Artikel mit den Tags "Produktion"

Das Brandschutzabkommen für Bangladesch

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Bangladesch

Wer diesen Blog verfolgt, erinnert sich vielleicht daran, dass es im August im Frankfurter Nordend eine Podiumsdiskussion zu fairer Bekleidung gab. Dort ging es auch um das Rana Plaza-Unglück in Bangladesch im April 2013, bei dem ein neunstöckiges Gebäude einstürzte, in dem  mehrere Textilfabriken produzierten. Dabei wurden 1133 Menschen getötet und 2438 weitere verletzt. Das Unglück löste weltweit Betroffenheit und Empörung aus.
In der Folge begannen sich Hersteller aus Europa, den USA, Asien und Australien zu einem Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz (Accord) zusammen zu schließen. Im Mai 2013 unterzeichnete auch hessnatur das Abkommen. Hörte sich erst Mal gut an, doch vor kurzem habe ich mich gefragt, was daraus geworden ist.
Ich beschloss also, bei Kristin Heckmann aus dem Bereich Corporate Responsibility nachzufragen, worauf sich die rund 100 Textilunternehmen aus 19 Ländern (Stand 17. Oktober 2013) denn in dem Abkommen festgelegt hätten. Kristin Heckmann war gemeinsam mit Rolf Heimann, dem Leiter des Bereichs Corporate Responsibility bei dem Treffen der Firmenrepräsentanten in Genf dabei.

Kristin erzählte mir, dass sich alle beteiligten Textilunternehmen zunächst dazu verpflichtet hätten, für fünf Jahre mit den Herstellern in Bangladesch zusammenzuarbeiten. Das gebe den Fabriken Planungssicherheit und sei eine realistische Laufzeit, um Maßnahmen umzusetzen.
Dazu gehört eine umfassende Dokumentation. Alle Unternehmen melden die Daten ihrer Produzenten in Bangladesch an Fair Factories Clearinghouse. Die  gemeinnützige Organisation mit Sitz in New York hilft Unternehmen  bei Dokumentation und Datenverarbeitung, um Arbeitsplätze in Fertigungsbetrieben fairer und ethisch korrekt zu gestalten. Die Textillabel, die am Brandschutzabkommen beteiligt sind, melden, wo sie produzieren, wie viele Stockwerke die Fertigungsstätten haben, das Auftragsvolumen usw. Auf Basis dieser verfügbaren Daten können dann Verbesserungsmaßnahmen effizient gestaltet werden. Mit den von Fair Factories Clearinghouse dokumentierten Daten, führt der Accord dann einen Sicherheits-Screen durch, bei dem jedes Gebäude nach Sicherheitskriterien bewertet wird. Es geht um Brandsicherheit, Fluchtwege und Statik. Aber auch allgemeine Gesundheitsaspekte, etwa die Luftzufuhr. Sollten aufgrund dieser Bewertung Betriebe bei der Umrüstung geschlossen werden müssen, können künftig noch Ausfallzahlungen für die Betroffenen Arbeiterinnen vereinbart werden. Die Höhe der Beiträge soll  sich nach dem Umfang der Produktion der einzelnen Unternehmen richten.

hessnatur ist dem Abkommen beigetreten, weil faire Sozialstandards eine Säule unserer Firmenpolitik sind und weil wir uns mit einem so großen und wichtigen Projekt zur Verbesserung für  etwa zwei Millionen Arbeiter-/innen in 1600 Textilbetrieben (Zahlen von UNI global union) solidarisch erklären. Seit 2005 sind wir (erstes deutsches) Mitglied der Fair Wear Foundation und entwickeln unsere Instrumente zur Sicherstellung fairer Produktionsbedingungen bei unseren Herstellern immer weiter.

 

So entsteht hessnatur-Qualität

Donnerstag, 1. August 2013

Wusstest Du, dass für einen Babybody (70% Bio-Schurwolle und 30 % Seide) von hessnatur…

… das Garn in den Betriebsstätten des größten deutschen Kammgarnspinners gesponnen wird, der nicht nur GOTS, sondern auch IVN best zertifiziert ist?

… alle verwendeten Farbstoffe gemäß der GOTS-Richtlinie garantiert unbedenklich für die Umwelt und die menschliche Haut sind?

… das Garn in einem Familienbetrieb auf der Schwäbischen Alb verstrickt wird, unter Verwendung von Stärkeverbindungen, um den Faserabrieb zu vermindern – alles gemäß dem GOTS-Siegel?

… der verstrickte Stoff in unmittelbarer Nähe zur Strickerei mechanisch veredelt wird, wobei sehr genau auf einen möglichst geringen Strom- und Wasserverbrauch geachtet wird?

… die Näherei, ebenfalls ein Familienbetrieb auf der Schwäbischen Alb, Abfälle beim Zuschnitt gemäß der Low-Waste-Philosophie für Einsätze von Herrenhosen verwendet?

Das alles kannst Du im hessnatur-Bericht zur Nachhaltigkeit auf der Seite 72/73 (in unserem Online-PDF) nachlesen.

Die Produktionsbetriebe, in denen hessnatur seine Kleidung fertigen lässt, sind spezialisiert in der Herstellung von ökologisch unbedenklichen Textilien. Um durchgehend die Einhaltung der strengen hessnatur-Richtlinien zu gewährleisten, müssen diese Betriebe Hand in Hand arbeiten. Im hessnatur-Bericht zur Nachhaltigkeit wird diese aufwändige Kooperation am Beispiel der Fertigung eines Babybodys aus 70 Prozent kbT-Schurwolle und 30 Prozent Seide verdeutlicht.

Der Betrieb, in dem das Garn gesponnen und gefärbt wird, liegt in Deutschland. Er ist nach ISO 9000 und 14001 sowie nach GOTS und IVN best zertifiziert. Das Stricken des Garnes, die Veredelung des Trikots und das Nähen der Bodys erfolgt in drei Familienbetrieben, die alle auf der Schwäbischen Alb liegen. So können die Transportwege und der CO2-Fußabdruck gering gehalten und regionale Betriebe gestärkt werden. Alle Betriebe sind GOTS-zertifiziert, sofern sie auch konventionell produzieren, trennen sie die Öko-Textilien strikt von den anderen Produkten. Das ist aufwändig, aber für die hessnatur-Qualität, die uns viel wert ist, sehr wichtig.

„Sinnvoll genießen“: Lieblingsmode zusammenstellen und die textile Kette von hessnatur entdecken!

Freitag, 25. Januar 2013

Noch bis zum 31. Januar könnt Ihr Euch unter www.hessnatur-Insider.com für das „Sinnvoll genießen“-Event bewerben, das vom 22. bis 24. März in der Nähe des Bodensees für 15 ausgewählte hessnatur-Insider stattfindet. Mit dabei sind neben hessnatur unsere Partner SONNENTOR, Delinat und das Naturhotel Mohren.

Für das entspannende Wellness-Wochenende stellen sich die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorab ihre persönlichen Lieblingsteile aus der aktuellen hessnatur-Kollektion im Wert von 250 Euro (bzw. CHF 300) zusammen. Vor Ort wird Rolf Heimann, der den Bereich „Corporate Responsibility“ bei hessnatur leitet, in Sachen Eco Fashion und nachhaltige Produktion nach ökologischen und sozialen Kriterien schulen und in die textile Kette von hessnatur einführen. U.a. wird es dabei auch um unser Anbauprojekt für Bio-Baumwolle in Burkina Faso gehen, das in diesem Video vorgestellt wird.

YouTube Preview Image

Außerdem entdecken die Insider die Kräuter- und Tee-Welt von SONNENTOR und nehmen an einer Weinschulung mit Delinat-Weinen teil. Das Team vom Naturhotel Mohren sorgt mit Wellness- und Spa-Anwendungen und mit der leckeren Bio-Küche vom eigenen Gutshof dafür, dass sich die Teilnehmer so richtig wohl fühlen werden!

Alle weiteren Infos zum „Sinnvoll genießen“-Event und zur Bewerbung gibt es hier.

Dem Gift in Schuhen auf der Spur

Freitag, 11. Mai 2012

Noch nie waren Schuhe so günstig wie heute. Möglich macht das die globale Schuhproduktion. Aber die steckt voller Risiken für die Verbraucher. Immer wieder werden Rückstände von gefährlichen Giften und krebserregenden Stoffen in Schuhen gefunden, die sich nicht nur negativ auf die Umwelt auswirken, sondern auch der Gesundheit derjenigen schaden, die die Schuhe fertigen und die sie letzten Endes tragen – die Verbraucher.

Am kommenden Montag, 14. Mai zeigt das NDR-Fernsehen um 22.00 Uhr den Film „Giftige Schuhe“ von Inge Altemeier und Steffen Weber, die den Spuren der Gifte folgen und recherchieren, wie die globale Schuhproduktion die Umwelt und Gesundheit zerstört.

Wer nachlesen möchte, wie wir uns bei hessnatur für ein gesundes Schuhklima und eine nachhaltige Produktion einsetzen, dem empfehle ich den Blogbeitrag meiner Kollegin Dagmar, der hier im hessnatur-Blog erschienen ist.

Wie nachhaltig wird Mode produziert?

Donnerstag, 23. Februar 2012

Über die acht Fragen an Modelabel – als eine Art Checkliste für eine nachhaltige Produktion, zusammengestellt von Kirsten Brodde und Mark Starmanns – hatte ich hier im Blog schon berichtet und für hessnatur Antworten dazu geliefert.

Im Blog vom Netzwerk faire Mode hat Mark Starmanns jetzt die Antworten von Karstadt und uns gegenübergestellt. Bei der Gegenüberstellung haben sich weitere Fragen ergeben, auf die ich heute noch mal eingehen möchte. Die entsprechende Kategorisierung (1a, 2b etc.) von Mark übernehme ich, damit die Zuordnung leichter fällt.

1a. Die textile Kette von Anfang bis Ende zu überblicken ist laut Aussage von Karstadt nicht realisierbar – für hessnatur ist sie das: Wir haben die transparente und nachvollziehbare textile Kette als unsere Kernkompetenz aufgebaut, sie wird für jeden Artikel von uns abgefragt.

1b. Die Kontrollen schließen auch Vorlieferanten bei hessnatur mit ein. Beispiel: Unser Labeling. Jedes Pflegeetikett, jedes Hang-Tag von hessnatur wird von zwei von uns „autorisierten“ Lieferanten produziert, die es an die Konfektionsbetriebe weitergeben. Auch kennen wir unsere Rohware-Lieferanten (z.B. Bio-Baumwolle aus dem Burkina Faso-Projekt oder Alpaka-Wolle von der Pacomarca-Farm in Peru, die auch von den hessnatur-Botschaftern besucht wurde).

2a. hessnatur besteht bei jedem Lieferanten auf die Einhaltung der Standards, im Hinblick auf die Ökologie ebenso wie auf die Arbeitsbedingungen. Grundlage dafür ist neben der Kontrolle auch die intensive, langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und die Integration der hohen hessnatur-Anforderungen als fester Bestandteil in der Wertschöpfungskette.

2b. Sozialstandards sind für hessnatur mehr als „nur“ gerechte Löhne. Dazu gehören z.B. auch ein sicherer und sauberer Arbeitsplatz, ein geregeltes Beschäftigungsverhältnis, die Möglichkeit eine lokale Beschwerdestelle anzurufen etc. Was das angesprochene  Thema Löhne angeht, so arbeiten wir an einem Projekt (vgl. Auszeichnung der Fair Wear Foundation 2011 als „Best Practice“), um bei allen Konfektionsbetrieben von hessnatur weltweit existenzsichernde Löhne zu etablieren. Die Höhe der Löhne ist dabei von Land zu Land unterschiedlich, abhängig von den Lebensbedingungen in dem entsprechenden Land und der lokalen Währung. Zu beachten ist, dass die Sicherung von existenzsichernden Löhnen ein Prozess ist, den hessnatur nur im Gespräch und in der Zusammenarbeit mit den Lieferanten umsetzen kann, da die Näherinnen und Näher nicht direkt von uns gezahlt werden und zuweilen nicht ausschließlich für hessnatur produzieren. Bei hessnatur geht es um den Prozess und um das Bewusstsein, das wir für solch  ein wichtiges Thema gemeinsam mit dem Lieferanten erarbeiten.

4c. Prinzipiell muss es allen Mitarbeitern in den Produktionsbetrieben erlaubt sein, einer Gewerkschaft beizutreten. Eine Mitgliedschaft ist allerdings nicht verpflichtend, eine Näherin kann dies freiwillig für sich entscheiden. In Ländern, in denen es keine gut funktionierenden bzw. nur staatliche Gewerkschaften (Beispiel China) gibt, fördern wir das Prinzip von Betriebsräten bzw. Mitarbeitervertretern in Zusammenarbeit mit den durch die Fair Wear Foundation etablierten lokalen Beschwerdestellen.

7d. „Die Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation (FWF) heißt ja nicht, dass direkt überall „faire“ Löhne gezahlt werden“, heißt es in dem Beitrag von Mark Starmanns. Für alle Mitglieder der Fair Wear Foundation ist es verpflichtend, Mindestlöhne zu zahlen und einen Prozess aufzusetzen, der langfristig in allen Produktionsstätten für alle Mitarbeiter existenzsichernde Löhne vorsieht.

Im Rahmen des bereits angesprochenen Projekts von uns können wir nicht genau sagen, wie viele Produktionsstätten den so genannten Living Wage zahlen – das liegt daran, dass bestimmte, qualifizierte Mitarbeiter in einem Produktionsbetrieb diesen Lohn bekommen, andere im gleichen Betrieb aber noch nicht, weil sie zum Beispiel noch nicht so lange im Betrieb arbeiten oder noch nicht die entsprechende Qualität produzieren können. Dazu kommt – auch ein Ergebnis unserer Lohnuntersuchung -, dass es nicht in allen Ländern Daten zur Höhe von existenzsichernden Löhnen gibt, und teilweise auch Forderungen von Nicht-Regierungsorganisationen sehr hoch erscheinen. Selbst in Deutschland war unseren Experten eine vollständige Analyse in dieser Hinsicht nicht möglich.

Was die zeitliche Perspektive angeht, so gibt es keine konkrete Zahl, die wir nennen können, da es wie geschrieben ganz unterschiedliche Lohnmodelle gibt, immer in Abhängigkeit vom Land und den dortigen Lebensverhältnissen. Ziel ist es für uns außerdem, alle Mitarbeiter dabei „mitzunehmen“ und das Gehaltsniveau generell zu steigern. Sprich von der Näherin bis zum Mitarbeiter, der die Ware verpackt. Das Thema Sozialstandards wird nach wie vor eine wichtige Rolle in unserer täglichen Arbeit und Kommunikation spielen.