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„Here comes Komal!“

Freitag, 16. April 2010


Mit Dr. Komal in seinem 27 Jahre alten Wagen eine Drei-Stunden-Fahrt nach Dhandkhola zu machen – da braucht man kein Bungee springen mehr!

Gestern morgen ging es dann raus zur Roadside-Klinik auf dem „Highway“ Richtung Tibet (Was immer Sie sich vorstellen: es ist noch schlimmer). Aber die Gegend ist traumhaft schön. Morgens konnte ich in der Ferne noch den Himalaya sehen, fantastisch. Die Roadside-Kliniken sind besonders wichtig, da die medizinische Versorgung für die Landbevölkerung besonders spärlich ist. Die kranken Menschen kommen mit teilweise zweitägigen Fußmärschen durch die Berge zu der Krankenstation. Diese ist noch recht neu. Eine Krankenschwester ist dort permanent und der Doktor (mein heutiger Kamikaze-Fahrer) kommt zwei Mal die Woche hierher.

Die Station ist mit fünf Betten, kleinem Labor, Röntgengerät und Medikamentenlager ausgestattet. Man benötigt hier noch für die Schwangeren ein Ultraschallgerät und einen Dental-Stuhl. Falls Sie also noch ähnliches in der Garage stehen haben sollten …

Auf die Frage, ob ich mir noch die kleine, von New SADLE eingerichtete Schule ansehen will, hätte ich vielleicht anders geantwortet, wenn ich gewusst hätte, wie man dort hin kommt. Sie werden es mir nicht glauben, denn dummerweise genau ab diesem Zeitpunkt hat meine Kamera schlapp gemacht hat. Wir mussten eigentlich nur über den Fluss –das allerdings in 50 Metern Höhe über eine Schwebebrücke im guten alten „Indiana Jones“-Stil. Super, jetzt bloß nichts anmerken lassen!

Ich habe überlebt. Spätnachmittags habe ich mich noch mit einem Agronomen getroffen, der hier in Nepal gerade eine Bio-Zertifizierungsorganisation aufbaut und – sehr interessant! – Fachmann für Wiederaufforstung ist. Mit ihm habe ich über die Möglichkeiten von Wiederaufforstung der abgeholzten Wälder nahe einem sehr abgelegenen Dorf gesprochen. In diesem Dorf unterhält der Nepra e V. auch eine kleine Krankenstation (die ich bis jetzt aber selber noch nie besucht habe, denn die liegt einen Tagesfußmarsch von der nächsten Straße entfernt). Da würde ich gerne mal hin).

Maheswar Ghimire hat hochspannende Konzepte für Wiederaufforstung. Wir haben aber auch über die Möglichkeit von Anbau von Bio-Baumwolle in Nepal gesprochen. Das wäre ein alter Traum von mir. Wir haben uns verabredet, die Möglichkeit für Bio-Baumwolle aus Nepal zu prüfen. Könnte gehen, da es eine Region mit Baumwollerfahrung gibt.

Von der Fahrt bin ich jetzt müde, aber auch erfüllt. Es ist ein wunderschönes Land und ich lerne hier immer wieder tolle Menschen kennen, die sich hier durch die extrem widrigen Umstände durchbeißen und ihren Humor nicht verlieren. Eine Autofahrt mit Dr. Komal ist filmreif, ein Sack voller Spaß und Schweißperlen auf der Stirn: Und wie kommentiert der Mann seine eigene Fahrweise so passend? „Here comes Komal!“

Von verstopften Straßen, einer Scheibe Gelassenheit und Bananenfasern

Mittwoch, 14. April 2010

„Es könnte so einfach sein – isses aber nicht“. Toller Song von den „Fanta 4“. Wie das richtige Leben. Im Flieger nach Nepal habe mich mit einem Schweizer unterhalten, der schon seit 1969 Kathmandu kennt und heute auch dort lebt. Damals fuhren nach seiner Aussage gerade mal knapp 40 Autos im Kathmandu-Tal (Heute sind das gefühlte 40 pro Quadratmeter). Ich wünsche mir eine Zeitmaschine. Das muss wirklich das Paradies gewesen sein! Das kann ja nicht sein, hier mitten in der Stadt stehe ich bis zu den Knöcheln in Dreck und Staub und wundere mich natürlich nicht über meine Kopfschmerzen bei den Abgasen.

Aber der Schweizer kommt ja immer wieder, ich ja auch. In dieses Land voller Widersprüche. Hier leben Menschen, die nicht bereit sind Verantwortung, Eigenverantwortung  zu übernehmen, die aber auch mit einer beeindruckenden Gelassenheit all diese Widrigkeiten auf sich nehmen. Von dieser Geduld könnte ich mir eigentlich ein Scheibchen, quasi Souvenir, mitnehmen. Hari, der Produktionsleiter von New SADLE, sagte mir heute auf dem Weg zum Projekt, dass es den Nepalis besser gehen würde, wenn sie wieder gar keine Regierung hätten (wie in der kurzen Zeit zwischen der Königsabdankung und der Regierungsbildung). Die politischen Bedingungen, also die völlige Handlungsunfähigkeit, sind extrem beeindruckend. Da mein „Blogwart“ mich ja immer zur Kürze anhält, gehe ich hier aber nicht in die Tiefe.

Diese extrem schlechten Rahmenbedingungen und das auffallend große Fehlen von Eigeninitiative lassen das Land immer tiefer in diese große Armut stürzen. Wie erfrischend ist das dann immer für mich zu sehen, dass es doch Initiativen gibt. Wie zum Beispiel die von der überaus starken Meera Batarai, die hier seit Jahren erfolgreich verschiedene Frauenkooperativen koordiniert. Oder eben meine Freunde von New SADLE.

Mit denen habe ich heute intensiv über Zahlen gesprochen. Das New SADLE-Konzept soll nach dem Konzept eines Kreislaufs funktionieren: In den eigenen Reha-Werkstätten werden Produkte gefertigt, die dann überwiegend in Übersee vertrieben werden. Aus dem Einkommen können dann das Altenheim, Kindergarten und die Roadside-Kliniken (über die erzähle ich noch) finanziert werden. Geschlossen wäre der Kreislauf, wenn die Gewinne so groß wären, alles „running costs“ zu decken (und dann wäre es ein ideales Beispiel für Social Business, würde Kollegin Steffi Karl anmerken).

Um die noch beträchtlichen Defizite abzudecken, gibt es einen deutschen Förderverein, der um Spendenmittel wirbt und regelmäßig monatliche  Beträge nach Kathmandu schickt, damit Medizin, medizinisches Personal etc. bezahlt werden können. In diesem deutschen Förderverein Nepra e.V. arbeite ich schon seit ewigen Zeiten mit. Angefangen hatte es für mich, als ich als Experte rübergeflogen bin und begonnen hatte, die Farbstoffe ökologisch zu optimieren. Seitdem haben wir gemeinsam kontinuierlich an der Qualität gearbeitet und richtig vorzeigbare Qualitätssicherungs-Standards implementiert. Ich bin richtig stolz, wie meine nepalischen Kollegen das umgesetzt haben. Nun, mit diesem Level konnten dann auch Produkte wie die Pashmina-Schals, Seidenschals und hochwertige Kissenbezüge usw. für hessnatur produziert werden.

Heute bin ich richtig zufrieden. Sie merken, ich nörgele kaum noch rum. Hari und ich haben uns mit einem Bananenfaser-Produzenten getroffen. Echt klasse! Aus den Stümpfen der Bananenpflanzen (die ja nach der Ernte nicht mehr weiterwachsen) wird das Fasermaterial mechanisch gewonnen, gekocht, aufbereitet und dann zu wildseiden-ähnlichen Garnen versponnen. Sieht vielversprechend aus. Jetzt werden Strick- und Häkelproben gemacht. Mal schauen, vielleicht klappt´s, dann hätte hessnatur schon wieder eine echte Innovation zu bieten (und mein Boss kann mir mal ’nen Sonntag frei geben :-) ).

Bei New SADLE in Nepal

Dienstag, 13. April 2010

Wissen Sie eigentlich wie das ist, in einer 30 Grad warmen Garage neben einem Auto  mit laufenden Motor zu stehen? Ich weiß es. Ich bin gerade in so einer Situation. Ich bin zur Zeit in Kathmandu, und genauso ist es hier. Wahnsinn! Einverstanden, nicht ganz politisch korrekt, was Sie jetzt lesen. Aber ich darf das. Warum, erkläre ich Ihnen. Viele Jahre fliege ich schon in dieses Projekt New SADLE: ein beeindruckendes Projekt mit ehemaligen Lepra-Kranken am Rande des Kathmandu-Tals.

Das Projekt erkläre ich später. Erst einmal zu meiner „Hassliebe“ Nepal. Wirklich, dieses Land lässt einen nicht emotionslos. Der Dreck, das absolute Straßen-Chaos, der Abgas-Smog. Das ist unvorstellbar. Okay, ich war noch nicht in Mexico-Stadt, aber sonst kenne ich schon einige Städte. Dann das Chaos am Flughafen, die verabredete Abholung hatte nicht geklappt, das Hotel musste ich auch noch einmal wechseln. Na klar kenne ich das alles schon, wenn man schon zehn Mal in Kathmandu war. Nervt ab auch immer noch.

Jetzt meine Liebe: Ich bin heute im Projekt New SADLE. Bin umgeben von all den Menschen, die ich teilweise schon 14 Jahre kenne. Menschen, die sich unter den schwierigsten Verhältnissen in diesem armen Land so unermüdlich für „ihre Menschen“ einsetzen. Ich weiß wieder, warum ich hier bin.

New SADLE produziert für uns, hessnatur, seit Jahren diese tollen Pashmina-Schals. New SADLE heißt aber auch ein Altenheim mit alten, ehemaligen Lepra-Kranken. Diese Menschen sind zwar geheilt, aber – mal deutlich – was weg ist, ist weg. Diese Menschen, denen teilweise erhebliche Gliedmaßen fehlen, brauchen Unterstützung, Hilfestellung. Diese Menschen wären sonst auf der Straße und würden unter erbärmlichsten Bedingungen betteln und dahin vegetieren. Das ist jedes Mal wieder beeindruckend, wie die Menschen in diesem Altenheim am Rande des Kathmandu-Tals jetzt leben können. Übrigens ist hier die Luftverschmutzung auch fühlbar geringer, da das Gelände von New SADLE am Hang liegt, also schon weiter höher. Wenn’s Sie nicht langweilt und wenn ich Morgen wieder ins Internet komme, berichte ich dann weiter.

Bis dahin Namaste (ich grüße den Gott in Dir). Auch schön, oder?
(Ich liebe dieses Land, Herr Gott noch mal!)

Ein Schal für Zugehörigkeit

Mittwoch, 2. September 2009

Nepal-SchalAls ich mich in das Projekt, aus dem die Schals in unserem Herbst-Winterkatalog (Seite 240) kommen, eingelesen und mich informiert hatte, wusste ich schon, dass ich darüber hier im Blog berichten muss! Es ist einfach immer wieder beeindruckend, welche Möglichkeiten ein wirtschaftlich eingebundenes und ökonomisch handelndes Unternehmen doch hat, um sozial engagiert zu sein!

Die drei farbenfroh gewebten Baumwollschals für Damen, Herren und Kinder kommen aus den Werkstätten des New SADLE Vereins in Kathmandu, Nepal. Hier, in einem der ärmsten Länder der Welt, stellt Lepra ein noch ernst zu nehmendes Problem dar. In den Werkstätten des mit deutschen Spendengeldern aufgebauten Projekts leben und arbeiten Gesunde und geheilte Leprakranke zusammen. Hier finden sie Anerkennung und Wertschätzung und einen neuen Lebensinhalt.

Die Schals sprechen eine lebendige und positive Sprache. Mit den feinen überstickten Ornamenten auf den gestreiften Untergründen sind sie eigenständig und sehr dekorativ. Die Idee, für jedes Familienmitglied einen eigenen Schal zu entwerfen, fanden wir sehr reizvoll. Zusammengehörigkeit ist ja das, was New SADLE in Kathmandu bewirkt – die wieder hergestellte Zugehörigkeit oder Einbindung in die Gesellschaft. Für uns ist es die Zugehörigkeit zur Familie, die Partnerschaft oder die Freundschaft.

Was machen diese Schals bei Ihnen? Zeigen Sie auch Verbindungen oder Zugehörigkeit? Falls Sie das in einem Foto festhalten können, freuen wir uns hier sehr über die Zusendung!