Artikel mit den Tags "Verantwortung"

Live-Blogging: Lieferantenbesuch in Istanbul

Montag, 8. März 2010

Ich bin gerade in Istanbul in der Türkei. Draußen ist es sonnig, der Wind bläst kalt vom Meer rüber. Davon werde ich heute nicht allzu viel mitbekommen. Denn ich bin am heutigen Montag bei einem unserer Lieferanten hier zu Besuch. Normalerweise bin ich mit unserer Agentin alleine unterwegs. Heute nicht. Wir sind ein großes Team und überprüfen unsere Arbeit gegenseitig.

Die hessnatur-Agentin und ich, wir sind schon bekannt hier. Wir waren bereits zwei mal vor Ort bei einem hessnatur-Lieferanten in Istanbul, um die Fabrik auf Sozialstandards zu überprüfen. Die Produktionsstätte ist sehr groß, gerade nähen die Arbeiter Shirts aus Bio-Baumwolle für uns. Außerdem gibt es eine hausinterne Färberei, ein großes Lager und einen Raum, in dem die einzelnen Teile eines Textils geschnitten werden. Bei rund 500 Mitarbeitern ist natürlich auch die Kantine entsprechend riesig. Heute gab es Nudeln mit Rosenkohl und Linsensuppe – dazu natürlich Ayran.

Henrik und Margreet sind von der holländischen Fair Wear Foundation (FWF), die die Arbeitsbedingungen zusätzlich zu unseren Kontrollen überprüft. Auch sie sind heute den ganzen Tag in der Fabrik. Beide trainieren im Auftrag von FWF lokale Auditteams vor Ort. So kann sichergestellt werden, dass die hohe Qualität und die vielen Ansprüche – sowohl von der Fair Wear Foundation als auch von hessnatur – umgesetzt werden. Außerdem überprüfen sie meine Arbeit zusammen mit dem Lieferanten in den letzten anderthalb Jahren: Wie gut kenne ich den Lieferanten und die Arbeitsbedingungen vor Ort? Arbeitet der Lieferant nach dem Verhaltenskodex von hessnatur?

Das von der Fair Wear Foundation ausgebildete Auditteam besteht aus drei Personen: Zeynep, Alpay and Ufuk. Die drei haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit bei der Überprüfung von Sozialstandards. Und sie haben heute am meisten zu tun. Alpay ist der Chef im Team und inspiziert alles, was wir Fachfrauen und -männer unter „Health and Safety“, zu deutsch Gesundheit und Sicherheit, zusammenfassen. Zum Beispiel: Gibt es Feuerlöscher, Fluchtwege? Wie ist die Temperatur, das Licht in der Näherei? Zeynep ist zuständig für die Mitarbeiter-Interviews. Bereits letzte Woche war sie da und hat Mitarbeiter auf ihrem Weg zur Fabrik interviewt. Heute spricht sie mit einzelnen Mitarbeitern am Arbeitsplatz. Alpay darf sich den ganzen Tag mit Dokumenten beschäftigen. Gibt es Arbeitsverträge? Beinhalten sie alle relevanten Informationen?

Heute Abend wird dann alles auf einen Tisch gepackt: Was macht der Lieferant gut? Gibt es Mängel? Wurden diese durch hessnatur bereits vorher schon aufgedeckt? Was kann der Lieferant noch weiter verbessern?

Ich werde wahrscheinlich nach dem Tag heute Abend müde ins Bett fallen. Aber mit dem guten Gefühl, dass sich unsere Arbeit lohnen wird. Morgen haben wir dann ein Abschlussgespräch mit dem Management der Fabrik. Deren Reaktion ist immer wieder spannend. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Lob und Kritik um. Und schließlich müssen wir danach alle noch mal die Ärmel hochkrempeln, so dass auch die letzten kleinen Verbesserungsmöglichkeiten bald angepackt sind.

Weltfrauentag 2010 – Ungerechtigkeit weltweit

Donnerstag, 4. März 2010

Gleichberechtigung für Frauen – ein Thema, das in Deutschland gerne heftige Diskussionen auslöst. Am kommenden Montag, dem Weltfrauentag 2010, möchte ich unserem Blick dennoch eine andere Richtung geben: Durch unsere Projektarbeit ist hessnatur in vielen Ländern präsent, wir erhalten Berichte von Auditierungen, von Kontrollen in Produktionsstätten. Unsere Kollegen und Kolleginnen erzählen von ihren Reisen.

Wir arbeiten in Bangladesch mit Grameen Knitwear zusammen – einer Firma, die zum Netzwerk der Grameen Bank von Prof. Muhammad Yunus gehört, der mit seinen Mikrokrediten vor allem Frauen aus der Armut heraushilft. In Burkina Faso in unserem Bio-Baumwollanbau-Projekt sind wir ebenfalls ganz nah dran. Frauen sind benachteiligt. In sehr vielen Ländern dieser Erde. Der Zugang zu Bildung wird für sie immer erst hinter den Bedarf der männlichen Familienmitglieder gestellt. Zwangsehen sind noch weitverbreitet, geschlechtliche Diskriminierung ist an der Tagesordnung. In Burkina Faso unterstützen wir mit Kundenhilfe eine Dorfschule und die Kantine, damit die Kinder während des langen Schultages etwas zu essen bekommen. Bildung ist die beste Vorbereitung für eine bessere Zukunft.

Das Stichwort zum Thema: Analphabetentum. Mädchen haben es doppelt schwer, denn meist dürfen nicht alle Kinder einer Familie in die Schule. Die Andheri-Hilfe in Bonn, übrigens gegründet von der sehr engagierten Religionslehrerin Rosi Gollmann, setzt sich seit den 60er Jahren für eine benachteiligte Randgruppe in Bangladesch, und hier auch wieder speziell für Mädchen und Frauen, ein. Dank der vielen Menschen, die sich für sie stark machen, dringt der Hilferuf überhaupt zu uns. Oft ist Tradition stärker als das Gesetz.

Wir Frauen haben ja schon aus der Evolution heraus ein „soziales Gen“ . Während die Männer früher durch die Wälder streiften, um zu jagen, mussten die Frauen das soziale Netz aufrecht erhalten und sich untereinander stärken. Auch heute sind Frauen vielfältig in Gemeinschaften aktiv. Sie vernetzen sich, sei es um Unternehmen zu gründen, um Mehrgenerationenhäuser und -Ideen zu verwirklichen, um Kindern eine bessere Chance zu ermöglichen oder einfach, um sich gegenseitig zu helfen. In Deutschland gehören alleinerziehende Frauen zu einer der gefährdeten Randgruppen, die bei Jobverlust in Hartz IV landen. Zu hohem Prozentsatz.

Wir müssen also gar nicht so weit in die Ferne blicken. Der Weltfrauentag also ist ein Tag, an dem es Sinn macht, über Gleichberechtigung nachzudenken. Und zu handeln.

Statement-Shirts: “Du bist, was du trägst”

Mittwoch, 3. März 2010

Statement-Shirts sind ja im Grunde genommen wie Aufkleber: Sie erzählen Gott und der Welt, woran wir glauben, was wir hoffen, was wir gut und schlecht finden und überzeugen im besten Falle auch andere, sich für sinnvolle Sachen zu engagieren.

Von Montag bis Freitag in der nächsten Woche wollen wir Euch hier im Blog fünf von unseren Statement-Shirts vorstellen. Jeden Tag eins. Jedes für sich hat eine eigene Botschaft auf kreative Art und Weise, die sich dafür stark macht, die Welt ein bisschen zu verbessern. Wir laden Euch ein, mit Eurem Kommentar Euren Favoriten zu wählen – und sind gespannt auf Eure Meinungen!

Und vergesst nicht: Wenn jede Person auf der Welt Abstand nimmt von T-Shirts aus konventioneller Baumwolle und Produktion und stattdessen T-Shirts aus Bio-Baumwolle trägt, die fair hergestellt sind, kann jeder einen Beitrag dazu leisten, die Umwelt als auch die Lebensumstände von vielen vielen Menschen zu verbessern. Denn: Kleidung ist mehr als nur etwas “zum Anziehen”. Es ist die klare Entscheidung für einen nachhaltigen Lebensstil.

P.S. Einige Kolleginnen und Kollegen haben heute schon mal für die Statement-Shirt-Woche geprobt und – passend zum schönen Wetter in der Wetterau – ihre Statement-T-Shirts angezogen :-)

Aktive Entwicklungshilfe: Mittagessen in der Schule

Montag, 15. Februar 2010

Schulspeisung

Können Sie sich noch erinnern? In unserem Katalog Herbst/Winter 2009 haben wir Ihnen eine völlig neue Art der Neukunden-Prämie zur Auswahl gestellt. Statt einem Geschenk oder einem Gutschein in Höhe von 20€ konnten Sie sich dafür entscheiden, den Gegenwert Ihrer Prämie für das Mittagessen eines Schulkindes in Komadougou, einem unserer Bio-Baumwoll- Anbau-Dörfer in Burkina Faso, zu spenden. Hessnatur legte die gleiche Summe obendrauf und konnte jetzt den stattlichen Betrag von 2850€ an die Schule dort überweisen.

Es ist also geschafft! Die Kinder bekommen jetzt jeden Mittag ein warmes Essen. Sie müssen nicht über manchmal mehrere Kilometer, meist barfuß, nach Hause laufen, um dort eventuell etwas zu essen. Meist reicht das Essen in den Familien gar nicht für alle.

„Die Lernergebnisse werden sich verbessern, wenn die Kinder in der Schule bleiben können und den Nachmittag nicht hungrig verbringen müssen,“ verspricht sich der Direktor der Schule Ouba Domènique, der die Schule seit 2004 leitet. Jetzt sind also alle 375 Schulkinder für knapp drei Monate mit Mittagessen versorgt. Ein Ergebnis, das unsere Erwartungen übertrifft. hessnatur sagt Danke!

Wie einfach es ist zu helfen, zeigt diese kleine Aktion; wir freuen uns mit der Schule dort. Die Kinder profitieren doppelt: einmal über ein ausgewogenes Mittagessen und zum anderen über Bildung, die ihnen in der Zukunft helfen wird, aus der Armut herauszukommen.

Machen Sie bitte weiter.  Gemeinsam schaffen wir es, die Schulkinder weiter zu unterstützen. Hier geht es zur Freundschaftswerbung und zur Prämienauswahl.

Die Erinnerung an Mitmenschlichkeit

Dienstag, 2. Februar 2010

ARK Website

Ich bin auf eine total verrückte Idee und deshalb so inspirierende Seite gestoßen, die kann ich Euch nicht vorenthalten: http://www.arkhq.com. Ark steht für “Act of random kindness”. Ein junger Ire mit einer genialen Idee: Tu jeden Tag ein gutes Werk. Gib Deinen Platz im Bus her, kaufe einem Fremden einen Kaffee, verschenke High-Fives, lade einen Obdachlosen zum Essen ein. Mit einem T-Shirt-Aufdruck erinnert das junge Ark-Team beim Anziehen schon daran: Es ist ganz einfach! Jedes Mal, wenn Du das T-Shirt trägst, lass Dir was einfallen und tu was Gutes!

Ja, wir könnten mehr davon brauchen! Das Leben in den Städten bedarf mehr Menschlichkeit und Anteilnahme. Hinschauen statt wegschauen sollte Motto sein.

In meinem Mail-Austausch mit Niall fand ich einen Satz, der eben auch ganz klar zeigt, wohin es die junge Gruppe mit Ihrer eigentlich simplen Idee gebracht hat, nämlich zu echten Lebensansichten:

“…we’re more about the recognition that we all have our ups and downs, our on days and our off days but we just want to try and redress the balance a little more towards those moments in life when we see glimpses of what it’s all about.”

Was wohl am Anfang ein Spaß sein sollte, wächst jetzt zu einer echten Marke heran, nachhaltig im wahrsten, menschlichsten Sinne. Wie seine E-Mail endete, kann ich nur zurückgeben:

Keep the faith.