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hessnatur gewinnt den ersten nachhaltigen Marketingpreis

Freitag, 22. Mai 2009

Das ist ja mal eine schöne Überraschung: hessnatur gewinnt den ersten Marketingpreis im Bereich der Nachhaltigkeit mit dem schönen Namen “Minne”, was für Marketingpreis für innovatives nachhaltiges Marketing steht.

Die Intention des Münchener Marketing Circles, der diesen Preis vergibt, ist, all jene in die Öffentlichkeit zu bringen, die auch an die Ressourcen von morgen denken. Spannend wäre zu erfahren, wer den zweiten und dritten Platz belegt hat.

Und hier die Begründung für den Sieg von hessnatur:

hessnatur gehört zu Pionieren der Umweltbewegung. Mit dem Umweltaktivisten Heinz Hess fing schon 1976, also vor über 30 Jahren, alles an. Er formulierte die Vision und das Bedürfnis nach reiner, natürlicher und unbehandelter Babykleidung und begann mit dem ersten Katalog. Auch heute lebt seine Vision fort, auch heute hinterlassen wir sichtbar Spuren: für ein menschliches und natürliches Leben, eingebettet in gesunde Natur und eine lebendige Gemeinschaft.

Gerade auch im Marketing wird diese Vision mit allen aktuellen Medien gestützt und verbreitet. Vor allem entscheidet für die Jury war die Verknüpfung eines traditionsreichen Labels mit modernstem Medieneinsatz. Neben der Nutzung der üblichen Marketinginstrumenten (Beilagen-Schaltung, Online Newsletter, Mailings, MGM-Maßnahmen, POS-Aktionen etc.) nutzt hessnatur redaktionelle Katalogseiten, auf denen die Kunden über das aktuelle Unternehmensgeschehen (Projekte, Auszeichnungen, Kooperationen etc.) informiert werden. Darüber hinaus ist hessnatur 2008 unter die Blogger gegangen und beschäftigt sich derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts mit Empfehlungsmarketing durch Produkt-Tester.

Alles in allem hat die Jury bei hessnatur das Vorbild für das nachhaltige Marketing der Zukunft gesehen. Dazu gehören klare Unternehmensvisionen, maßvolles kontinuierliches Wachstum in den letzten Jahren, überzeugende Produkte, innovative Marketingstrategien und proaktives gesellschaftliches Engagement, welches über das reine Spenden hinausgeht. Als Beispiele seien hier das Anbauprojekt Hessen (kontrolliert biologischer Leinenanbau) genannt und das Rhönschafprojekt, welches die Förderung von Produkten aus deutscher Wolle, speziell aus Rhönwolle fördert.

Die Jury hofft nicht nur einen Pionier und Vordenker hiermit auszuzeichnen, sondern auch, dass andere Unternehmen, v.a. aktuelle Unternehmensgründer dieses Vorgehen als Vorbild verstehen und sich davon inspirieren lassen.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, liebes hessnatur-Team und Chapeau für die Leistung!

„Make money – give money“ – Ideen zu Social Business

Montag, 27. April 2009

Die Themen Grameen, Friedensnobelpreisträger Dr. Muhammad Yunus und Social Business – zu deutsch soziales Unternehmertum – sind in unserem Blog ja schon mehrfach behandelt worden.

Ich knüpfe heute daran an und möchte vom „Klassentreffen“ des Grameen Creative Lab berichten, das am Samstag in Wiesbaden stattfand. Das Grameen Creative Lab ist eine gemeinsame Initiative zwischen dem Yunus Center in Dhaka in Bangladesch (das zur Grameen Stiftung gehört) und Circ Responsibility, einem Tochterunternehmen der Agentur Circ von Hans Reitz. Das gemeinsame Ziel der beiden Initiatoren Yunus und Reitz: Die Bekämpfung von Armut weltweit und deren Auslöschung bis 2030. Dafür bringt das Grameen Creative Lab Mitstreiter zusammen, berät Unternehmen in Sachen Social Business und vernetzt Investoren.

Spannend war es zu erfahren, welche Prinzipien Dr. Yunus dafür aufgestellt hat. Er sieht Social Business gleichberechtigt neben dem traditionellem Unternehmertum. Aber: Social Business verfolgt ein soziales Ziel. Investoren geben Startkapital, verlangen keine Zinsen und bekommen bei Rückzahlung nur ihr eingesetztes Kapital zurück – ohne Dividende. Und: Ein Social Business ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung zum Geld sammeln, sondern zum Geld verdienen, dessen Gewinne wieder in den Ausbau des Geschäfts oder in neue Projekte fließen. Kurz gefasst: „Make money – give money“. In dem Zusammenhang soll Dr. Yunus auch mal gesagt haben: „If you want to change the world – go for it. I go to work“.

Der Tag, der von vielen Diskussionen und Präsentationen in verschiedenen Workshop-Klassen geprägt war, war ungemein inspirierend: Viele Ideen, viele neue und nette Kontakte und viele Mitstreiter, die im sozialen Wirtschaften Sinn und Nachhaltigkeit sehen. Bemerkenswert übrigens die Location des Klassentreffens: eine Hauptschule in Wiesbaden. Die Schüler haben den kompletten Tag organisiert und mit der Schülerband Wahnsinns-Stimmung gemacht – Respekt!

Ich für meine Fälle bin am Samstag Abend mit einem pickepackevollen Kopf voller Ideen nach Hause gefahren! Ein Gedanke hat mich besonders beeindruckt: Es geht in erster Linie darum, konkret mit einer Idee anzufangen und die voranzutreiben. So, wie wir es bei hessnatur mit einem T-Shirt in Bangladesch gemacht haben. Und darauf aufzubauen. „Das ist so wie in der Natur“, hat Hans Reitz erzählt, „die kann auch keine riesigen und ausgewachsenen Bäume pflanzen. Zuerst einmal müssen die Samen verteilt werden – damit beginnt Wachstum.“

In den kommenden Monaten sollen weitere Treffen des Grameen Creative Lab stattfinden – mehr dazu soll es in Kürze auf der Website geben. Ich war am Samstag zum ersten Mal bei einer Veranstaltung dieser Initiative dabei – aber sicher nicht zum letzten Mal. :-)

Besuch aus der nördlichen Mongolei

Montag, 20. April 2009

Auf diesen Termin heute habe ich mich besonders gefreut, denn das hat man ja nicht alle Tage: Kontakt mit den Menschen, die für uns die sagenhafte Yakwolle zu tollen Pullovern verarbeiten. Und das ganz exklusiv!

Das junge Pärchen kommt ganz unprätentiös und bescheiden bei uns an. Mit Michael Krause an meiner Seite wird schnell ein spannendes Frage- und Antwortspiel daraus.

Wie kommt man denn dazu, die bei uns bis dato völlig unbekannte Yakwolle nach Deutschland zu bringen? Diese Frage löst sich schnell, denn meine Gesprächspartnerin ist Mongolin mütterlicherseits. Mit einigem unternehmerischem Gespür und wohl auch der nötigen Risikobereitschaft, aber auch einer entspannten Ruhe scheint die Mischung zu stimmen: 2006 fingen die beiden dort mit eigener Produktion an. Eine Erfolgsgeschichte, die heutzutage ihresgleichen suchen kann. Angefangen haben sie mit 3 Mitarbeitern, heute, 3 Jahre später, sind schon 27 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dabei auch ein Bruder und der Onkel, der sich inzwischen auf die Auswahl und den Einkauf besonders guter Yak-Qualitäten spezialisiert hat. Er muss ja die Lieferanten besuchen. Und diese wandern mit ihren Jurten über die Weiden hauptsächlich rund um den Khuvsgul-See im Norden und das Arkhangai-Aimag in der Landesmitte. Die Yaks wollen in die Höhe, sie halten bis zu minus 40°C im Winter aus. Im Sommer wird es dort tagsüber auch mal 30°C warm – eine ordentliche Spanne!

Ja, das haben wir doch schnell verstanden: In der Mongolei schlagen die Uhren noch anders. Da ist Geld nicht alles, was einen Menschen an einen Arbeitsplatz bindet. Die Würde und das Gefühl müssen stimmen. Unsere beiden Besucher haben deutsche Arbeitsbedingungen mit mongolischen verknüpft und so eine große Zufriedenheit für ihre Mitarbeiter in der Strickerei erzielt. Da gehören geregelte Arbeitszeiten genauso dazu wie Renten- und Krankenversicherung (was wohl dort noch nicht üblich ist), Urlaubsgeld und zwei kostenlose Mahlzeiten am Tag. Sie wollen, dass die Menschen „mit ihrem Herzen arbeiten“. Eine Formulierung, die wir hier bei hessnatur natürlich gerne hören!

Die Mongolei ist bekannt für hochwertige Kaschmirverarbeitung. Die Verarbeitung von Yak auf den dort verwendeten Handstrickmaschinen benötigt aber ein anderes Vorgehen. Ohne Ehrgeiz und Tüftelei geht es kaum, das Yakhaar ist kürzer und verhält sich beim Spinnen und Stricken einfach anders. Mittlerweile sind die einstigen Kaschmirstricker/-innen und –Verabeiter/-innen wahre Yak-Profis geworden.

Auch die Lagerung der Wolle wird durch deutsches „Know-How“ verbessert: Dort wird noch gewohnheitsmäßig mit Mottenkugeln gegen Motten gekämpft (einen Kommentar dazu verkneife ich mir, aber ich denke, jeder hat jetzt den typischen Geruch in der Nase). Unsere Yak-Lieferanten nehmen bei ihren Flügen in die Mongolei Lavendel mit. In geschlossenen Räumen mit Lavendel beduftet – das reicht, versichern uns die beiden. Auch über den Transport nach Deutschland hat man sich deshalb für die schnelle Luftfracht entschieden – damit keine Pestizide für lange Transporte per Schiff notwendig werden. Alles in unserem Sinne – es könnte doch immer so einfach sein…

Übrigens: Wer mehr über das Leben in der Mongolei und die nomadisierenden Viehhirten erfahren will, dem sei das Buch „Der Zorn der Wölfe“ empfohlen. Diesen Tipp bekamen wir sozusagen gratis – on-top – von unseren Besuchern.

In der Sonne zu Mittag

Freitag, 3. April 2009

Mein Mitteilungsbedürfnis steigt von Beitrag zu Beitrag, seit ich angefangen habe zu bloggen. Daher konnte ich es auch nicht sein lassen, die herrliche Atmospähre beim Essen abzulichten, um sie mit euch zu teilen. Sonne, Temperatur und Essen, alles stimmt einfach.

Auf dass ihr auch einen schönen Start ins Wochenende habt.

Buchtipp: “Saubere Sachen” von Kirsten Brodde

Donnerstag, 19. Februar 2009

Inzwischen ist der Trend zu nachhaltigen Produkten auch ganz deutlich in die Modewelt eingezogen. Öko goes Mainstream – und das seit geraumer Zeit nun auch im Textilbereich. So macht Kirsten Brodde in ihrem neuen Buch “Saubere Sachen” deutlich, “wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt.”

Dieses Buch zeigt sehr schön, dass “ökorrekte” Kleidung eben nicht nur entweder aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder aus guten Sozialstandards besteht, obwohl manche Hersteller dies gern verschweigen. Die Einhaltung aller sozialen wie ökologischen Richtlinien entlang der textilen Kette machen erst ein wirklich sauberes Kleidungsstück aus. Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Während viele konventionelle Textilunternehmen nun die Gunst der Stunde nutzen und auch eine kleine medienwirksame Auswahl an Bio-Baumwollprodukten anbieten, vergessen diese z.B. oft die Aspekte der Sozialstandards.

Bei einem ganzheitlichen Ansatz wird sichergestellt, dass auch die Produzenten unserer Textilien gesund bleiben, weil sie z.B. eben nicht mit Pestiziden in Berührung kommen und sich auch nicht mehr bei den Banken verschulden müssen. Sicher, ein erster Schritt in die richtige Richtung ist bestimmt ein guter. Dennoch muss auch dafür Sorge getragen werden, dass Unternehmen lernen, Verantwortung zu tragen. Und das vom Feld bis zur Entsorgung des Produktes.

In einem Buch über nachhaltige Textilien darf hessnatur natürlich auch nicht fehlen. Als Pionier in Sachen Ökologie und Sozialsstandards geht die Greenpeace-Textilexpertin Kirsten Brodde ab Seite 117 dann genauer auf hessnatur ein. So schreibt sie begeistert über Miguel Adrover, die USA und nicht zuletzt über das Potential und den Vorbildcharakter des Unternehmens.

Dieses Buch zeigt, dass Menschlichkeit, Umweltschutz, Verantwortung und modernes und kreatives Design schon längst keine Widersprüche mehr sein müssen.