werden. Wenn das doch immer so und vor allen Dingen so einfach wäre. Zig Labels gibt es weltweit, von denen nur ein Bruchteil seine „textile Kette“ transparent macht.

Transparenz entlang der textilen Kette, das ist das, was hessnatur auch ausmacht. Und was sich Robin Cornelius von Switcher und Simona Matt von Coop ebenfalls auf die Fahnen geschrieben haben. Die schweizerische Einzelhandelskette Coop bezieht für ihre Kollektion Bio-Baumwolle aus Anbau-Projekten in Indien und Tansania. Switcher (die auch synthetische Fasern in ihrer Kleidung verarbeiten) setzt auf offene Information. Und darauf, dass der Kunde die Produktion seines Kleidungsstücks im Internet nachvollziehen kann.

PublikumWolf Lüdge stellt seine Rede unter das Dach von 7 Prinzipien für Nachhaltigkeitsmarketing und Markenkommunikation. Wichtig sei es, so Lüdge, den eigenen Wurzeln treu zu bleiben und die Kunden einzubeziehen. Zum Beispiel im hessnatur-Blog oder auch mit den Produkttestern, die die hessnatur-Kollektion auf ihre Alltagstauglichkeit prüfen. Die Markengeschichte verlange zudem, als Pionier – wie es seinerzeit Firmengründer Heinz Hess war – seiner Zeit voraus zu sein und nach Innovationen zu streben. Im Hinblick auf Burkina Faso – hier arbeiten hessnatur und Helvetas beim Anbau von Bio-Baumwolle zusammen – stellt er das Projekt vor, dass die Schulspeisung in einer lokalen Schule unterstützt. Unter Einbeziehung der hessnatur-Kunden, die sich dabei ebenso engagieren können.

Bemerkenswert finde ich bei der Diskussionsrunde ein Statement von Robin Cornelius. Es gehe nicht darum, in der Wirtschaft permanent zu wachsen – getreu dem Motto „grow, grow, grow“ -, sondern vielmehr darum, mit seiner Arbeit, seinem Schaffen etwas zu bewegen, Dinge zu verändern. Das „grow“ zum „change“ werden zu lassen – damit Wirtschaft Sinn stiftet. Wer so handelt, braucht sich nicht zu verstecken. Sondern sollte gehört werden.

Von der Mode zur Nachhaltigkeit

Mittwoch, 16. September 2009

Helvetas Konferenz

Im Rahmen des Internationalen Jahres der Naturfasern 2009 der UNO findet vom 21. bis 25. September der Weltkongress für Bio-Baumwolle im schweizerischen Interlaken statt. Die Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas organisiert den Kongress, der unter dem Motto steht „From Fashion to Sustainability“ – Von der Mode zur Nachhaltigkeit. Motiviert wird dieses Thema von der Tatsache, dass Nachhaltigkeit in der Modewelt Einzug erhält und Bio-Baumwolle zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden ist.

Mit Helvetas arbeiten wir über unser Anbauprojekt für Bio-Baumwolle in Burkina Faso zusammen. Auch wir von hessnatur sind beim Kongress aktiv dabei. Wolf Lüdge wird am 24. September an einer Diskussion teilnehmen, bei der es um Kommunikation und Vermarktung von nachhaltigen Textilien geht (mehr dazu gibt es nächste Woche im Blog).

Warum ist der Kongress wichtig? Weil er alle wichtigen Partner der textilen Kette vom Anbau bis zum fertigen Produkt zusammenbringt. Um an Innovationen und Problemlösungen zu arbeiten. Baumwolle ist ja im Grunde genommen die Faser schlechthin weltweit für die Herstellung von Bekleidung. Obwohl ein Naturprodukt, ist die textile Baumwoll-Kette überwiegend alles andere als nachhaltig: Beim konventionellen Anbau werden tonnenweise Pestizide und Herbizide eingesetzt – gleichermaßen schädlich für Mensch und Boden. Fair gehandelte Baumwolle macht einen Bruchteil des weltweiten Baumwollmarktes aus. Die genmanipulierte Baumwolle bürdet den Bauern eine deutlichere finanzielle Belastung auf, macht die Zertifizierung von Bio-Baumwolle schwerer und die Auswirkungen der Gen-Veränderungen sind ungewiss. Mal ganz abgesehen vom Verbrechen an der Schöpfung.

Ich persönlich erwarte mir von dem Kongress weitere Impulse und Initiativen für unser Projekt in Burkina Faso. Im Hinblick auf die Baumwollbauern und ihre Kinder, die wir in Sachen Schulbildung und Schulessen unterstützen. Hier soll und darf noch mehr passieren. Wir wollen mehr Bio-Baumwollanteil auf dem Weltmarkt sehen. Was dafür zu tun ist, ist unser oberstes Ziel. Vielleicht bieten sich Chancen und Wege, dies mit weiterer Unterstützung Gleichgesinnter auch umzusetzen.

Schulspeisungsprämie: Jetzt mitmachen

Montag, 27. Juli 2009

Burkina Faso, Westafrika. Früher Obervolta. Es ist dort jetzt sehr heiß und sehr trocken. Die Bio-Baumwolle ist angegangen auf den Feldern, sie wächst und braucht eine sanft pflegende Hand. Die Kinder haben Schulferien. Erst im September gehen sie wieder zur Schule. Im Dorf Komadougou, dort, wo mit der Fair Trade-Prämie für den Bio-Baumwollanbau die Schule ausgebaut und mit Schulbänken versehen wurde. Kleine und Große kommen, um Lesen und Schreiben zu lernen.

Für manche Kinder ist es ein weiter Weg, hierher zu kommen. Barfuss, manchmal ohne eine Brotzeit, kommen sie aus den Siedlungen drum herum. Helvetas und hessnatur haben mit großartiger Mithilfe der Lehrer und Dorfbewohner einen Stall zu einer Küche umgebaut und eingerichtet. So bekommen die Kinder nun an fünf Tagen der Woche eine warme Mahlzeit, die aus Pflanzenöl, Reis, Hülsenfrüchten und manchmal auch Fisch besteht. Manche Kinder kommen deshalb zur Schule. Für manche Familien ist dadurch die Ernährung ihrer Kinder gesichert. Das ist Entwicklungshilfe pur – Essen für das direkte Überleben und Lernen für die Zukunft. Raus aus der Armut.

Das Essen kostet nicht viel. Pro Kind etwa 16 Cent am Tag.

Ein Kind mit Mittagessen zu versorgen, fünf Monate lang – das haben wir jetzt zur Freundschaftswerbung, zur Neukundenwerbeprämie, gemacht. „MGM“ (member gets member) nennen wir das hier im Werbedeutsch, wenn ein schon bestehender hessnatur-Kunde/Kundin eine Freundin oder einen Freund wirbt. Normalerweise ist es ein Geschenk, das Sie aus einer Reihe von ausgewählten Prämien aussuchen können.

Die „Schulspeisungsprämie“ ist eine klasse Idee: Ich gebe mein Geschenk weiter. Schenke einem Kind Essen und Zukunft am anderen Ende der Welt. Und ich bekomme dafür?…. Die Freude, etwas Gutes getan zu haben und einem jungen Menschen auf seinem Lebensweg ein Stück weitergeholfen zu haben.

Sie können auch direkt spenden. Dazu wenden Sie sich bitte direkt an Helvetas. (Stichwort: Schulspeisung Burkina Faso)