Artikel mit den Tags "soziales"

Faires Kaufhaus gesucht

Mittwoch, 18. März 2009

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

 Am Wochenende habe ich meinen Kleiderschrank “ausgemistet”. Und während ich so sortiere und räume und der Stapel für den Kleidersack nur langsam und mühsam wächst (weil Frau ja grundsätzlich der Überzeugung ist, dass sie das alles bestimmt noch mal anziehen kann…irgendwann), fällt mir ein altes T-Shirt von hessnatur in die Hände, optisch durchaus noch “tragbar”, aber mir mittlerweile zu klein.

Und ich denke: Eigentlich könnte ich das Teil auch in die grüne Tonne werfen oder im Garten vergraben, weil komplett bio und kompostierbar :-)  Netter Gedanke…mach ich aber natürlich nicht, weil das T-Shirt noch brauchbar ist und ich bei einer Millionen Tonnen Textilmüll im Jahr allein in Deutschland nicht noch Öl ins Feuer gießen will. Außerdem freue ich mich immer, wenn sich für meine ehemaligen Lieblingsstücke noch ein dankbarer “Nachfolger” findet.

Stellt sich also die Frage, wohin damit bzw. was sich mit dem T-Shirt und den restlichen Textilien Sinnvolles anstellen lässt. Nachdem ich meine ausrangierte Garderobe bisher immer in die Altkleidersammlung gegeben habe, will ich es diesmal anders machen und meine Klamotten an ein soziales Kaufhaus verschenken. 

Der Gedanke, dass die Sachen Menschen mit wenig Geld zugute kommen, die unmittelbar in meiner Nähe, vielleicht sogar in meiner Stadt leben, finde ich irgendwie netter als die Vorstellung, dass die Teile mit “Empfänger unbekannt” über den gesamten Erdball verstreut werden. Außerdem weiss ich von den fairhaus-Läden, an die hessnatur seine Restware verschenkt, dass sie Langzeitarbeitslose beschäftigen. Im Hinblick auf unsere aktuellen Arbeitslosenzahlen ein weiterer Anreiz für mich, meine textilen Schätze diesmal einer solchen Einrichtung zu spenden.         

Deshalb bin ich auf der Suche nach einem fairen Laden oder sozialen Kaufhaus in der Nähe, vorzugsweise im Raum Gießen oder Frankfurt. Vielleicht kennt einer von Euch ja eine entsprechende Adresse, die Ihr idealerweise schon mal selbst getestet habt und für empfehlenswert haltet?

Social Media – Ist Vertrauen besser als Kontrolle?

Donnerstag, 12. März 2009

Im Rahmen unseres Workshops zum Thema „Social Media“ wurden wir u.a. auch mit dem Statement „there is  an inverse relationship between control and trust“ konfrontiert.

Als Marketer mit langjähriger Versandhandels-Erfahrung musste ich mir die Aussage erst einmal auf der Zunge zergehen lassen – war unser Business bisher doch sehr stark von Kontrolle geprägt. So versenden wir Kataloge an ausgewählte Kunden, um keine Werbemark zu verschwenden, effizient auch im Sinne der Umweltbelastung zu handeln. Generell agiert man aber eher aus dem Unternehmen heraus und gibt Informationen/Angebote in den Markt, anstatt in den aktiven Dialog mit dem Verbraucher zu treten.

Wobei ich auch sagen muss, dass wir bei hessnatur den Dialog mit unseren Kunden schon immer sehr gern und intensiv geführt haben. Ich schätze es sehr, dass unsere Kunden auch sehr rege sind und selten ein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um Anregungen und Ihre Bedürfnisse geht. Es trägt sehr gut zur Verbesserung der Dienstleistung als auch natürlich zur eigenen Wahrnehmung bei. Aus diesem Grund wurden auch aktuell die Projekte Blog oder auch Produkttester ins Leben gerufen, um genau von diesem Wissensstand zu partizipieren und uns ständig zu verbessern.

Web 2.0“ oder auch „Social Media“ sind die aktuellen Schlagwörter. Die Kunden-Demokratie steigt und es findet ein umdenken statt. Aus forschen wird zuhören, man vermarktet indem man Gespräche führt, Kunden vernetzen sich, schließen Freundschaften und unterstützen sich.

Ich genieße es Tag für Tag die Kommentare in unserem Blog zu studieren und zu sehen, wie stark das Interesse sowie die Anteilnahme ist. Im Prinzip eigentlich ganz einfach… man steckt viel mehr Vertrauen in die Meinung der Menschen, welche einem schon seit Jahren oder auch nur seit Monaten begleiten. Sie sind überzeugt von uns und wie wir arbeiten! Warum sollten wir das ignorieren?

Ja, es ist wirklich eine Umkehr von Kontrolle zu Vertrauen, welcher wir uns gerne stellen. Wir schätzen den Dialog, werden uns weiter für die Bedürfnisse der Menschen öffnen, Meinungen akzeptieren, konstruktiv diskutieren und vor allem Vertrauen schenken. Schon ein komisches Gefühl, wenn man Gewohnheiten ablegt und sich neuen Dingen zuwendet.  :)

Schulkleidung – Pioniere aus Thüringen

Montag, 2. März 2009

In meinem ersten Beitrag über unser Engagement für eine verbindende Schulkleidung an deutschen Schulen habe ich versucht zu erklären, was hessnatur hier tut, warum wir es tun.

Nun möchte ich etwas konkreter werden und wie versprochen die erste Schule vorstellen, die sich schon Ende 2007 für eine gesunde und faire Schulkleidung entschieden hat: die Bergschule St.Elisabeth im Heilbad Heiligenstadt. Die christliche Schule aus dem Eichsfeld (wunderschönstes Thüringen!) hat uns von Anfang an tatkräftig unterstützt. Wir haben uns besucht und beraten, Optionen und Restriktionen zusammen getragen, Schüler- Workshops organisiert und abends mit dem schulischen Projektteam weiter diskutiert. Nur so konnte die aktuelle hessnatur Schulkleidungs-Kollektion aus 15 Artikeln in 8 verschiedenen Farben entstehen.

Ein großer Lacher war übrigens meine unbedachte Formulierung beim ersten Besuch in der Schule. Ich wollte meiner Begeisterung mal so richtig Nachdruck verleihen und lobte die Schüler und Lehrer als absolute “Pioniere” im Projekt. Diese Bezeichnung weckte allerdings eher großes Schmunzeln aufgrund eindeutiger Assoziationen mit Ernst Thälmann, anstatt meinen Enthusiasmus zu unterstreichen. Naja, verstanden haben wir und trotzdem von Anfang an…

Gerade im Vergleich mit anderen Schulen wurde mir hier auch zum ersten Mal klar, warum genau hier gesellschaftlicher Wandel Wirklichkeit werden kann, und warum man sich anderenorts manchmal schwer tut: Wo Lehrer und Eltern eng und offen zusammen arbeiten, wo Schüler von Beginn an mit eingebunden werden, da hat die Vision einer gemeinschaftlichen Kleidung den richtigen Nährboden. In Schulen dagegen, die ausschließlich auf die Unterstützung und das Tun von hessnatur warten, gerät die Entwicklung und Überzeugungsarbeit immer wieder ins Stocken.

Noch immer meldet sich die Projektleiterin Ulrike Plath regelmäßig bei uns und berichtet uns über neue Entwicklungen und Ideen zur Schulkleidung – eine wertvolle Verbindung, um gemeinsam zu wachsen und zu lernen! Auf der Homepage der Schule finden Interessierte auch Erfahrungsberichte, die einen lebendigen Einblick in Sachen Schulkleidung geben.

Und so ganz nebenbei hat die “Europaschule” & “Schule ohne Rassismus” gerade die vierte Zertifizierung erreicht: Das anspruchsvolle Qualitätszertifikat EFQM. Herzlichen Glückwunsch! hessnatur ist wirklich stolz, mit solchen vorbildlichen Schulgemeinschaften zusammen zu arbeiten.

Demnächst noch mehr über unsere tollen Schulen: Die Bugenhagenschulen Hamburg, die Schrenzerschule Butzbach, Die IGS Kandel, die Wilhelm-Raabe-Schule Hannover, die Freie Waldorfschule Buxtehude, und viele mehr!

Blutjeans, nein Danke!

Mittwoch, 4. Februar 2009

Ich war echt geschockt, als ich heute diesen Artikel “Der bleiche Tod” gelesen habe, in dem beschrieben wird, wie junge Männer in Istanbul zwischen 20 und 25 Jahren Jeans mit Sandstrahlern bearbeiten, um den uns bekannten “Wash-out-Effect” herzustellen. Diese Arbeit führt zu irreparablen Schäden der Lunge, welche bereits nach wenigen Monaten zum Tode führen können!

Es passieren viele schlimme Dinge mit Mensch, Tier und Umwelt, von denen in den Medien berichtet wird. Jeder Mensch mag davon unterschiedlich betroffen sein. Für mich war es bei diesem Artikel so, dass er mich wirklich berührt hat. Ich trage aktuell auch eine Jeans und vielleicht macht das auch die Nähe zum Thema aus. Letzten Samstag habe ich bei hessnatur diese Hose gekauft, die ich in diesem Moment trage. Da habe ich natürlich sofort nachgefragt, ob Jeans von hessnatur mit Sandstrahlern behandelt werden. Zur Info: Ich arbeite erst 6 Monate bei hessnatur, daher verzeiht, wenn ich so etwas frage, aber es brannte mir natürlich unter den Nägeln.

Nach Aussage von unserem Spezialisten Herrn Heimann sind meine Jeans nicht mit Sandstrahlern behandelt sondern mit Enzymen gewaschen. Das ergibt einen ersten Wash-out-Effect und ist für Mensch und Umwelt unbedenklich. Für eine stärkere Used-Optik werden die Hosen anschließend in einer speziellen Waschmaschine mit Bimssteinen durchgespühlt, daher der Begriff „stone washed“.

Jeans, die mit Sandstrahlern behandelt wurden, sind spätestens nach diesem kleinen Exkurs für mich ein definitives No-GO.

Dabei habe ich auch noch weitere spannende Infos von Herrn Heimann bezüglich der hohen Kunst der Herstellung „unbedenklicher Jeans“ erfahren.

Wenn Interesse besteht, kann ich gerne Fragen von Euch an ihn weiterleiten oder auch ein Interview machen, in dem wir das Thema weiter vertiefen. Was meint Ihr?

Das hessnatur Brautkleid

Dienstag, 3. Februar 2009

Von meiner Freundin habe ich ein wirklich sehr nettes Buch über ökologisches Design geschenkt bekommen, in dem um die 600 Produkte aus umweltfreundlichen Materialien vorgestellt werden. Das Buch hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, zeigt aber dennoch, dass gutes Design und Nachhaltigkeit vereinbar sind.

Beim Durchblättern ist mir dann das hessnatur Brautkleid aufgefallen, für das hessnatur 1997 den internationalen Designpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen bekommen hat. Das Design des Kleides ist heute vielleicht nicht mehr so zeitgemäß- die Idee hinter dem Produkt aber um so mehr:

Man hat sich Gedanken darüber gemacht, wie ein Hochzeitskleid, das ja idealerweise nur an einem Tag im Leben genutzt wird, ökologischer werden kann. Es entstand ein Kleid, das aus 60%  Seide und zu 40% aus gewobenem Hanf besteht.

Brautpaare konnten das Kleid kostenlos ausleihen und nach der Hochzeit wieder zurückgeben. Anschließend kam es in die Reinigung und wurde erneut an Hochzeitspaare vergeben. Insgesamt haben über 80 Paare in diesem Kleid geheiratet! Irgendwie schafft das doch eine schöne Verbindung zwischen Menschen, die ihre glücklichsten Momente in diesem Kleid weitergeben.

Heute ist dieses Kleid im Designmuseum in London ausgestellt.