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Acht Fragen an eine nachhaltige Textilproduktion – acht Antworten von hessnatur

Montag, 30. Januar 2012

 

Vergangene Woche hat uns die Diskussion um billige Mode und Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sehr beschäftigt (die ARD hatte sich am Montag des Themas in der „Check“-Reihe und in der „Hart aber fair“-Sendung angenommen). Die Kolleginnen und Kollegen in der hessnatur-Kundenbetreuung haben nach der Ausstrahlung zig Anfragen zum „Stiftung Warentest“-T-Shirt beantwortet, das “zu Gast” in der Sendung war, und auch bei Facebook haben uns viele Kommentare zu unserer nachhaltigen Produktion erreicht.

Am Freitag hatte ich hier im Blog auf den lesenswerten Artikel von Kirsten Brodde und Mark Starmanns hingewiesen, die acht wichtige Fragen formuliert haben, die man/frau in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness an das Lieblingsmode-Label stellen kann und sollte. Heute will ich diese aufgreifen und für hessnatur und unsere textile Kette beantworten.

1. Kennt das Unternehmen seine komplette Produktionskette?

Klares Ja. Die textile Kette von hessnatur lässt sich vom Anbau der Faser über alle Produktionsschritte bis zur Anlieferung der Ware ins Lager in Butzbach zurückverfolgen. Die Kolleginnen und Kollegen unserer Qualitätssicherung steuern das über den so genannten Artikelpass, der alle Informationen bzw. Freigaben aufführt: Vom Bio-Anbau der Baumwolle über das Spinnen, Färben, Stricken bis hin zur Konfektion. Im Katalog und Onlineshop gibt’s für jedes hessnatur-Produkt die so genannten Deklarationen, die über Ursprungsland der Faser, Land der Konfektion als auch die eingesetzten Zusatzstoffe und Verfahren (z.B. mechanische Behandlung  oder pflanzlich gefärbtes Leder) informieren. Am Beispiel des Basic-T-Shirts, das von der Stiftung Warentest gelobt wurde, kann man das hier noch mal nachlesen.

2. Hat das Unternehmen hohe Arbeitsstandards für alle Herstellungsschritte festgelegt?

Die hessnatur-Sozialstandards basieren auf den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die beinhalten u.a. gerechte Löhne, ein geregeltes Arbeitsverhältnis, Versammlungsfreiheit und das Verbot von Kinderarbeit. Jeder Lieferant, der für hessnatur produziert, verpflichtet sich diese einzuhalten und den Näherinnen und Nähern gegenüber auch zu kommunizieren. Die Einhaltung und Umsetzung kontrolliert hessnatur durch die Mitarbeiter des Bereichs Innovation & Ökologie als auch durch die Fair Wear Foundation (FWF) vor Ort.

3. Sucht das Unternehmen gemeinsam Lösungen mit Konkurrenten und Kritikern?

Verbesserungen und Veränderungen hin zum Positiven fangen ja immer im Kleinen an. Durch die Mitgliedschaft im Internationalen Verband der Naturtextilien (IVN) gibt hessnatur seit Jahren wichtigen Input zu Herstellungsstandards, Produktionsmethoden und auch den besonderen Eigenschaften und Ansprüchen von Naturfasern. Über solche Institutionen kommt Know How auch anderen Anbietern von ökologischer und natürlicher Kleidung zu Gute.

Ein konkretes Beispiel, was mir in Bezug auf hessnatur immer wieder einfällt, ist unsere Kooperation mit Grameen Knitwear in Bangladesch. Das Unternehmen hatte vorwiegend mit synthetischen Fasern gearbeitet, von hessnatur wurde Spinnen, Rundstrick, Färben und Konfektionieren von Bio-Baumwolle geschult. Heute stellt Grameen Knitwear nicht nur für hessnatur unsere Statement-Shirts her, sondern fertigt auch für andere Kunden Shirts aus Bio-Baumwolle. Vor Ort wird zu zu fairen Bedingungen produziert und die Arbeiter haben auf diese Weise eine Chance, der „Billiglohnfalle“ in Bangladesch zu entkommen.

4. Nimmt das Unternehmen die Bedürfnisse der ArbeiterInnen in der Fabrik ernst?

Bei den Audits in den Produktionsbetrieben werden die Arbeitsbedingungen vor Ort analysiert und erfasst. Bei Mängeln und notwendigen Verbesserungen wird von hessnatur selbst oder der Fair Wear Foundation ein Corrective Action Plan erstellt (CAP). Der schreibt vor, was in welcher Zeit vom Produzenten umzusetzen und zu ändern ist. Außerdem gibt es in den hessnatur-Betrieben für die Näherinnen und Näher die Möglichkeit, sich in Konfliktfällen vor Ort an eine neutrale Beschwerdestelle zu wenden, die an die Fair Wear Foundation berichtet.  Ohne Angst davor zu haben, dass sie eine Kündigung erhalten oder am Arbeitsplatz diskriminiert werden.

Wer mehr zum Thema hessnatur-Sozialstandards lesen möchte, wird hier fündig – im vergangenen Jahr haben wir im Rahmen einer Newsletter-Reihe ausführlich darüber berichtet.

5. Hat das Unternehmen hohe ökologische Ziele definiert?

Naturbelassene und gesunde Kleidung zu produzieren, die weder Mensch noch Natur schadet – das war die  Motivation von hessnatur-Firmengründer Heinz Hess, als er  1976 die erste giftreie Babykollektion aus Naturfasern auf den Markt brachte. Die hessnatur-Richtlinien haben sich seit der Gründerzeit kontinuierlich weiterentwickelt. Heute zählen sie zu den strengsten in der Textilbranche. Bei der Produktion achten wir neben einer sozialgerechten Fertigung darauf, dass das Kleidungsstück sowohl umwelttoxigologisch (also umweltverträglich) als auch humantoxikologisch (giftfrei) ist. Das wird u.a. dadurch erreicht, dass keine schädlichen Farbstoffe eingesetzt werden und  keine chemische Ausrüstung der Kleidung vorgenommen wird.

6. Denkt das Unternehmen zirkulär?

Wir versuchen, den Spagat zwischen Trend und Tradition zu lösen, indem wir uns Anregungen und Ideen auf internationalen Messen und Modenschauen holen, aber nur ausgesuchte Modethemen aufgreifen und diese sehr wertig und individuell für hessnatur umsetzen. Ziel dabei: Mode zu entwerfen, die auch im nächsten und übernächsten Jahr noch gerne getragen wird. Darüber hinaus achten wir ganz bewusst auf eine saisonübergreifende Kombinierbarkeit unserer Farben.

7. Zahlt das Unternehmen faire Preise?

Mit den hessnatur-Sozialstandards und der Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation sorgt hessnatur für gerechte Arbeitslöhne in der Konfektion. Was Naturfasern betrifft, setzt hessnatur bei Bio-Baumwolle u.a. auf die Baumwolle, die aus dem eigenen Anbauprojekt in Zusammenarbeit mit der Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas aus Burkina Faso kommt – das Entwicklungsland in Westafrika zählt zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Bauern des Projekts erhalten eine doppelte Prämie: Zum einen einen 20 %-Aufschlag zum regulären Baumwollpreis für den Bio-Anbau, zum anderen weitere 20 % Fair Trade-Prämie. Darüber hinaus unterstützt hessnatur aktuell zwei Schulen, die von den Kindern der Baumwollbauern besucht werden, und finanziert dort das regelmäßige Mittagessen. Damit ist sichergestellt, dass rund 550 Kinder einmal am Tag ein warmes und gesundes Essen bekommen.

8. Steht das Unternehmen zu seiner Verantwortung?

Neben der konsequent ökologischen und sozial fairen Produktion engagiert sich hessnatur auch außerhalb der Wertschöpfungskette: Durch Sponsoring, durch Kooperationen und Förderung von nachhaltigen Projekten wie beispielsweise „Plant for the Planet“. Und dass die beiden Autoren bei diesem Punkt von „hessnatur als Pionier“ sprechen, freut uns natürlich besonders.

Wer mehr über die angesprochenen Richtlinien erfahren will, wird hier fündig. Nicht vergessen möchte ich den Blog „Netzwerk Faire Mode“, der sich als Online-Einkaufsführer für nachhaltige Mode entwickeln möchte und damit für mehr Klarheit und Transparenz für kritische Verbraucher sorgt.

Die Lieblingshülle: Das neue hessnatur baby

Freitag, 24. September 2010

Jetzt ist er da, der neue hessnatur Babykatalog ! Auch unsere Blogleser wollen wir das wissen lassen. Mit unserem neuen Logo erkennen Sie jetzt auch gleich, dass Sie in die kleine Welt der Babys, Mütter und der Schwangeren eintauchen.

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, fällt die wichtige Hülle von Mamas Bauch plötzlich und unwiederbringlich weg. Jetzt, neu geboren und in der hellen und lauten Welt angekommen, muss diese Schutzhülle ersetzt werden. Reine Naturmaterialien, die den Eigenschaften der zarten, noch empfindlichen Haut sehr ähnlich sind, ergänzen Babys Hautfunktionen und gewähren ihm den Schutz, den es braucht, um sich ungestört zu entwickeln.

Stolz sind wir auf diesen Katalog, denn er zeigt uns heute zum wiederholten Male, wo die Wurzeln von hessnatur liegen: bei den Kindern. Heinz Hess hat sich vor fast 35 Jahren ernsthafte Gedanken um diese erste Hülle für das junge Leben seines damals neu geborenen Sohnes Matthias gemacht. Es gibt einfach nichts besseres für die empfindliche Haut als Naturmaterialien, die biologisch gewonnen und ebenso weiterverarbeitet wurden.
Alles rund um Babys erstes und zweites Lebensjahr haben wir über die Jahre entwickelt und mit unseren Standards versehen.

Glückliche Kinderaugen, die in eine nachhaltig angelegte Zukunft hineinwachsen.

Ein Tipp zum Schluss: Bis Sonntag, den 26. Spetember, gibt es noch einen 5%-igen Frühbestellerrabatt im Online-Babyshop.

Ist Gen-Mais ein Thema? Wir finden: Ja, das ist es.

Dienstag, 8. Juni 2010

Gestern war es in den Schlagzeilen: Gentechnisch verändertes Saatgut ist auf deutschen Feldern in sieben Bundesländern ausgesät worden. Greenpeace hatte dies schon Anfang März aufgedeckt, doch bis Ende April zog sich die Recherche hin, wohin die verkaufte, verunreinigte Maissaat gelangt war. Nur per Gerichtsbeschluss ließ der vertreibende Betrieb die Informationen raus. Und das, obwohl wir ein Aussaatverbot für genetisch veränderten Mais in Deutschland haben.

Heute schon liest man verhöhnende Worte: die Verunreinigung von 0,1 % wäre doch nahezu lächerlich. Das wären laut Greenpeace 100 genveränderte Pflanzen pro Hektar. Das klingt im ersten Schritt wenig. Nur wer im Biologieunterricht der Mittelstufe ein bisschen aufgepasst hat und sich mit der Darwinschen Vererbungslehre beschäftigt hat, der weiß, wie schnell unser natürlicher Mais mit MON 810 eins geworden ist.

Wie unterlaufe ich Gesetze, die ich missbillige, das ist hier wohl eher die Frage. Denn was nützt ein Gesetz, wenn das verbotene Saatgut erst mal auf den Feldern ist? Rolf Heimann, unser Mann für Ökologie und Innovation hier im Haus, hat uns ja erst vor kurzem einen wertvollen Beitrag zu diesem Thema gebracht. Monsanto und die Bio-Baumwolle. Monsanto und der Maisanbau. Und überall wird mit unlauteren Mitteln gearbeitet. Ein Narr, der glaubt, das Ganze hätte kein System.

Dass ökologische Katastrophen nicht immer laut daher kommen, lässt sich angesichts der Ölkatastrophe vor der mexikanischen Küste schwer darstellen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle warnen, die Genmais-Verunreinigung auf die leichte, gar lächerliche Schulter zu nehmen. Durch die Ernährung mit genverändertem Mais wurden in Tierversuchen Blutbildveränderungen festgestellt. Ich möchte die Auswirkungen  nicht erleben müssen. Nicht bei meinen Kindern. Nicht bei meinen Enkeln. Und auf keinen Fall in der Natur.

Wir brauchen einen Tag der biologischen Vielfalt

Freitag, 21. Mai 2010

Wir schreiben das Jahr 2010. Pflanzen werden durch Genmanipulationen verändert. Menschen versuchen alte Obst- und Gemüsesorten zu retten und bieten sie wie Delikatessen auf Gemüsemärkten an. Insekten und Schädlinge werden bekämpft. Mittels Chemikalien und Giftstoffen, aber auch durch genmanipulierte Pflanzen, die den Giftstoff selbst produzieren.

Ja, das ist nicht Science Fiction. Das ist heute. Und im selben Jahr feiert man das Jahr der biologischen Vielfalt! Wird es ein Jahr, in dem die Natur auf den Seltenheitswert einer Delikatesse erhoben wird oder werden wir es schaffen, die Natur wieder als solche zu leben, zu respektieren und zu bewahren?

Morgen, am internationalen Tag der biologischen Vielfalt, wird allerortens gewandert. Es ist der Versuch des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), den Blick auf die noch vorhandene Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt zu richten . Oder sie überhaupt wieder ins Bewusstsein zu rücken.

Die Biodiversität nimmt jährlich ab. Täglich sterben ca. 130 Tierarten aus. Der Verlust des Lebensraums gehört heute zu den größten Bedrohungen der Arten. Verursacht durch gravierende  Umweltveränderungen wie z.B. Klimaerwärmung, Verschmutzung der Lebensräume, Überdüngung, Überfischung, Jagd, Ausbeutung  der Ressourcen und die Ausbreitung fremder Arten. Laut UN-Umweltprogramm waren 2007 über 16.000 Arten weltweit vor dem Aussterben bedroht. Die Gesamtzahl der Arten hat zwischen 1970 und 2000 um 40 Prozent abgenommen.

Der Tag der biologischen Vielfalt erinnert an das Inkrafttreten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und wird jedes Jahr am 22. Mai begangen. Es müsste eigentlich ein Trauertag sein. Angesichts der aktuellen Ölkatastrophe werden wir uns wohl noch mit viel gravierenderen Zahlen konfrontieren müssen.

Die Entscheidung für ein Leben mit der Natur treffen wir jeden Tag. Mit jedem Euro, den wir ausgeben, können wir uns dafür entscheiden, dass es auch anders geht. Wir müssen heute noch anfangen, morgen kann es schon zu spät sein.

Neues EU-Bio-Siegel: Versiegeln, was geht

Montag, 12. April 2010

Ab dem 1. Juli 2010 müssen Bio-Produkte in der Europäischen Union das neue EU-Bio-Siegel tragen. Der Sieger-Entwurf wurde im Dezember und Januar in einer Online-Abstimmung ermittelt. Das neue Logo soll die Botschaften „Natur“ und „Europa“ vermitteln,“ so lautet die neue Regelung, die im Februar diesen Jahres von der EU verabschiedet wurde.

Die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung müssen unter diesem Siegel erfüllt werden, dies gilt für alle Bio-Produkte, die innerhalb der EU hergestellt werden. Nationale Siegel, wie Demeter oder Bioland, dürfen weiter daneben verwendet werden. Wie auch bisher, wird die Mindestanforderung des neuen EU-Bio-Siegels unter der vieler nationaler Verbandssiegel bleiben. Es wird also mit diesem neuen Blatt-Stern-Bildchen keine wirkliche Veränderung oder gar Verbesserung geben, es wird lediglich zu einer Erneuerung der Verpackungen kommen.

Es ist ein wahrer Siegeldschungel, dem sich der Verbraucher gegenüber sieht. Wer kann denn mit Gewissheit sagen, was er in seinen Warenkorb legt, wenn er ein, zwei oder drei Zertifizierungen auf der Verpackung sieht? Ein Hoch unseren Politikern, die mit diesem neuen Siegel eins verpasst haben: die Verbesserung der Anforderungen. Der Sinn der Siegel ist nicht der Werbegag. Hat das vielleicht jemand falsch verstanden? Die einmal im Jahr stattfindende Überprüfung der Richtlinien wird möglicherweise die schwarzen Schafe nur langfristig aussortieren.

Neben dem neuen, vielleicht im Kleinen kaum noch erkennbaren grünen-Blatt-Siegel der EU, gibt es noch ein zweites staatliches Siegel: das „Ohne-Gentechnik“-Siegel. Auch wirklich wichtig.

Dennoch: Eine umfassende Aufräumaktion aller Siegel und Zertifizierungen zugunsten der Verständlichkeit und Transparenz wäre für den Verbraucher ein wichtiger Schritt. Mit der Erneuerung des EU-Siegels hat man diese Chance wohl gerade verpasst.
Übrigens, das war das alte Siegel (für den, der sich orientieren will) sah so aus:

Auf diese Neuerung wurde ich übrigens über die Seite von karmakonsum aufmerksam. Dank Euch, Christoph und Noel!